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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 10.04.2012

Aufregende Abenteuer mit tröstlichem Ausgang

Béatrice Rodriguez: "Das Hühnerglück", Peter Hammer Verlag, 24 Seiten

Fuchs, du hast das Huhn gestohlen... heißt es bei Béatrice Rodriguez
Fuchs, du hast das Huhn gestohlen... heißt es bei Béatrice Rodriguez (Stock.XCHNG Hans Stenstrom)

Tiere in Fabeln und Märchen haben ihre besonderen Eigenschaften. Wie Béatrice Rodriguez diese Erwartungshaltungen auch im letzten Teil der Trilogie vom "Hühnerdieb" erst weckt und dann flott unterläuft, das ist ebenso komisch wie anrührend.

Beim Bilderbuch sind die Bilder das Wichtigste. Erst recht, wenn es überhaupt keinen Text gibt. Sie allein erzählen die Geschichte, sie selbst sind die Geschichte.
Béatrice Rodriguez erzählt in ihren drei Bilderbüchern eine Tiergeschichte. Von einem braunen Bär, einem weißen Hasen, einem orangefarbenen Fuchs, einem dunklen Hahn und einer weißen Henne. Tiere, das kennen wir aus Fabeln und Märchen, haben ihre besonderen Eigenschaften und Rollen - der räuberische Fuchs, der gutmütige Bär, das dumme Huhn. Wie Béatrice Rodriguez diese Erwartungshaltungen in ihren Büchern erst weckt und sie dann flott unterläuft, das ist sehr komisch und anrührend zugleich.

Nur so viel sei erzählt: In "Der Hühnerdieb" entführt der böse Fuchs das unschuldige Huhn. Die spannende Verfolgungsjagd durch die drei anderen Tiere endet mit einer herzerwärmenden Überraschung. Im zweiten Band "Das Zauberei" geht die Geschichte an genau diesem Punkt weiter. Der gehörnte Hahn macht eine wunderbare Entdeckung und wird am Schluss mit einem beglückenden Fund getröstet wird. Im dritten Buch "Das Hühnerglück" schließlich geht es um den Nachwuchs von Huhn und Fuchs, um eine große Enttäuschung und eine ebenso witzige wie überraschende Versöhnung. Alle drei Bände schildern aufregende Abenteuer mit tröstlichem Ausgang.

Diese drei kleinen, feinen Bilderbücher aus dem kleinen, feinen Peter Hammer Verlag sind ein Augenschmaus. Sie setzten ihre Geschichten im Querformat in Szene, die Doppelbilder sind cirka viermal so breit wie hoch. So entsteht der Eindruck großer Geräumigkeit auf relativ kleiner Fläche. Diese Weite zeigt manchmal nur ein Motiv, schenkt der Szene also ganz viel Raum. Um dann wieder bis zu vier Sequenzen zu enthalten, die rhythmisch, fast comicartig aufeinander folgen.

Eine zweite Besonderheit: Jede Doppelseite ist farblich wie in sich geschlossen. Ob der Wald gelbgrün leuchtet oder nachts düster dräut, der Strand lichtgelb strahlt oder das Meer in warmem Türkis schimmert. Jede Doppelseite wirkt wie eine Einheit, in der die Tiere auch bei Gefahr geborgen sind. Man kann sich kaum satt sehen an diesen Aquarellen, jedes einzelne hat seine eigene Leuchtkraft und Atmosphäre.

Zauberhaft, wie Béatrice Rodriguez die Emotionen ihrer Protagonisten sichtbar macht. Freude und Angst, Neugierde und Zuneigung ausdrückt in deren Haltung, Bewegung, Mimik und Gestik. Wobei eine Weiterentwicklung nicht zu übersehen ist: Der dritte Band wirkt noch leichter, beschwingter, auch reduzierter als die beiden früheren. Und sein Schluss ist noch einmal genauso gewitzt wie der des ersten Bandes. Der Fuchs, der nicht die Gans, aber das Huhn gestohlen hatte, ist doch kein Schuft, sondern ein liebevoller Kinderfreund.

Gestaltung und Komposition, Farbe und Format dieser drei Hühnerbände sind ein Volltreffer. Da die Geschichten ohne Worte auskommen, muss beziehungsweise darf man sie erzählen, entdecken, über sie reden. Über Vertrauen und Liebe, Wut und Glück. Alt und Jung, Groß und Klein gemeinsam.

Besprochen von Sylvia Schwab

Béatrice Rodriguez: Das Hühnerglück
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2012
24 Seiten, 9,90 Euro
(ab drei Jahre)