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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 06.01.2016

Autobahn Salerno - Reggio Calabria Sinnbild für Italiens Misere

Von Jan-Christoph Kitzler

Ein Schild auf der italienischen Autostrada gibt die Richtung nach Salerno, Reggio Calabria, Roma (Rom), Casoria, Avellino und Bari an (picture-alliance/ dpa - Lars Halbauer)
Blick auf die unvollendete italienische Autobahn A3 von Salerno nach Reggio Calabria (picture-alliance/ dpa - Lars Halbauer)

Was dem Deutschen sein Flughafen BER in Berlin ist dem Italiener seine Autobahn A3: Milliarden wurden versenkt und Fristen nie eingehalten. Dabei hat die Ndrangheta, die Spielart der Mafia in Kalabrien, ihre Finger im Spiel.

"L'autostrada infinita", "die unendliche Autobahn", nennt man sie in Italien. Nicht weil sie so unendlich lang wäre, sondern weil ihr Bau anscheinend unendlich dauert. Die 443 Kilometer von Salerno südöstlich von Neapel bis nach Reggio Calabria an der Stiefelspitze der Italienischen Halbinsel sind berühmt-berüchtigt. Dabei ist die A3 die mit Abstand wichtigste Verkehrsader in den Süden Italiens. Jeder, der mit dem Auto dahin will, kann Geschichten erzählen von einer Autobahn, die einfach nicht fertig werden will. Von vielen, vielen Baustellen, von Staus, Umleitungen und Unfallgefahr. Von Abschnitten, die erst für den Verkehr freigegeben werden und an denen kurz darauf wieder gebaut wird.

Etwas weiter nördlich, in Neapel, lebt Francesco Borelli. Er sitzt für ein linkes Parteienbündnis im Parlament der Region Kampanien und war schon viel, zu viel, auf der A3 unterwegs. Wenn Borelli an diese Autobahn denkt, wird er sarkastisch:

"Die Autobahn Salerno - Reggio Calabria ist sicherlich eines der wichtigsten unvollendeten Bauwerke der Menschheit. Wir haben weniger gebraucht, um auf dem Mond zu landen, weniger, um die Pyramiden in Ägypten zu bauen oder die chinesische Mauer. Und wir wissen noch nicht einmal, ob und wann sie fertig wird. Es könnte sein, dass wir schon nicht mehr auf dieser Welt sind und an dieser Autobahn immer noch gebaut wird."

2012, vor über drei Jahren, hat Borelli eine Art Party, eher war's eine Protestkundgebung, organisiert. 50 Jahre A3 haben sie gefeiert, denn die Bauarbeiten haben 1962 begonnen. Treffpunkt war eine Mautstation südlich von Neapel. Manchen kamen in historischen Autos. Die, die aus Kalabrien angereist kamen, haben ziemlich lange gebraucht, nicht wegen der Autos, sondern wegen des Zustandes der A3. Zum Trost gab es für alle eine Jubiläums-Torte, auf der stand: "50 anni di vergogna" - "50 Jahre der Schande."

"Es ist so offensichtlich, dass diese Straße ein Beispiel für windige Auftragsvergaben, Kriminalität und Ineffizienz der öffentlichen Verwaltung ist. Meiner Meinung nach ist die Autobahn Salerno - Reggio Calabria das Symbol für all das, was in Italien nicht funktioniert. Und nicht nur ein Symbol für den Süden, sondern für das ganze Land. Alle haben hier mitgegessen, mitgekaut und mitverdaut."

Planer haben den Überblick verloren

Und es ist noch lange nicht vorbei: Auf den Internetseiten der italienischen Autobahngesellschaft ANAS, der Betreiberin und Bauherrin, kann man lesen, dass 355 Kilometer der Autobahn fertig gestellt sind. Mit anderen Worten: 88 Kilometer sind es noch immer nicht. Dabei sind die Summen, die bisher ausgegeben worden sind, gewaltig: Mehr als 25 Milliarden Euro hat der Bau bisher gekostet. Das wären über 56 Millionen je Kilometer. Ganz genau kann das aber niemand sagen. Es heißt, über 1.000 Firmen seien am Bau beteiligt gewesen, und wie es scheint, haben auch die Planer ein wenig den Überblick verloren...

