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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 20.09.2016

Aus den FeuilletonsSyrien und der Westfälische Frieden

Von Adelheid Wedel

Sie sehen einen der Lastwagen des Hilfskonvois, der aus der Luft angegriffen wurde. Der Lkw ist vollkommen zerstört. (AFP / Omar Haj Kadour)
Sie sehen einen der Lastwagen des Hilfskonvois, der aus der Luft angegriffen wurde. Der Lkw ist vollkommen zerstört. (AFP / Omar Haj Kadour)

Was hat die verfahrene Lage in Syrien mit dem Westfälischen Frieden von 1648 zu tun? Außenminister Frank-Walter Steinmeier zog zur Eröffnung des Historikertages in Hamburg eine ungewöhnliche Parallele, berichtet "Die Welt".

"Im Mittelpunkt Frieden" titelt die Tageszeitung DIE WELT ihren Bericht vom Historikertag in Hamburg. Diesem Slogan folgt das Grußwort, mit dem Frank-Walter Steinmeier das Ereignis aus der Ferne eröffnete. Der deutsche Außenminister meldete sich von der UN-Sondersitzung in New York. Dort sei, so stellt er einleitend fest:

"Syrien schon im sechsten Jahr Topthema. Wir haben es nicht geschafft, diesen blutigen Konflikt zu beenden. Im Gegenteil, manchmal hat man das Gefühl, dass sich die Spirale von Gewalt und Gegengewalt immer schneller dreht."

Neu aber sei die sich allmählich durchsetzende Einsicht,

"dass uns das in Europa etwas angeht. Der Krieg in Syrien ist kein Konflikt in weiter Ferne. Nein, es ist ein Krieg in unserer unmittelbaren Nachbarschaft." 

Steinmeier fragt:

"Wie gelingt es uns also, ein Momentum zu erzeugen, um aus den ewigen Verhandlungen einen Impuls für substantielle Fortschritte zu setzen?" 

In dem Zusammenhang wagt der Außenpolitiker einen Blick zurück in die Geschichte und erkennt im Westfälischen Frieden von 1648 ein mögliches Muster für Verhandlungen heute, "denn der Friedenskongress von Münster und Osnabrück war der erste seiner Art in der europäischen Neuzeit."

Steinmeier interessiert sich für die Erfolgsfaktoren, die schließlich zum Ziel führten. Unter anderem lag das "in der transparenten Offenlegung von Sicherheitsinteressen als Basis für echten Frieden."

Und so können wir die "allgemeinen Lektionen aus dem Westfälischen Frieden" als Lesestoff heute empfehlen, Gustav Seibts Kommentar zum Ganzen natürlich ebenso.

Die Tageszeitung DIE WELT widmet dem Krisenherd Syrien zwei Zeitungsseiten.

"Was kann der Westen überhaupt noch tun, um ihn zu beenden und ob es Frieden nur mit oder ohne Assad gibt?"

Darüber streiten die WELT-Autoren Richard Herzinger und Jacques Schuster, wobei Schuster behauptet: 

"Moralismus kann in der Außenpolitik mörderisch sein."

Herzinger hingegen kontert:

"Ihre Zauberformel 'Mit Assad reden' ist eine leere Phrase."

Joseph Gordon-Levitt, Hauptdarsteller des Films "Snowden" über den Whistleblower Edward Snowden, bei der Europapremiere in München am 19.9.2016 (picture alliance/dpa/Andreas Gebert)"Snowden"-Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt (picture alliance/dpa/Andreas Gebert)

"Washington Post" verurteilt Edward Snowden

Leere Worte sind nun so ganz und gar nicht Edward Snowdens Markenzeichen. Mit dem Film von Oliver Stone über den amerikanischen Whistleblower bekommt sein Schicksal erneut öffentliche Aufmerksamkeit. In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG legt Michael Hanfeld dar:

Für die einen "ist der einstige Mitarbeiter des Geheimdienstes NSA ein Held, in den Augen der amerikanischen Regierung ist er ein Verräter, dessen Offenbarungen über Spionageprogramme seinem Land und vielen Menschen geschadet hat."

Dieser Ansicht neigt auch die "Washington Post" zu, eine von vier Zeitungen, die 2013 Snowdens NSA-Dokumente veröffentlichte und dafür den Pulitzer-Preis entgegennahm. "Nun hat sie wieder Geschichte geschrieben", meint die TAZ und informiert:

"Als erste Zeitung überhaupt, so behauptet es der US-Journalist Glenn Greenwald in The Intercept, fordert sie die Verurteilung Snowdens."

Er habe, so schreiben seine einstigen Verbündeten, nach der Aufdeckung des eklatanten Gesetzesverstoßes durch die NSA, Informationen zu Überwachungsprogrammen gestohlen und durchgestochen, die die amerikanischen Interessen im Ausland berührten.

"Dafür könne er sich nicht auf hehre Ziele berufen", insofern das Urteil der "Washington Post":

"Keine Gnade und auch keine milde Strafe." 

Durch seine Flucht an den Hof des Propagandafürsten Putin und die von ihm weitergereichten Dokumente, welche die Vereinigten Staaten in Bedrängnis bringen, habe Snowden sein Heldenpotenzial verspielt. "Da ist etwas dran", meint Hanfeld und weiter:

"Die Frage ist nur, ob ihm Amerika eine andere Chance ließ."

Die französische Literatur nach dem Terror

Während in Deutschland die Shortlist der besten Bücher veröffentlicht wurde, blicken wir mit der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG nach Frankreich und entdecken, "wie sich der französische Bücherherbst in Zeiten von Krieg und Terrorismus wappnet". Jürg Altwegg beschreibt einige Plots der neuen Bücher und resümiert:

"Die Ernte fällt reicher aus als in den vergangenen Jahren. Der Literatur kann der brutale Einbruch der Gegenwart auf Kosten der selbstverliebten 'Autofiktion' nur guttun."                      

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