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Kulturpresseschau | Beitrag vom 16.03.2016

Aus den FeuilletonsDie Bibliothek als Integrationsmaschine

Von Ulrike Timm

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Besucher der Amerika-Gedenkbibliothek in Berlin sitzen zwischen Bücherregalen.  (dpa / picture alliance / Tim Brakemeier)
Bibliotheken der Zukunft müssen weit mehr bieten als nur Bücher, findet die FAZ. (dpa / picture alliance / Tim Brakemeier)

Parallel zur Buchmesse findet in Leipzig ein Bibliotheken-Kongress statt und deshalb fordert die FAZ: Schaut nach Amerika! Dort sind Büchereien weitaus mehr als nur Buchverleihstationen, sondern sie bieten auch Sprach- und Integrationskurse.

Die Bibel ist gerade 2138 Mal vorrätig – das ist reichlich, da wird sie nicht so viel einbringen! "Gutes von gestern", so überschreibt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG ihren Besuch in einer riesigen früheren Flugzeughalle in Leipzig, heute ein wahrer Bücherhangar. Wenn es in den nächsten Tagen in Leipzig um das Allerneueste gehen wird, so steht der Internethandel Momox für Gebrauchtes.

"Ich bin kein Büchernarr, sonst wär dit mit dem Verkaufen auch schwierig", bekennt Momos-Gründer Christian Wegner freimütig.

Die SÜDDEUTSCHE erzählt eine "Trennungsgeschichte" von Mensch und Buch - immer mehr Menschen wollen, anstatt stoisch zu Hause Regalmeter an Regalmeter zu bauen, lieber Licht und Luft. Fazit der SÜDDEUTSCHEN inmitten des Bücherumschlagplatzes Internethandel:

"Die Bücher haben ihre Pflicht getan, Menschen glücklich gemacht, Wissen weitergegeben, Geschichten geschenkt und Christian Wagner reich gemacht. Vielleicht muss man über die Bücher wirklich sagen: Sie haben alles getan, was möglich war."

Der Artikel, ganzseitig vorne aufs Feuilleton der SÜDDEUTSCHEN gepackt am Eröffnungstag der Leipziger Buchmesse - das hat einen kleinen subversiven Touch, aber auch wunderbar Lebenswirkliches, was weg muss, kann jemand anders noch was geben, und was man wirklich braucht, gibt man ja nicht weg …

Altmodische Einrichtungen für die Zukunft

"Es geht um Bildung, Dummkopf!"

Wir verlassen den Bücherhangar eines Internethändlers und landen in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. Hier finden wir einen der Sätze, die nachklingen und den man beizeiten gern parat hätte:

"Bibliotheken sind altmodische Einrichtungen, in denen die Zukunft entschieden wird."

Zeitgleich mit der Buchmesse findet in Leipzig auch ein großer Bibliothekenkongress statt, 3000 Vertreter aus 30 Ländern werden erwartet.

"Die Bibliothek des 21. Jahrhunderts ist all dies: hochspezialisierte Hightech-Apparatur, kuschelweiche Kita für Erwachsene und robuste Kampfmaschine für Integration und gegen soziale Benachteiligung."

FAZ-Autor Hubert Spiegel preist, was er in den USA erlebt hat, das Angebot dort "umfasst Sprach- und Konversationskurse und gibt Hilfestellung beim Einbürgerungsverfahren", in vielen Bibliotheken gibt es auch eine warme Mahlzeit.

"Öffentlich finanzierte Bibliotheken  sind ein Angebot der Gesellschaft an jeden, der den Mut findet, sich seiner Bibliothek zu bedienen. Bibliothekare, blickt nach Amerika? Ja, denn der Bedarf an Bildungs-und Integrationsmaschinen wird auch hierzulande wachsen."

– So steht es in der FAZ.

Liberale Demokratie bietet keine Identität

Wie Francis Fukuyama wohl das Wort Integrationsmaschine fände? Das hat die ZEIT den berühmten amerikanischen Politikwissenschaftler leider nicht gefragt, aber sonst allerhand im Generalüberflug von Donald Trump über die EU und die Flüchtlingspolitik bis hin zu den Schwachstellen demokratischer Systeme.

"Liberale Demokratie bietet wirtschaftlichen Erfolg und Sicherheit, aber sie stiftet weder Stolz noch Gemeinschaft und Identität. Dies ist die fundamentale Herausforderung der liberalen Demokratie. Wer sind die jungen Menschen, die für den IS kämpfen? Sie sind nicht integriert und fühlen sich solidarisch mit ihrer Gemeinschaft. Das ist sehr attraktiv."

Das ganze Interview finden Sie in der ZEIT.

Noch kurz zu einem Traum-Ort – im wörtlichen Sinn. WELT und TAZ besuchten ein nächtliches Konzert beim Berliner MaerzMusik-Festival – acht Stunden Musik zum Abschalten und Einschlafen . Wirklich. Der Komponist, Max Richter, "ist der einzige Mensch im Saal, der die ganze Nacht durchspielt und über alles wacht." 400 Menschen haben gelauscht, gedöst, und sich auf unbequemen Feldbetten gewälzt. Fazit:

"Gut für den Kopf, schlecht für den Rücken".

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