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Interview | Beitrag vom 09.01.2017

Architekturhistoriker Leonardo Benevolo gestorbenDer Mann, der die Altstadt rettete

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Andre Hatting

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Häuser und ein kleiner Kanal mit Booten im jüdischen Viertel nahe dem Platz Campo de Gheto Novo in Venedig (picture alliance / dpa / Andreas Engelhardt)
Venedig: Auch hier lehrte Leonardo Benevolo an der Universität. Weitere Stationen waren Florenz, Palermo und Rom - alles Städte mit komplexen historischen Innenstädten (picture alliance / dpa / Andreas Engelhardt)

Vor wenigen Tagen ist Leonardo Benevolo gestorben. Der italienische Architekturhistoriker hat uns nicht nur das Standardwerk der Stadtgeschichte hinterlassen - sondern mit seiner Arbeit wohl auch den Abriss vieler historischer Altstädte verhindert, berichtet unser Architekturexperte Nikolaus Bernau.

Leonardo Benevolos "Die Geschichte der Stadt" erschien erstmals 1975. In dem kiloschweren Wälzer skizziert Benevolo die wesentlichen Stadttypen und ihre Entwicklung über lange Zeiträume. Das Buch wurde zum internationalen Bestseller, es glänzte mit einer gigantischen Sammlung von Abbildungen.

Obwohl schon über 40 Jahre alt, sei das Werk bis heute "fundamental" und "brauchbar für die Alltagsarbeit", sagte der Architekturexperte Nikolaus Bernau im Deutschlandradio Kultur. Es gebe wohl kein einziges Architekturbüro in Europa, Nordamerika und Japan, in dem das Buch nicht im Regal stehe.

Historische Altstadt von Salzburg mit Festung Hohensalzburg am Fluss Salzach. Foto vom 30. M (dpa / picture alliance / Daniel Kalker)Historische Altstadt von Salzburg am Fluss Salzach: In den 60er Jahren wussten viele Menschen den Zauber historischer Gebäude nicht mehr zu schätzen (dpa / picture alliance / Daniel Kalker)

Benevolo war laut Bernau ein "begeisterter Lehrer". Dementsprechend ist die zweite Stärke seines Werks die einfache Sprache, die jeder verstehen kann. Auch deswegen sei das Buch sehr einflussreich geworden, so Bernau.

Sein Denken und Wirken war revolutionär

Benevolos Denken und Wirken sei zu seiner Zeit "revolutionär" gewesen, betonte Bernau. Als er begann zu publizieren, habe in den 50er und 60er Jahren die Grundthese gegolten, die Geschichte der Stadt sei eigentlich beendet.#

Die Bauten der letzten 2000 Jahre seien als nicht auto- und nicht mehr lebensgerecht empfunden worden - "und die positiven Seiten hat man gar nicht mehr gesehen".

Hier hielt Benevolo dagegen und zeigte seinen Zeitgenossen eine neue Perspektive auf die städtbaulichen Traditionen auf.

Alltag in Amsterdam: Die Stadt ist rund 800 Jahre alt, viele Gebäudefassaden stammen aus dem 17. Jahrhundert.  (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)Amsterdam: Hier gab es die irre Idee, alle Grachten zuzuschütten - um Straßen zu bauen (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)

"Dieses Buch hat den Abriss von ganz vielen Altstädten verhindert. Wir müssen immer im Hinterkopf haben: Es gab in den 50er und 60er Jahren Ideen, alle Grachten in Amsterdam zuzukippen, um dort Straßen zu bauen."

Das sei nach dem Erscheinen von "Die Geschichte der Stadt" nicht mehr denkbar gewesen, sagte Bernau.

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