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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.11.2014

ArbeitsmarktZuwanderer bringen dem Staat Geld

Eine neue Studie widerlegt das Vorurteil, dass Ausländer die Sozialsysteme belasten

Jörg Dräger im Gespräch mit Frank Meyer und Katja Schlesinger

(Arne Dedert dpa/lhe (Zu dpa-Korr)
Zuwanderer aus Ost-Europa arbeiten auf einer Baustelle (Bild: Arne Dedert/dpa) (Arne Dedert dpa/lhe (Zu dpa-Korr)

Zwei Drittel der Deutschen sind laut einer Umfrage von 2012 überzeugt: Ausländer belasten die Sozialsysteme. Das ist falsch, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Tatsächlich profitiert der deutsche Staat mit mehr als 3000 Euro pro Ausländer.

Viele Deutsche glauben, dass Ausländer vor allem Geld kosten. Eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde, kommt zum gegenteiligen Ergebnis: In Deutschland lebende Menschen mit ausländischem Pass bringen dem deutschen Staat Geld.

"Unsere Studie zeigt, dass die 6,6 Millionen Ausländer, die in Deutschland heute leben, eben einen positiven Beitrag zu Steuern und Sozialstaat leisten", sagt Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung. So hätten in Deutschland ausländische Staatsangehörige allein 2012 22 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse und die Sozialsysteme eingezahlt, als sie daraus an Leistungen bekommen hätten. "Das sind 3.300 Euro pro Ausländer, die wir im Moment hier profitieren."

Gewinn trotz Flüchtlinge

Die zahlreichen Flüchtlinge, die in diesem Jahr nach Deutschland gekommen sind, habe die Studie nicht einbezogen, räumt Dräger ein. Den positiven Effekt, den Zuwanderung auf die öffentlichen Haushalte hat, würden sie aber offenbar kaum schmälern: "Vergleichen Sie die Zahlen: Eine Entlastung von 22 Milliarden, die alle im Land lebenden Ausländer erreichen im Jahr 2012 allein, und dann die 1 Milliarde Euro (...), die der Deutsche Städtetag gerade für die zusätzlichen Integrationskosten verlangt. Sie sehen, das sind noch unterschiedliche Größenordnungen."

200.000 qualifizierte Zuwanderer pro Jahr erforderlich

Um Deutschland zukunftssicher zu machen und um weiterhin von Zuwanderung profitieren zu können, brauche man in Zukunft besser qualifizierte Zuwanderer. Die Studie gehe von mindestens 200.000 dauerhaften Zuwanderern aus, die pro Jahr nach Deutschland kommen müssten, so Dräger. Auch Flüchtlingen solle der Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht werden, das sei für alle Seiten sinnvoll und wichtig: "Für die Flüchtlinge, um sich früher integrieren zu können, und für unser Land, dass es dann eben auch ein Stück profitiert von der Qualifikation und der Integrationswilligkeit der Flüchtlinge."

Mehr zum Thema:

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Die Studie der Bertelsmann-Stiftung im Volltext

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