...und natürlich ist diese Autobahn auch längst ein Fall für die Gerichte. Ganz in den Süden muss man fahren, nach Reggio Calabria, um den Staatsanwalt zu treffen, der aus juristischer Sicht vielleicht die meiste Erfahrung mit dieser Straße hat. Roberto Placido di Palma hat sein Büro ist in einem regelrechten Justiz-Bunker, streng bewacht, denn er wird von der Mafia bedroht. Er kann viel davon erzählen, warum der Bau dieser Straße so lange dauert. Aber zunächst einmal regt er sich als Bürger auf: zwei, drei Mal in der Woche ist er mit seiner Eskorte auf der A3 unterwegs. Rund 50 Kilometer in den Norden bis nach Palmi, wo viele seiner Prozesse laufen. Eine Leidensgeschichte:

"Schon eine Stunde, nachdem sie mit viel Pomp einen neuen Teil der Autobahn eingeweiht haben, gibt es sofort wieder Straßenabschnitte - nach Süden oder Norden - die saniert oder zumindest in Ordnung gebracht werden müssen: die Beleuchtung, die Ausschilderung. Jedes Mal, wenn wir auf der Autobahn unterwegs sind, die Fahrer, die Polizisten und ich, sind wir am Fluchen, weil uns klar wird, dass die Autobahn immer noch nicht fertig ist."

Seit 2002 ermittelt Di Palma im Zusammenhang mit dieser Autobahn. Zwei große Verfahren hat der stellvertretende Generalstaatsanwalt in dieser Zeit geleitet, dutzende Menschen hinter Gitter gebracht. Er weiß, dass es beim Bau dieser Straße in den Süden Organisationspannen gab und Fehler der Verwaltung, dass immer wieder Firmen pleite gingen und Bauarbeiten liegen blieben. Aber vor allem weiß er, wie wohl kaum jemand anders, dass die Mafia ihre Finger mit im Spiel hat. Genauer gesagt: die 'Ndrangheta, die Spielart der Mafia in Kalabrien:

"Die 'Ndrangheta ist parasitärer Natur, und wie alle Parasiten nistet sie sich da ein, wo es Reichtum gibt, um etwas davon abzubekommen. Als der italienische Staat beschlossen hat, die Autobahn Salerno-Calabria zu erneuern, sind wir natürlich sofort in Habachtstellung gegangen, um herauszufinden, ob die 'Ndrangheta versucht hat, sich einzunisten."

Südlich von Vibo beginnt das Gebiet, für das Di Palma zuständig ist. Über laufende Ermittlungen kann er nicht sprechen, aber man kann davon ausgehen, dass es sie gibt. Und die Vergangenheit ist schon eindrucksvoll genug: zum Beispiel das Verfahren mit dem schönen Namen "Cosa Mia", in dem Di Palma die Ermittlungen geleitet hat. Im Juli haben die Richter das Urteil in zweiter Instanz gesprochen. 33 Mafiosi wurden verurteilt zu Haftstrafen von insgesamt weit über 300 Jahren. Fünfmal gab es lebenslang. Das Urteil in letzter Instanz steht noch aus. Di Palma konnte beweisen, dass die 'Ndrangheta kräftig mitmischt beim Bau dieser Autobahn:

"Jede der Familien übt ihre Macht in ihrem Territorium aus. Wenn die Autobahn an Gioia Tauro vorbeikommt, dann wird es die Familie Piromalli sein, die sich um alles kümmert. Bei Rosarno die Familien Pesce und Bellocco. Bei Palmi kümmert sich die Familie Gallico darum und so weiter. Das betrifft nicht nur die Autobahn, das ist so die Regel."

