Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 23.08.2015

Ausschreitungen in Heidenau"Die Stimmung ist binnen Sekunden gekippt"

Nadine Lindner im Gespräch mit Axel Flemming

Polizei kontrolliert am 22.08.2015 nach erneuten Ausschreitungen das Areal um in die neue Notunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Heidenau (Sachsen). (picture alliance / dpa / Arno Burgi)
Die Polizei kontrolliert nach erneuten Ausschreitungen das Areal um in die neue Notunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Praktiker-Baumarkt in Heidenau; Aufnahme vom 22.8. 2015. (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Rechte Demonstranten haben erneut vor einer Notunterkunft für Flüchtlinge im sächsischen Heidenau randaliert. Landeskorrespondentin Nadine Lindner zeigt sich schockiert über das hohe Gewaltpotenzial - und verweist auf den Einfluss der NPD in der Region.

Im sächsischen Heidenau haben Rechtsradikale und Rassisten die zweite Nacht in Folge vor einer Notunterkunft für Flüchtlinge randaliert und Polizisten angegriffen. Zwei Beamte wurden verletzt, wie eine Polizeisprecherin am Sonntag berichtete. Politiker äußerten sich empört. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) verlangte, ausländerfeindliche Gewalttaten mit der "gesamten Härte des Rechtsstaats" zu ahnden.

Zwei Tage nach Beginn der Krawalle hat sich nun auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) erstmals zu Heidenau geäußert. "Mich erschüttern die Ereignisse zutiefst. Das ist Menschenhass mit erschreckender Gewalt gegen Polizisten und gegen Flüchtlinge, die bei uns Schutz suchen", sagt er dem Tagesspiegel. "Wir lassen uns das nicht bieten, wir werden mit aller Macht dagegen vorgehen. Das ist nicht unser Sachsen. Hier verstößt eine Minderheit brutal gegen Werte und Gesetze Deutschlands." Noch am Laufe des Sonntags wollte Tillich persönlich nach Heidenau fahren.

Landeskorrespondentin Nadine Lindner, die am Abend vor Ort war, berichtete in "Studio 9", dass sich zwei Demonstrationszüge – "anfänglich angespannt, aber ruhig" und nur durch eine Bundestraße getrennt – gegenüber standen. Dann sei die Lage außer Kontrolle getraten.

"Kurz vor 23 Uhr ist dann binnen Sekunden die Stimmung gekippt. Es gab mehrere Böllerwürfe – Feuerwerk, das auf der Straße explodiert ist, was von Seiten der Rechten geflogen kam", sagte Lindner.

"Für die Arbeit nicht mehr sicher gefühlt"

Polizei und Gegendemonstranten seien attackiert worden. "Es war innerhalb von wenigen Momenten vollkommen unübersichtlich. Ich habe mich dann zurückgezogen, weil ich mich für die Arbeit dort auch nicht mehr sicher gefühlt habe."

Das Gewaltpotenzial sei – anders als bei Pegida-Demonstrationen oder Protesten in Freital -  deutlich höher gewesen, so Lindner.

Spürbar sei zudem, dass die Region unter dem Einfluss der NPD stehe, auch wenn diese im sächsischen Landtag nicht mehr vertreten sei.

"Die NPD ist zwar aus dem Landtag raus, aber in dieser Region gibt es eine Sympathie für die Rechtsextremen. Der Wahlkreis, in dem Heidenau liegt, da haben bei der Landtagswahl 2014 8,7 Prozent der Wahlberechtigten die NPD gewählt - das ist das dritthöchste Ergebnis in Sachsen."

Seit April gebe es in Heidenau wieder eine Ortsgruppe der NPD. Und in der Vergangenheit habe in der Region die neonazistische Kameradschaft Skinheads Sächsische Schweiz feste Strukturen gehabt. Die Kameradschaft sei zwar mittlerweile verboten, "aber die Leute sind ja nicht weg".

Mehr zum Thema

Krawalle in Heidenau - "Katastrophe mit Ansage"
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 22.08.2015)

Nach den Krawallen in Suhl - "Deutschland steht unter permanenter Überforderung"
(Deutschlandfunk, Interview, 22.08.2015)

Freital - Mutmaßlicher Anschlag auf Auto eines Stadtrats
(Deutschlandfunk, Aktuell, 27.07.2015)

Wolfgang Benz - "Tragödie von Freital"
(Deutschlandfunk, Interview, 07.07.2015)

Bürgerversammlung in Freital - Unterstützer der Flüchtlinge ausgebuht
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 06.07.2015)

Flüchtlinge in Freital - "Eine sehr aufgeheizte Stimmung"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 25.06.2015)

Interview

Pläne für Kampfdrohnen in der KritikAbsolute Geheimhaltung
US-Militär testet die Kampfdrohne X47B. (picture alliance / dpa / US Air Force / AFFTC AERIAL PHOTOG)

Das Bundesverteidigungsministerium plant die Anschaffung von Hebron-Kampfdrohnen. Sie sollen in Israel stationiert werden und auch mit israelischen Raketen bestückt werden. Linken-Politiker Andrej Hunko kritisiert das Verfahren als undurchsichtig - und am Bürger vorbei.Mehr

Natascha Kampusch"Ich war von kalter Wut gepackt"
Natascha Kampusch bei einem Interview in Wien am 3. August 2016 (picture alliance/dpa/Peter Trykar)

Vor zehn Jahren gelang Natascha Kampusch die Flucht aus dem Haus, in dem sie acht Jahre gefangen war. In dem Buch "10 Jahre Freiheit" schildert sie ihre Erfahrungen. Kampusch sagt, es sei sehr schwer, die Feindseligkeit zu ertragen, die ihr von vielen Seiten entgegenschlage.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur