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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 08.09.2010

"Bal - Honig"

Der Verlust einer wunderbaren Kindheit

Gesehen von Hannelore Heider

In "Bal - Honig", Gewinner der diesjährigen Berlinale, geht der türkische Regisseur Semit Kaplanoglu in seine Kindheit zurück und spiegelt sie im Leben des sechsjährigen Jungen Yusuf (Boras Altas).

Er ist gerade zur Schule gekommen. Mit dem Lesen tut er sich schwer und wird von den anderen wegen seines Stotterns ausgelacht, zu Hause aber kann er seinem Vater (Erdal Besikcioglu) sogar Gedichte laut vorlesen. Aber der schweigsame Vater, die liebevolle Mutter (Tülin Özen) - vor allem aber der Wald sind eben seine Welt.

In der ersten langen Eingangssequenz begleitet er seinen Vater beim Honigsammeln, eine gefährliche, für Vater und Sohn aber alltägliche Arbeit. Sie sichert nicht nur den Broterwerb der armen Familie, sondern bringt sie in ihre besondere Welt, die es so noch gibt in diesen abgelegenen Bergen vor der Schwarzmeerküste und die uns der Regisseur ohne jegliche märchenhafte Verklärung auf wunderbar eindringliche Weise erleben lässt.

Die Geräusche des Waldes, die Laute, die die Tiere hinterlassen, das Trommeln des Regens und die Sonnenstrahlen über tropfenden Ästen sind zu einer Erlebniswelt verwoben, die zu bewahren dem Zuschauer sofort kostbar wird. Es gibt keine Musik in diesem Film, kein künstliches Licht und nur wenige Worte.

Dramatisch wird die Geschichte erst, als der Vater mit einem Esel den Waldbienen in entlegene Gebirgsregionen hinterherziehen muss und nicht zurückkommt. Diesen Verlust einer wunderbaren Kindheit erlebt der Zuschauer als Tragödie und so wird dieser ruhige, ganz in der Natur des Waldes und den Seelen einfacher Menschen lebende Film zu einem Ereignis, das in seiner großen Menschlichkeit, seiner filmischen Konsequenz und einem unglaublich ausdrucksstarken kleinen Hauptdarsteller zu Recht mit dem Goldenen Bären der Internationalen Filmfestspiele von Berlin geehrt wurde.

Semih Kaplanoglus Film "Bal" ist der Abschluss seiner Trilogie, die mit "Yumurta" (Ei) und "Süt" (Milch) begann und reversiv den Lebensweg seiner Hauptfigur Yusuf in der modernen Türkei beschreibt.

Filmhomepage

Türkei 2010, Regie: Semih Kaplanoglu, Darsteller: Bora Altas, Erdal Besikcioglu, Tülin Özen, 104 Minuten, ab 6 Jahren

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