Die Mafia sei der bessere Staat

Wenn die Mafia mitmischt, dann bedeutet das zunächst, dass sie es schafft, Bauaufträge an Land zu ziehen, über eigene Firmen, solche die ihr nahe stehen oder Unternehmer, die unter Druck gesetzt werden. Und dann bestimmen die Clans, wer auf den Baustellen arbeitet. Der frühere Bürgermeister von Seminara, der jetzt im Gefängnis sitzt, hatte kurz vor seiner Verhaftung dem Baustellenleiter einen Zettel gegeben mit den Namen von 23 Männern, die er einstellen sollte. Die 'Ndrangheta sorgt dafür, dass die richtigen Leute Arbeit bekommen - ihre Leute. 

"Die Einstellung von Arbeitern ist sehr wichtig und gibt dem eine immense Macht, der die Leute ganz konkret anstellt. Vor allem in einer armen Region wie Kalabrien. Wem fühlst du dich moralisch und auch wirtschaftlich verpflichtet? Dem Staat, der dich auf der Suche nach Arbeit Schlange stehen lässt, oder der ´Ndrangheta, die dir Arbeit gibt?"

Und viele spielen mit. Arbeit ist im Süden Italiens ein kostbares Gut. Je länger die Bauarbeiten dauern, desto mehr Arbeit gibt es. Es ist vermutlich kein Zufall, dass es für diese Geschichte nicht gelungen ist, einen Vertreter der Gewerkschaften aus Kalabrien zur A3 zu interviewen. Die 'Ndrangheta sei der bessere Staat, glauben viele in Kalabrien. Sie habe Autorität und löse Probleme - und längst nicht immer nur mit Gewalt, sagt Staatsanwalt Di Palma:

"Durch ihre Aktivitäten versucht die 'Ndrangheta, alternative und effizientere Serviceleistungen als der Staat anzubieten. Sie droht nicht nur: 'Wir werfen eine Bombe oder brennen dir die Scheune ab, wenn ihr nicht bezahlt!' Nein, das Angebot lautet anders: 'Welches Problem ihr auch immer habt - ein Verwaltungs-, ein Bürokratie-, ein Gewerkschaftsproblem, was auch immer - wir sind da, denn wir sind die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft'."

Wie beim Staat werden Steuern fällig, wenn die 'Ndrangheta mitmischt. Drei bis fünf Prozent der Auftragssumme fließen an die Clans. Auch das macht die A3 so teuer. Das Geld kommt nicht unbedingt im Umschlag, sondern die Unternehmen der Clans liefern beispielsweise weniger Beton als ihnen bezahlt wird. Oder seine Qualität ist schlechter. Ein Grund, warum immer neue Baustellen entstehen, warum immer wieder an der A3 nachgebessert werden muss.

"Die Qualität entspricht nicht den Vorgaben. Einige Probleme, die aufgetreten sind, vor allem im Abschnitt von Lamezia, wo sich der Belag auf einer langen Strecke um circa fünf cm abgesenkt hat, lassen darauf schließen, dass wir richtig lagen, als wir sagten: Nicht nur die Härte beziehungsweise die Widerstandsfähigkeit des Betons machen die Qualität aus, sondern auch seine Langlebigkeit. Und da habe ich meine Zweifel."

Die A3 soll den Süden Italiens an die Moderne anbinden

Entlang der Straße immer wieder Baustellen. Die wohl berühmteste ist in der Nähe von Laino Borgo, 220 Kilometer südlich von Neapel. Hier thront zwischen den Bergen der "Viadotto Italia", mit 259 Metern die zweithöchste Brücke Europas, jahrzehntelang die höchste. 1974 ist die gewaltige Autobahnbrücke von fast 1,2 Kilometern Länge fertiggestellt worden. Seitdem wurde lange Jahre nicht mehr viel gemacht.

