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Fazit / Archiv | Beitrag vom 03.10.2012

Ausbruch aus Konventionen

Neu im Kino: Die Verfilmung von Jack Kerouacs Roman "On the Road"

Von Hannelore Heider

Szene aus "On the Road" (picture alliance / dpa / Cannes film festival)
Szene aus "On the Road" (picture alliance / dpa / Cannes film festival)

Manche Bücher lassen sich einfach nicht verfilmen. Auf der Leinwand bringt "On the Road" denn auch nicht das rüber, was das Buch 60 Jahre zuvor ausgelöst hat: konsequentes Verweigern von Konventionen. Immerhin: Die Schauspieler sind top.

Vielleicht war es von vornherein ein aussichtsloses Unterfangen, Jack Kerouacs Schlüsselroman mit dem Ziel zu verfilmen, einem Publikum gut 60 Jahre nach dem Erscheinen wenigstens eine Ahnung von der durchschlagenden Wirkung dieses Kultbuches der Beatnik-Generation zu verschaffen.

An das Ende des Filmes setzt der brasilianische Regisseur Walter Salles die Szene, in der der Held des auf persönlichen Erlebnissen beruhenden Reportageromans und jetzt Erzähler des Filmes Sad (Sam Riley) eine Rolle Papier in die Schreibmaschine einspannt, aus unzähligen Seiten zusammengeklebt um den Anforderungen des Berichtes eines atemlos absolvierten Roadtrips Richtung Westen zu genügen.

Jack Karouac hat ihn mit seinen Freunden Neal Cassady - im Film Dean Moriarty (Garett Hedlund) - und Allen Ginsberg - im Film Carlo Marx (Tom Sturridge) - Anfang der 50ger-Jahre erlebt als rauschhafte Feier des Ausbruchs aus nicht nur gesellschaftlichen, sondern auch literarischen Konventionen. Dabei steht nicht der Erzähler Sad, sondern sein Freund Dean Moriaty im Mittelpunkt. Er treibt die Orgie aus Drogen, Sex und Liebesbeziehungen zwischen Männern und Frauen bis zum Exzess, wobei ihm der durchaus sympathische Sad als Beobachter mit Notizblock und Freund folgt.

Daraus resultiert im Film eine atmosphärisch überzeugende, aber nicht als bewegend empfundene Stationendramaturgie (Kamera: Eric Gaultier), in der sich der impressionistischen Reportagecharakter und die unzähligen, drogengetränkten Begegnungen wiederholen. Selbst wenn Darstellern wie Viggo Mortensen, Amy Adams oder Steve Buscemi Glanzpunkte aufgesetzt werden und die Helden stets in Bewegung sind, bleibt der Film so dennoch das Nachempfinden dieses außergewöhnlich konsequenten Verweigerns eines Lebens in Konventionen schuldig.

Die in warmen Tönen gehaltenen grandiosen Landschaftsbilder wirken gesucht schön, die Verzweiflung in der Rebellion und die Heftigkeit der Ausbrüche provozieren oder schockieren niemanden mehr. Kristen Stewart als Marylou und Kirsten Dunst als Camille bieten wie die männlichen Schauspieler engagierte Darstellungen einer, so empfindet man es nach dem Film, längst vergangenen literarischen Epoche.

USA,Frankreich, GB, Brasilien 2012. Regie: Walter Salles. Darsteller: Sam Riley, Garrett Hedlund, Tom Sturridge, Kristen Stewart, Kirsten Dunst, Viggo Mortensen, Amy Adams, Steve Buscemi. 140 Minuten, ab 12 Jahren.

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Was vor den Geburtswehen lag
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