Mittwoch, 22. Oktober 2014MESZ06:56 Uhr

Kulturpresseschau

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Fazit

Kunsthalle BremenViele Lücken in den Beweisketten
Die Aufnahme vom 20.08.2011 zeigt die Rückseite der Kunsthalle Bremen am Tag ihrer Wiedereröffnung mit beiden Anbauten. Damit vergrößerte sich die Nutzfläche um 3750 auf insgesamt 7820 Quadratmeter. Nach der zweijährigen Schließung präsentierte sich damit die Kunsthalle der Hansestadt deutlich erweitert und modernisiert.

Bundesweit lagert in den Museen noch von den Nazis geraubter Besitz. Denn wenn der Etat kaum für Museumsarbeit reicht, kommt auch die Provenienzforschung zu kurz. Die Kunsthalle zeigt erste Ergebnisse eines dreijährigen Projekts.Mehr

Brasiliens KulturszeneZerrissen wie nie
Blick auf die Stadt Rio de Janeiro und die Bucht, links ist die Christusstatue zu sehen 

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt streiten die Kulturschaffenden in Brasilien über die Frage, für wen sie ihr Kreuz machen sollen. Die Auseinandersetzung wird emotional geführt - und verursachte sogar das Aus einer Filmfirma.Mehr

FilmmusikKlänge für den Kampf gegen den Hai
Pierre Brice (l) als Apachen-Häuptling Winnetou und Lex Barker als sein Blutsbruder Old Shatterhand in einer Szene des Karl-May-Films "Im Tal des Todes". Lex Barker sitzt auf einem Pferd mit einem Gewehr in der Hand. Beide schauen in die Ferne.

Moderne Musik für einen Stummfilmklassiker: Bei den Filmmusiktagen Sachsen-Anhalt üben sich zum Beispiel junge Komponisten. Doch auch die renommierten Vertreter kommen in Halle auf ihre Kosten und es gibt eine Ehrung für den Komponisten der Winnetou-Musik.Mehr

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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.08.2012

Auf dem Weg zum Holocaust

"arte" zeigt Film über den US-Dokumentarfilmer Julien Bryan, der 1937 in Deutschland drehen durfte

Hitler bei einem Truppenaufmarsch 1937 in Berlin
Hitler bei einem Truppenaufmarsch 1937 in Berlin (AP)

Im Sommer 1937 erhielt Julien Bryan überraschend die Genehmigung, Nazi-Deutschland zu bereisen und dort Filmaufnahmen zu machen. "Spiegel TV"-Autor Michael Kloft hat die Aufnahmen ausgewertet und zu einem ungewöhnlichen Dokumentarfilm verarbeitet.

Das Jahr 1937 gilt gemeinhin als das am wenigsten interessante der zwölf Jahre währenden Naziherrschaft, und doch zählt es zu den wichtigsten, denn damals wurden die Weichen gestellt für Krieg und Holocaust.

Wie Filmautor Michael Kloft sagt, fuhr Bryan durch weite Teile des Landes und drehte unter anderem auf dem Parteitag in Nürnberg. Zwar habe er nur an genehmigten Schauplätze filmen dürfen, trotzdem seien ihm tiefe Einblicke in den Alltag des Dritten Reiches gelungen - und viele Bilder, von denen man eigentlich glaubt, sie hätten der Zensur zum Opfer fallen müssen, sagt Kloft:

"Es gibt die Akten nicht mehr des Propaganda-Ministeriums, die uns das vielleicht erklären könnten. Er hat später behauptet, dass er auch sogenannte Aufnahmen, die nicht gedreht werden durften, gedreht hat. Ob das wirklich so war, oder ob er sein Material nur ein bißchen spannender machen wollte, das kann ich nicht sagen."

Kloft sagte weiter, er könne sich nicht vorstellen, dass die Nazis Bryan allein durchs Rand reisen ließen. Darauf deute auch die Auswahl der Orte hin, denn das Filmmaterial zeige viele Sehenswürdigkeiten, so dass man den Eindruck haben könne, die Nazis hätten nur die "Schauseite und den schönen Schein des Dritten Reichs" zeigen wollen. Dennoch sind auch Aufnahmen zu sehen, die freiere Dreharbeiten vermuten lassen. So würden zum Beispiel getrennte Sitzbänke für Arier und Juden am Olivaer Platz in Berlin gezeigt.

Von Düsseldorf über München bis nach Berlin

Seine Reise hätte den Dokumentarfilmer von Köln und Düsseldorf zunächst bis zum Zeppelin-Werk am Bodensee geführt. Anschließend sei es nach München und Nürnberg und über die Luther-Gedenkstätten bis nach Berlin gegangen, wo der Mussolini-Besuch den Höhepunkt und Abschluss der Reise dargestellt habe.

Das Besondere seiner Dokumentation bestehe darin, dass er das Rohmaterial Bryans zur Verfügung gehabt habe. Dies sei für Filmaufnahmen aus dieser Zeit eher ungewöhnlich, weil vieles in den Kriegswirren verloren gegangen sei:

"Das ist immer schon mal ein Vorteil, weil sie Dinge sehen können, Blicke sehen können, die vielleicht sonst auf dem Boden des Schneideraums gelandet wären.

Das Andere ist natürlich sein Blick, und er ist Dokumentarfilmer, das heißt, er versucht, die Welt so abzubilden, wie sie ist - auch wenn er eben nur bestimmte Einblicke, sprich bestimmte Genehmigungen bekommt. Und da wird es natürlich interessant, weil da natürlich Bilder zu sehen sind, die zwar im ersten Moment so aussehen, als hätten sie auch die Nazis genehmigen können, aber auf den zweiten Blick natürlich schon eine tiefere Erkenntnis über dieses sich rüstende Volk bieten."


Das vollständige Gespräch mit Michael Kloft können Sie mindestens bis zum 13.02.2013 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.