Für die Menschen, die hier wohnen, stand die Brücke jahrelang für die Zukunft der Region, zum Beispiel für Mario Cantisani, der für die Gemeinde Laino Borgo arbeitet:

"Als ich fünf Jahr alt war, brachte mein Onkel mich mit dem Motorroller zum Viadotto Italia, um die Stahlträger zu sehen. Das war so um 1967. Vorher waren wir hier wirklich abgeschnitten. Für uns ist das ein wichtiges Bauprojekt - und wir müssen dem damaligen Infrastrukturminister danken."

Eine Straße, die den Süden Italiens an die Moderne anbindet. Nichts weniger sollte die A3 werden. Inzwischen aber ist hier vom Dank nicht mehr viel übrig.

Im Rathaus des kleinen Örtchens sitzen fünf Männer und ärgern sich. Die Straßen in der Gemeinde sind insgesamt marode. Da nützt es auch nichts, wenn an der riesigen Autobahnbrücke inzwischen mit Hochdruck gebaut wird. Laino Borgo, das am Rande des größten Naturschutzgebietes Italiens liegt, ist wieder abgeschnitten. Giuseppe de Filippo ist hier für die Straßen zuständig – und sieht den Verfall, überall:

"Das Aushängeschild einer jeden Region sind die Straßen, das Straßennetz. Die Touristen, die unseren Nationalpark Pollino besuchen, bekommen natürlich einen sehr schlechten Eindruck."

Und vor allem der Viadotto Italia macht großen Ärger. Im März 2015 hat es einen Unfall auf der Baustelle gegeben: Ein Teil der Brücke stürzte in die Tiefe, ein Bauarbeiter aus Rumänien kam ums Leben. Danach war die Straße für fast fünf Monate komplett gesperrt. Der gesamte Verkehr nach Süden und nach Norden ging durch Laino Borgo, LKW, Baustellenfahrzeuge – und die Straßen hier wurden immer schlechter. Deshalb, wegen der A3, habe die Gemeinde eine traurige Berühmtheit erlangt, sagt Mario Cantisani:

"Über diesen Abschnitt haben alle Medien berichtet, ganz Italien hat darüber gesprochen. Mit dem Unfall am Viadotto Italia ist alles ans Licht gekommen. Man hat die kritischen Punkte dieser Autobahn gesehen. Man spricht immer davon, dass diese Autobahn nie fertig gestellt wird. Die Bauarbeiten gehen schon weiter. Aber die zusätzlichen Arbeiten, die die kleinen Dörfer und Gemeinden interessieren, werden nicht vorangebracht. Wir brauchen Aufmerksamkeit, sonst springen für uns nur Unannehmlichkeiten heraus und keine Vorteile."

Nicht alles auf die Mafia schieben

Niemand hat sich sehen gelassen. Niemand von den Bauunternehmen, keine Politiker. Aus Rom hören sie nur Versprechungen, dass die Autobahnbrücke bald fertig ist. Aus der Zentrale der ANAS.

Der Hauptsitz der Azienda Nazionale Autonoma delle Strade (ANAS) ist in der Via Monzambano. Die ANAS ist das letzte große Unternehmen in Italien, das noch ganz in staatlicher Hand ist. Von Rom aus werden über 25.000 Kilometer Straßen verwaltet. Mehr als 6.000 Angestellte kümmern sich auch um Straßenbau. Gianni Vittorio Armani ist erst seit Mai Präsident der ANAS. Aber er hat sich schon so weit in das Thema A3 eingearbeitet, dass er Zusagen machen kann, auch was den Viadotto Italia, die berühmte-berüchtigte Brücke, angeht:

"Der Viadotto Italia wird 2016 fertiggestellt. Nur letzte Bauauftrag muss noch fertiggestellt werden. Es fehlen faktisch nur noch drei km."

Armani sieht aus wie ein nüchterner, ernster Verwalter. Vorher hat er Stromnetze gemanagt. Kein Vergleich mit einem so komplizierten Fall wie der A3 mit einer so langen Geschichte. Armani sagt, man dürfe nicht alles auf Korruption, Misswirtschaft und die Mafia schieben. Diese Straße zu bauen - mit den vielen Tunneln und in schwierigem Terrain - sei anspruchsvoll.

