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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 17.04.2011

Auftakt zum sozialistischen Kuba

Vor 50 Jahren begann auf Kuba die Invasion der Schweinebucht

Von Victoria Eglau

Neben zerstörten Landungsbooten der Invasionstruppen kühlt sich ein siegreicher Castro-Soldat in der Schweinebucht 1961 die Füße im Wasser. (picture-alliance/ dpa)
Neben zerstörten Landungsbooten der Invasionstruppen kühlt sich ein siegreicher Castro-Soldat in der Schweinebucht 1961 die Füße im Wasser. (picture-alliance/ dpa)

Das Verhältnis zwischen den USA und Kuba, der nur 150 Kilometer von Florida entfernten sozialistisch regierten Insel, ist seit Jahrzehnten gespannt. Bis heute ist ein Handelsembargo der Vereinigten Staaten gegen Kuba in Kraft. Die missglückte Invasion in der Schweinebucht am 17. April 1961 zerrüttete das Verhältnis zwischen den USA und Kuba endgültig.

Januar 1959. Auf Kuba siegt die Revolution, der Diktator Fulgencio Batista flieht aus dem Land, die Macht übernimmt eine von Fidel Castro geführte Regierung. Sie beginnt mit der Verstaatlichung von Landwirtschaft und Unternehmen. Die USA betrachten den revolutionären Prozess mit größtem Misstrauen. Präsident Dwight D. Eisenhower übt zunehmenden wirtschaftlichen Druck auf Kuba aus. Nach der Nationalisierung zahlreicher US-Unternehmen im August 1960 verhängt Washington ein Handelsembargo. Im selben Jahr beginnt der Geheimdienst CIA mit der Ausbildung von Exilkubanern für eine Invasion. Ende 1960 gewinnt John F. Kennedy die Präsidentschaftswahl:

"Die USA müssen verhindern, dass sich Castros Einfluss von Kuba auf ganz Lateinamerika ausbreitet. Dazu müssen wir versuchen, bessere Beziehungen zu den lateinamerikanischen Staaten aufzubauen, und den Wunsch ihrer Bewohner nach mehr Wohlstand ernst nehmen."

Solche politischen Strategien entwirft Kennedy im Wahlkampf, doch als der Demokrat im Januar 1961 das Präsidentenamt antritt, übernimmt er die Pläne Eisenhowers für ein militärisches Vorgehen gegen Kuba. Juan Luis Hernández, Professor für Zeitgenössische Geschichte Lateinamerikas an der Universität Buenos Aires:

"In den Monaten vor der Invasion warf die US-Luftwaffe Bomben über kubanischen Fabriken und Transportwegen ab, schließlich sogar über Städten. All das ließ eine Landung von Truppen erwarten."

Am 15. April 1961 bombardiert die amerikanische Luftwaffe drei kubanische Flughäfen. Am 17. April beginnt unter dem Code-Namen Operation Zapata die Invasion. Rund 1.500 bewaffnete Exilkubaner landen mit Unterstützung der US-Marine in der Schweinebucht, einer dünnbesiedelten Gegend im Westen der Insel. Der Brigade, die von CIA-Beamten kommandiert wird, gehören neben dem Nachwuchs kubanischer Großgrundbesitzer auch Agenten des Geheimdienstes von Ex-Diktator Batista an. Die Brigade soll die Ankunft einer Exilregierung aus Miami vorbereiten, die wiederum US-Truppen zur Hilfe rufen soll. In Guatemala hatte eine ähnliche CIA-Operation 1954 zum Sturz der Linksregierung geführt. Doch auf Kuba scheitert sie. Der Brigade gelingt es nicht, die Piste für die Landung der Exilregierung zu halten.

Juan Luis Hernandez. "Die Regierung Castro hatte einen Verteidigungsplan aufgestellt. Kaum hatte die Invasion begonnen, setzte Castro eine Generalmobilisierung in Gang. Und innerhalb von drei Tagen wehrte Kuba den Angriff ab."

Die missglückte Invasion in der Schweinebucht bringt den amerikanischen Präsidenten in Bedrängnis. Politische Kräfte, die auf Seiten des CIA und der Exilkubaner stehen, machen Kennedy für das Scheitern verantwortlich, weil er nicht das Eingreifen der US-Streitkräfte befohlen hat. CIA-Kritiker wiederum beschuldigen den Geheimdienst, die Stimmung auf Kuba falsch eingeschätzt zu haben.

Juan Luis Hernandez: "Später veröffentlichte Dokumente zeigen, dass die Informationen des CIA von sehr schlechter Qualität waren. Die Amerikaner dachten, dass die Invasion sofort von Castro-kritischen Kubanern auf der Insel unterstützt werden würde. Doch das geschah nicht."

Nach dem Scheitern der Invasion rühmt Che Guevara den kubanischen Widerstand:

"Die Schweinebucht ist ein Symbol für alle unterdrückten Völker. Sie steht für die erste Niederlage des Imperialismus in Lateinamerika, aber auch für eine der ersten Niederlagen des Imperialismus in der Welt."

Diese Niederlage stärkt die Regierung von Fidel Castro und verschafft ihr in Lateinamerika wachsende Sympathien. Angesichts der Aggression der USA hält Castro eine flammende Rede und nennt die kubanische Revolution erstmals sozialistisch. In den folgenden Monaten rückt Kuba weiter an die UdSSR heran. Die Stationierung sowjetischer Raketen auf der Insel leitet 1962 eines der gefährlichsten Kapitel in der Geschichte des Kalten Krieges ein.

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