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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 01.06.2012

Anton Schlecker hat sein eigenes Imperium zerstört

Ein Kommentar zum Aus für die Drogeriekette

Von Michael Brandt

Mit Schlecker ist bald Schluss.
Mit Schlecker ist bald Schluss. (dpa / picture alliance / Martin Gerten)

Die Schlecker-Märkte wirkten zuletzt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Anton Schleckers Konzept ist gescheitert und er trägt letztlich die Verantwortung dafür, dass es mit seiner Drogerie-Kette jetzt vorbei ist, kommentiert Michael Brandt.

Es ist gekommen, wie es kommen musste. Schluss für Schlecker. Die Drogeriemärkte mit dem blauen Namensschild werden aus Deutschland verschwinden und in ein paar Monaten wird man sich nur mit einem Kopfschütteln an die ramschigen Läden erinnern, die neben der modernen Konkurrenz von Rossmann, dm und Müller wie Relikte aus einer anderen Zeit gewirkt haben.

Das waren sie auch. Sie waren Relikte aus der Zeit von Anton Schlecker, der schon vor Jahren nicht erkannt hat, dass das Konzept nicht mehr stimmt. Dass es nicht so nicht weiter geht. Mit Läden, die nur funktionieren, weil die Verkäuferinnen für wenig Geld viel arbeiten und viel Verantwortung übernehmen. Mit einem Sortiment, das am Ende bestenfalls normal war und das der Verbraucher in fast jedem Lebensmittelmarkt oder Discounter genauso fand – nur billiger.

Anton Schleckers Konzept ist seit Jahren gescheitert und er trägt letztlich die Verantwortung dafür, dass es mit Schlecker jetzt vorbei ist. Er war in den letzten Jahren kein guter Kaufmann mehr, sondern er hat durch eigensinnige und falsche Entscheidungen sein eigenes Imperium zerstört und ist damit auch für den Verlust der Arbeitsplätze verantwortlich.

Zu spät haben Anton Schleckers Kinder Lars und Meike versucht, das Ruder herumzureißen, auch die Schlecker Filialen modern und freundlich zu gestalten und nicht zuletzt besser mit den Mitarbeiterinnen umzugehen. Zu spät hat Insolvenzverwalter Arnd Geiwitz das Ruder übernommen und versucht, das Filialnetz so auszudünnen, dass die Drogeriemarktkette überlebensfähig ist. Die Schlecker-Kinder und Geiwitz haben sich alle Mühe gegeben, aber es war nichts mehr zu machen.

Dennoch hätte es mit viel Glück und viel gutem Willen vielleicht doch noch eine Lösung geben können, an der Zerschlagung vorbeizukommen und Schlecker neu auszurichten.

Aber am Ende hat dann eben doch beides gefehlt. Das Glück ohnehin und dann der gute Willen sowohl der Arbeitnehmer, die zwar einen Gehaltsverzicht von 10,5 Prozent angeboten hatten, nicht aber von 15 Prozent, wie es der Insolvenzverwalter gefordert hatten. Und der gute Willen in der Politik, die sich am Ende geweigert hat, eine Auffanggesellschaft zu finanzieren, um so das Risiko der Kündigungsschutzklage zu reduzieren und Schlecker für Investoren interessanter zu machen.

Schon gibt es erste Schuldzuweisungen an die FDP, die sich mit allen Mitteln gegen die Auffanggesellschaften gestellt hat. Mag sein, dass es mit Auffanggesellschaften geklappt hätte, aber sicher ist auch das nicht. Und auch hier darf man nicht vergessen, wer die Hauptverantwortung dafür trägt, dass jetzt der letzte Akt von Schlecker beginnt.

Der letzte Akt dieses Schlecker-Dramas wird schnell vorüber sein. Ausverkauf in den Läden, Ausverkauf der protzigen Firmenzentrale in Ehingen bei Ulm, Abmontieren der blauen Schlecker-Schilder.

Allein die Nachwirkungen werden noch lange zu spüren sein. Dass die Aussage, dass auf dem Arbeitsmarkt Platz für die Schlecker-Mitarbeiterinnen sei, nur ein bisschen wahr ist, hat sich bereits in den vergangenen Wochen gezeigt. Selbst im wirtschaftlich kraftstrotzenden Baden-Württemberg hat in acht Wochen nur ein Drittel der in der ersten Welle gekündigten Schlecker-Mitarbeiter einen neuen Job gefunden.

Es ist davon auszugehen, dass viele der 13.500 Noch-Schlecker-Mitarbeiter nach der Kündigung, die ihnen noch in diesem Monat zugestellt werden soll, keine Chance mehr auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Und das ist das eigentliche Schlecker-Drama. Und es beginnt genau jetzt.

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