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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 11.07.2008

Auf den Spuren Homers

Raoul Schrott: "Homers Heimat", Hanser Verlag 2008, 432 Seiten

Marmorbüste von Homer (AP)
Marmorbüste von Homer (AP)

Wer war Homer? In welcher Zeit, in welcher Gesellschaft hat er gelebt? Ist Schliemanns Troia das wirkliche, das historische Troia? Wo sind die Wurzeln des troianischen Mythos in der Realität zu verorten? Und überhaupt, was können wir als gesichertes Wissen betrachten über Homer, den ersten großen Dichter der europäischen Kultur?

Solche und eine Vielzahl ähnlicher Fragen stellt sich Raoul Schrott, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, bei der Neuübersetzung der "Ilias", die im Herbst 2008 im Hanser Verlag erscheinen wird. Dabei ist er auf zahlreiche Hinweise gestoßen, die den Schluss zulassen, dass Homer sich nicht nur von dem historischen Troia anregen ließ. Zahlreiche Daten, Fakten, literarische Quellen nähren den Verdacht, dass der reale Hintergrund für das Epos anderswo liegen muss. Die Indizienlage führt in einen Raum, wo sich der vordere Orient und das antike Europa berührten, in das heutige Kilikien, ins türkisch-syrisch-libanesische Grenzgebiet, nach Adana und zu der sehr beeindruckenden antiken Bergfestung Karatepe.

Hier vermutet Raoul Schrott den Ort, der einige Jahrhunderte nach dem troianischen Krieg Homer als Kulisse der Ilias diente. In Karatepe, einer von Assyrern zerstörten späthethitische Festung, findet Schrott nicht nur die beiden berühmten Tore Troias, das Skäische und das Dardanische, sondern auch zahlreiche Reliefs, die Homer regelrecht abgeschildert und nacherzählt hat. In seinem brillanten wissenschaftlichen Essay verweist Schrott die Idee einer von Homer gestifteten "abendländischen Kultur" ins Reich der Legende.

Rezensiert von Denis Scheck

Raoul Schrott: Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe
Hanser Verlag 2008
432 Seiten, 24,90 Euro
Rezensiert von Denis Scheck

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