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Buchkritik | Beitrag vom 28.01.2016

Argentinische Comic-Serie: "Eternauta"Mit Mut gegen die Invasoren

Von Frank Meyer

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Die Installation "Mafalda und Eternauta retten die Welt. Die kritische Kunst des argentinischen Comics" an der Fassade der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz (Deutschlandradio / Tobias Wenzel)
Die Installation "Mafalda und Eternauta retten die Welt. Die kritische Kunst des argentinischen Comics" an der Fassade der Berliner Akademie der Künste am Pariser Platz (Deutschlandradio / Tobias Wenzel)

Die Comic-Serie "Eternauta" ist in Argentinien legendär. Sie erzählt vom Widerstand gegen eine Übermacht. Der damalige Textautor Héctor Germán Oesterheld wurde in den 70er-Jahren von der Militärjunta umgebracht. Jetzt erscheint ein Teil als deutschsprachige Ausgabe.

Der Eternauta ist ein ewiger Reisender, er wechselt die Zeiten und die Raum-Dimensionen, immer auf der Suche nach seiner Familie, mit der er früher in Buenos Aires lebte. Aus diesem Leben vertrieb ihn eine Invasion von Aliens, die Außerirdischen landeten in Buenos Aires, um von dort aus die Welt zu erobern. Der Eternauta ist einer der wenigen Menschen, die dort mit dem Leben davonkamen.

Im Widerstand gegen die Invasoren

"Eternauta" von Héctor Germán Oesterheld und Francisco Solano López ist eine der bedeutendsten Comicserien des 20. Jahrhunderts. In Argentinien ist sie legendär, in Deutschland ist sie erst in den letzten Monaten durch eine Eternauta-Ausstellung in Stuttgart und eine Eternauta-Aktion an der Akademie der Künste in Berlin bekannt geworden. Der Avant Verlag hat jetzt einen Teil der "Eternauta"-Serie als erste deutschsprachige Ausgabe publiziert. In Argentinien ist "Eternauta" auch deshalb zu einem nationalen Symbol geworden, weil die 1957 bis 1959 veröffentlichte Serie als unheimliche Prophezeiung der Militärdiktatur in dem Land gelesen wurde. Der Textautor des Comics, Héctor Germán Oesterheld, wurde während der Herrschaft der Militärjunta in den 70er-Jahren umgebracht, genauso wie seine vier Töchter.

Die Landung der Invasoren aus dem All hat Oesterheld in der nahen Zukunft angesiedelt, 1963, sechs Jahre nach dem Start der Eternauta-Serie. Das Ereignis kündigt sich mit einem seltsamen Wetterphänomen an: Schnee über Buenos Aires. Der Schnee ist eine Waffe der Aliens, er ist hochgradig toxisch, wer mit ihm in Kontakt kommt ist sofort tot. Eine kleine Gruppe von Menschen überlebt zufällig, die Familie des Eternauten und drei Freunde, die gerade zu Besuch sind. Sie schließen sich dem Widerstand gegen die Invasoren an, "Eternauta" wird von da an eine Art Kriegs-Comic mit einem kollektiven Helden und einem vielgestaltigen Gegner. In diesen Kämpfen wird der Eternaut von seiner Frau und seiner Tochter getrennt, deshalb muss er seine ewige Suche nach ihnen beginnen.

Verlorenheit im Kampf gegen eine allumfassende Gewalt

Francisco Solano López hat "Eternauta" in einem ökonomischen Realismus und mit dramatischen Schwarz-Weiß-Kontrasten gezeichnet. Die Handlung kulminiert immer wieder in besonders ausdrucksstarken, sehr detaillierten Gesichtern in Großaufnahme, die den ganzen Schrecken der tödlichen Invasion wiedergeben. López' Zeichnung der Hauptfigur, im Schutzanzug und mit Taucherbrille, ist zu einer argentinischen Ikone geworden, die man immer wieder im Straßenbild der Städte findet. Die Figur ist eine Ikone des Widerstands, so wie die ganze "Eternauta"-Serie. Oesterheld und López erzählen aber nicht von einem heroischen Widerstehen, sondern von Zweifeln, Misstrauen und Verlorenheit im Kampf gegen eine allumfassende Gewalt. Keine andere Comicserie hat die Bedrohung einer Gesellschaft so intensiv erfasst und in einem so eindringlichen Realismus widergespiegelt wie "Eternauta".

Héctor Germán Oesterheld und Francisco Solano López: "Eternauta"
Avant-Verlag, Berlin 2016
392 Seiten, 39,95 Euro

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