Seit 19:00 Uhr Nachrichten
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 19:00 Uhr Nachrichten
 
 

Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 28.04.2010

"Baarìa"

Nostalgische Familiengeschichte aus Italien

Gesehen von Katja Nicodemus

Baaria zeigt die Geschichte Peppinos, der in einem kleinen sizilianischen Dorf groß wird. Von 1930 bis heute wird Peppinos Leben nacherzählt, ohne dass jemals eine Anklage gegen die Verhältnisse erhoben würde. Nicht umsonst lobte Berlusconi den Film.

"Eine italienische Familiengeschichte" so lautet der Untertitel von Giuseppe Tornatores neuem Film "Baarìa". Erzählt wird von den Torrenuovas in einem kleinen Dorf auf Sizilien, von 1930 an, über 70 Jahre und drei Generationen hinweg. Cicco, der Großvater, ist Schafhirte und rebelliert ein bisschen gegen Mussolini. Sein Sohn Peppino wird deswegen in der Schule in die Ecke gestellt und entwickelt sich später zum begeisterten Kommunisten.

Doch die kommunistische Hoffnung wird in Tornatores Film nur eingeführt, um sie vorzuführen. Fürchterlich wird Peppino bei einer im Film etwa zwei Minuten dauernden Reise nach Moskau desillusioniert.

Ansonsten ist "Baarìa" ein zweieinhalbstündiges Plädoyer fürs Duckmäusertum. Denn Tornatore hält es in seinem Film mit denen, die sich anpassen und den Mund halten, auch wenn ihre Kinder verhungern. Mit großen Worten hat Silvio Berlusconi "Baarìa", den Eröffnungsfilm der letzten Filmfestspiele von Venedig gelobt. Als ein Film, der aus dem Herzen des italienischen Volkes spräche und der - ganz wirklichkeitsgetreu - die Verfehlungen des Kommunismus zeige.

Berlusconis Filmproduktionsgesellschaft Medusa-Film hat Baarìa produziert – zusammen mit der Region Sizilien, die 4,5 Millionen Euro für dieses olivenölige Landschaftsbild stiftete. Es ist ein Sizilien, in dem die armen Leute vor allem eines tun: Niemanden und schon gar keine Großgrundbesitzer oder Politiker für ihre Armut verantwortlich machen.

"Baarìa", so heißt im sizilianischen Dialekt der Ort Bagheria, Geburtsort des Regisseurs Giuseppe Tornatore. Man sollte also davon ausgehen, dass Tornatore weiß, wovon er erzählt, wenn er einen Sizilienfilm dreht. Welches Bild seiner Heimat entwirft er denn? Kann man "Baarìa" als eine Art neuen italienischen Heimatfilm abbuchen?

Italien 2009. Regie: Giuseppe Tornatore. Darsteller: Francesco Scianna, Margareth Madè, Nicole Grimaudo, Angela Molina, Lina Sastri, Salvo Ficarra, Valentino Picone, Luigi Lo Cascio. Länge: 150 Minuten

Filmhomepage "Baaria"

Filme der Woche

Neu im KinoAttraktive Chefin im tristen Büro
Der britische Schauspieler Nick Frost (dpa / picture alliance / Dan Himbrechts)

Bruce war drauf und dran, als 13-Jähriger die Salsa-Junioren-WM zu gewinnen. Dann hat er lange mit dem Tanzen nichts mehr am Hut - bis er eine neue Chefin bekommt. Um sie zu beeindrucken, fängt er wieder damit an.Mehr

Neu im KinoUnsterblich verliebte Todgeweihte
Schauspielerin Shailene Woodley, aufgenommen am 30. März 2014 in London. (picture alliance / dpa / Tal Cohen)

Die Jugendbuchverfilmung um die 16-jährige Hasel, die unheilbar an Schilddrüsenkrebs erkrankt ist, schafft, was schon der Romanvorlage gelang: unkonventionelle Charakterzeichnung und Herzkino ohne Gefühlsduselei.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur