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Kompressor | Beitrag vom 15.03.2016

Ausstellung "No Pain No Game" in Berlin"Psycho ist das schon"

Von Stephanie Rohde

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"PainStation" im Museum für Kommunikation  (Goethe-Institut, Foto: Andrzej Banas)
"PainStation": Wer scheitert, wird mit Schmerzen bestraft. Deshalb ist die Installation nur für Erwachsene zugelassen. (Goethe-Institut, Foto: Andrzej Banas)

Ein Computerspiel, das Fehler mit Schmerzen bestraft – das gibt es im Berliner Museum für Kommunikation. Die Künstler Volker Morawe und Tilman Reiffin haben für die Ausstellung "No Pain No Game" im Auftrag des Goethe-Institut eine multisensorische Installationen entwickelt.

Das Exponat heißt Painstation, das ist ein Computerspiel, das Schmerzen verteilt wenn man nicht gut genug spielt. Steffi: Also ich lege meine Hand auf die Fläche hier, vor uns ist ein kleiner Bildschirm auf dem wir Tennis spielen mit der anderen Hand. Meine eine Hand wird dann immer geschlagen, wenn ich verliere. Warum würde ich mir das antun?

Tilman: "Das ist wie bei diesen ganzen Kinderspielen Folter-Maumau oder was man so als Kinder spielt, es hat einen gewissen Reiz, eine Spannung die davon ausgeht, dieser Nervenkitzel. Entweder man selbst wird bestraft oder mein Gegenüber."

Volker: "Sobald ich meine Hand jetzt hier wegnehme, gibt’s so ein Alarmsignal und dann hat sich das Spiel auch innerhalb kürzester Zeit erledigt. Wir spielen ganz normal dieses Tennisspiel Pong, so ein uraltes Spiel und das besondere ist, dass wenn jetzt der Ball auf diese Symbole, die sich hinter dem Schläger befinden, drauftrifft, wird eine von drei verschiedenen Schmerzarten ausgelöst. Wir haben elektrischen Strom."

Steffi: "Jetzt ist es gerade rot, das ist der Strom, uuuh…"

Volker: "Und  dann haben wir die Peischen und wir haben noch die Hitze. Und das Spiel wird immer schneller…"

Steffi: "Ah, das tut aber schon richtig weh!"

Volker: "Und irgendwann kommt der Punkt, wo der Schmerz dich komplett ablenkt."

Steffi: "Ist das ne Kombination aus Hypnose und SM?"

Volker: "Die Assoziation kommt manchmal, aber…"

Steffi: "Allein schon mit diesen Lederstriemen hier."

Volker: "Das ist aber nicht Leder, das ist Gummi."

Steffi: "Jetzt haben wir hier eine Runde gespielt, und doch schon was abbekommen an den Händen. Ist das überhaupt noch ein Spiel? "Für mich ist ein Spiel immer etwas, was in einem Raum des Als-Ob stattfindet, also in einer Parallelwelt, was gar keine realen Konsequenzen hat."

Volker: "Ich würde nicht sagen, es wird um eine Komponente erweitert."

Steffi: "Aber es wird dadurch knallharte Realität und eben kein Spiel mehr."

Tilman: "Ist das jetzt knallhart, wenn man ein bisschen Stromschlag kriegt?" Knallhart wäre es, wenn ich mit dem Mountainbike auf die Fresse falle und mir das Jochbein breche, das ist auch so das Risiko, das geht mit, aber das macht auch einen Teil der Erfahrung und des Spaßes aus."

Boxen geht auch

Steffi: "So wir stehen jetzt vor einem großen Boxring mit einem Box-Sack, ich würde sagen, ich geh mal rein."

Tilman: "Das zu boxende Pattern wird über die Lichter noch visualisiert, drei Mal vorgemacht, dann kommt der Rundengong, dann muss man es nachboxen. Also, one two one two..."

Steffi: "Und jetzt?"

Tilman: "Jetzt ist es vorbei, Training absolviert."

Steffi: "Ah es gibt hier sogar Handtücher, sehr schön."

Tilman: "Und einen Wasserspender. Das ist nur mal zu sehen, wie ein Videospiel funktionieren kann, ohne, dass man einen Bildschirm hat."

Steffi: "Wird es nicht so sein, dass fünf Kinder hier im Ring boxen und alle drumherum stehen und nie selbst ausprobieren?"

Tilman: "Ja das ist sicherlich so, aber das ändert sich ja auch ziemlich stark in unserer Gesellschaft. Das wird auch immer mehr akzeptiert auch andere Formen der Interaktion und der Exponate in Museen, natürlich ist es viel intensiver und spannender, wenn man die Sachen selbst ausprobiert, um das auch am eigenen Körper zu erfahren."

Steffi: "So, jetzt sehen wir uns. Es ist sehr eng hier, wir sind gerade in der Facebox, ich sehe vor mir dein Gesicht und drumherum ein Facebookprofil und wir können und jetzt als reale Menschen in der Facebook miteinander unterhalten."

Facebox stellt Fragen

Tilman: "Genau, wenn man sich nicht richtig miteinander unterhält, werden diese Standardprofilfragen von Facebook abgefragt."

"Do you want to be friends? Yes Yes!"

Tilman: "Ja so geht das!"

Steffi: "Bisschen psycho ist das schon. Ich will wieder raus…"

Tilman: "Wenn ich die Leute durch die Straßen laufen sehe mit ihren Mobiltelefonen, rennen mich fast um, werden fast überfahren, weil sie in dieses Ding starren. Und das ist das wo wir immer denken, wir finden das cooler, wenn man sich irgendwo realer treffen."

Steffi: "Ist das nicht ein bisschen wie Opa, der von früher erzählt, von wegen: Die echte Kommunikation ist die, wo man sich in die Augen schaut.

Tilman: Vielleicht ist es so, dass wir auf unseren alten Werten sitzen geblieben sind, andererseits probieren wir auch viele neue Sachen aus, und da sind auch Dinge dabei, die nicht rückständig sind."

Steffi: "Stimmt! Da drüben sind zum Beispiel Kugeln, die man mit der eigenen Stimme zur Bewegung bringt, indem man bestimmte Frequenzen singt – aber das probiert am besten jeder selbst aus."

Mehr zum Thema


(Deutschlandradio Kultur, Freispiel, 18.03.2016)

"Sein und Streit" - die ganze Sendung - Über die Philosophie und Ästhetik von Computerspielen
(Deutschlandradio Kultur, Sein und Streit, 13.12.2015)

Fazit

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