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Fazit | Beitrag vom 15.01.2016

Ausstellung in BonnIsa Genzkens Spiel mit Dimensionen

Von Rudolf Schmitz

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Das Foto zeigt einen Blick auf das Gelände der Leipziger Messe mit der acht Meter hohen Edelstahlrose der Berliner Künstlerin Isa Genzken (l) und dem Messeturm, aufgenommen am 4.09.2010 (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)
Blick auf das Gelände der Leipziger Messe mit der acht Meter hohen Edelstahlrose der Berliner Künstlerin Isa Genzken (l) und dem Messeturm (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)

Riesige Tulpen oder Rosen - Isa Genzkens Außenprojekte leben nicht nur von der Originalität des Motivs, sondern auch von ihrer physischen Größe. Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt Modelle ihrer Kunst. Schon in der Miniatur ist der ganze Verblüffungseffekt spürbar.

Eine Wäscheleine zwischen Bankhochhäusern; Sonnenschirme, Puppen, Kinderwagen vor einer Kirche, eine Rose vor einer Gründerzeitvilla: Isa Genzkens Ideen für Skulpturen im öffentlichen Raum sind ebenso abgedreht wie romantisch. Sie reizen zum Lachen und haben das Zeug zur Provokation. Selbst im kleinen Modell, dargeboten auf weißen Sockeln... Rein Wolfs, Intendant Bundeskunsthalle Bonn:

"Es ist für mich wirklich auch sehr überraschend, wie künstlerisch und wie poetisch die Modelle daher kommen. Die Modelle sind wie Kunstwerke."

Isa Genzkens Außenprojekte leben nicht nur von der Originalität des Motivs, sondern vor allem vom Spiel mit der Dimension. Und deshalb sind die in Bonn gezeigten Modelle äußerst sorgfältig gemacht. Die architektonischen Bezugsgrößen und urbanen Umgebungen sind präzise wieder gegeben: Da ist, in der Miniatur, der ganze Verblüffungseffekt zu spüren. Zum Beispiel bei dem Teilstück der Amsterdamer Stadtautobahn, die von 30 Meter hohen Tulpen gesäumt werden sollte. Ein Vorschlag von 1988, den der Niederländer Rein Wolfs, Intendant der Bonner Bundeskunsthalle, nur zu gern ausgeführt gesehen hätte.

"Tulpen, riesengroß, die über die Autobahn hängen, und so die Einfahrt in Amsterdam markieren würden, ist leider nicht realisiert worden. Es gibt auch eine Notiz von der Künstlerin, die bei uns neben der Arbeit gezeigt wird, und da schreibt sie selber, dass sie das Gefühl hat, dass die Kommission sich auf den Arm genommen fühlte, und dass es wahrscheinlich aber auch zu teuer wäre und konstruktionstechnisch zu schwierig wäre, um das auszuführen."

Dabei ist Isa Genzkens Erfolgsquote gar nicht mal schlecht: Von 35 in der Bundeskunsthalle Bonn präsentierten Modellen sind immerhin 19 realisiert worden. Nicht nur zwei Rosen, in New York und Baden-Baden, oder der monumentale Digitalprint eines Ohres für das Rathaus von Innsbruck, sondern auch der Vollmond am Ufer des Aasees in Münster: eine ausgeleuchtete Milchglaskugel von 2,50 Metern Durchmesser auf einem 20 Meter hohen Stab.

Als ob sie immer schon da waren

"Genzken hat das Potenzial, leichte Arbeiten in den öffentlichen Raum zu bringen, die sich dann, obwohl sie viel größer sind als man das erwarten würde, obwohl sie anders daher kommen und unerwartet sind, dann doch irgendwann so einfügen, dass man das Gefühl hat, als ob sie immer schon da waren".

Begleitende Fotos zeigen, wie die Skulpturprojekte von Isa Genzken dann in Wirklichkeit aussehen. Und die Kuratorin Susanne Lange hat Vitrinen installiert, um den Entstehungsprozess der Skulpturideen zu zeigen. Wie es zum Beispiel zur zehn Meter großen Orchidee kam, die Isa Genzken letztes Jahr auf der Biennale von Venedig präsentierte. 

"Also hier geht es wirklich von dem Foto in ihrem Atelier, die Orchidee, die am Fenster steht, dann kommt die Collage, da hat sie gesagt, okay, das ist schön, das nehme ich jetzt als Motiv, als Collage, dann kommen die ersten Zeichnungen, dann wird es animiert, und dann hat man hier die Produktion eben mit diesen unendlich großen Modellen."

Isa Genzkens Skulpturprojekte haben etwas unbekümmert Kindhaftes, erinnern an Gullivers Reisen, pflanzen unserer Umwelt eine dadaistische Geste ein. Wie gerne würde man erleben, dass Frankfurts Bankenskyline eine Wäscheleine bekäme, an der ein acht Meter großes Küchentuch flattert. So hatte die Künstlerin, damals Gastprofessorin der Städelschule, es der Stadt Frankfurt vorgeschlagen. Die allerdings lehnte dankend ab.

"Sie ist eine Künstlerin mit viel Humor, die ab und zu auch mal bei diesen Werken im öffentlichen Raum so einen südländischen Akzent mit reinbringt und dann eine Lockerheit an den Tag legt, die man in der offiziellen Kunst am Bau nicht so gewohnt ist."

Isa Genzkens Modelle für Außenprojekte präsentieren sich in unschuldigem und makellosem Weiß. Vielleicht wirken sie auch deshalb wie die Krampf lösende Kopfschmerztablette für unsere unwirtlichen Städte.

Mehr zum Thema:

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