"Die Infrastruktur in einer so komplizierten Landschaft zu bauen, kostet viel Geld. Die Autobahn von Salerno nach Reggio Calabria verläuft ziemlich hoch, sie ist im Schnitt die höchste Autobahn Italiens. Deshalb sind die Baukosten natürlich sehr hoch."

Dabei sitzt der Feind auch im eigenen Haus. Mitten in der Zentrale hat die Korruption geblüht. Im Oktober gab es eine Razzia und zehn Festnahmen.

Die Finanzpolizei hat ein Video veröffentlicht, das eine ANAS-Mitarbeiterin in der Zentrale zeigt, die Bestechungsgelder einsammelt. Sie beschimpft ihre Kunden, wenn sie ihr Geld nicht rechtzeitig bringen. "Mach schnell", sagte sie, "im Juli müssen die Kirschen fertig sein". Was drollig klingt, ist die alltägliche Korruption in der ANAS – und für Gianni Vittorio Armani der Horror:

"Wir hatten neulich einen anderen Fall. Die Strecke Salerno - Reggio Calabria war davon nur am Rande betroffen. Es ging um Enteignungen und die Anstellung von Arbeitskräften. Das beweist nur, dass Korruption dort, wo es Komplikationen gibt, einen Weg findet. Da muss man durchgreifen. Antikorruptionskontrollen, die vorgesehen sind, müssen eingeleitet werden. Und das Problem muss schnell gelöst werden."

Bauarbeiten sichern die Macht der Clans

Armani weiß natürlich, dass der Ruf der ANAS nicht der beste ist – und dass beim Bau der A3 schon viel Vertrauen zerstört worden ist. Der ANAS-Präsident legt sich fest: 2016 soll die Straße fertig sein. Keine Baustellen soll es mehr geben, überall zwei Spuren. Möglich ist das, weil die Regierung dafür noch einmal Geld locker gemacht hat: weitere 740 Millionen für die A3. Das entsprechende Dekret trägt den Namen "Sblocca Italia", was man übersetzen könnte mit "Bremse lösen in Italien". Der zuständige Minister der Regierung Renzi, Graziano Delrio, verbreitet Aufbruchsstimmung:

"Wir sind schon ziemlich weit, bei 92 Prozent. Ich glaube, dass 2016 das entscheidende Jahr wird. Das ist das Datum, das wir uns gesetzt haben, um aus der Autobahn Salerno-Reggio Calabria eine normale Autobahn zu machen."

Letztlich ist der Kampf um diese Autobahn ein Kampf gegen die Mafia – und dagegen, dass sich zu viele Menschen mit ihr arrangiert haben. Das weiß niemand so gut wie Roberto di Palma in seinem Justizbunker in Reggio Calabria.

"Ich bin immer mehr davon überzeugt, dass sich nicht viel geändert hat und dass es noch viel zu tun gibt. Zuerst muss sich die Kultur, die Haltung der Menschen, radikal ändern. Da könnte man weit ausholen."

Am Ende des Tages, sagt der Staatsanwalt, sei das größte Problem, dass es einfach zu viele gibt, denen es gut zupass kommt, wenn die Bauarbeiten an der A3 möglichst lange dauern. Denn diese Bauarbeiten sichern die Macht der Clans – auch deshalb wird diese Autobahn wahrscheinlich nie fertig:

"Es gibt sicher Leute, die damit rechnen und die froh darüber sind: Wenn die Bauarbeiten zehn Jahre dauern, kann der Mafioso der Gegend zehn oder 100 jungen Männern in zehn Jahren Arbeit geben, wenn die Arbeiten 20 Jahre dauern, übt er 20 Jahre seine Macht aus und kann 200 junge Männer unterbringen. Das sind dann 200 Leute, die ihm gegenüber verpflichtet sind. Klar, dass der, der mit dem Geld und der Macht hantiert, ein Interesse daran hat, dass die Arbeiten so lange wie möglich dauern."

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