Seit 10:07 Uhr Lesart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 10:07 Uhr Lesart
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 14.03.2015

Antisemitismus in DeutschlandAngst, dass so etwas wieder passiert

Claus Leggewie im Gespräch mit Miriam Rossius

Der Kulturwissenschaftler Claus Leggewie sitzt am 12.03.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) bei einer Lesung seines Buches "Zukunft im Süden" im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne auf der Bühne. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Claus Leggewie ist Politikwissenschaftler am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

"Jude" als Schimpfwort an deutschen Schulen, Hetzparolen, Diskussionen über No-Go-Areas: All das beunruhigt den Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Antisemitismus drohe wieder salonfähig zu werden.

Hakenkreuzschmierereien an einer Synagoge in Köln 1950: Claus Leggewie war neun Jahre alt, als ihn das nachhaltig erschreckte. Wenn der Politikwissenschaftler heute zurückblickt, hat er das Gefühl, sich in einem "Zyklus" zu befinden, wie er sagt: Jahrzehntelang sei Antisemitismus ein Tabu gewesen. "Dass das heute wieder unter den verschiedensten Einflüssen - sei es von Neonazis, sei es von radikalen Islamisten, sei es von Anhängern der Pegida-Bewegung - gewissermaßen salonfähig gemacht wird, das ist schon erschreckend."

Es darf nicht wieder zu Gewaltakten gegenüber Minderheiten kommen

Dabei sei aus Deutschland nach dem Krieg doch "etwas geworden", die politische Kultur habe sich erheblich liberalisiert, so Leggewie. Doch es kämen Bedrohungen von innen und außen auf uns zu: "Wir müssen schauen, dass es nicht wieder zu Diskriminierungen und Gewaltakten gegenüber Minderheiten kommt. Wir müssen aufpassen." Im Moment werde in Europa - in der Ukraine - wieder Krieg geführt. "Jemand wie ich", sagt Leggewie, "der in Trümmern aufgewachsen ist, der hat natürlich immer irgendwie Angst, dass so etwas wiederkommen könnte."

Über seine Erinnerungen hat Claus Leggewie ein Buch geschrieben:
"Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie"
Bertelsmann, München 2015
480 Seiten, 24,99 Euro  

Mehr zum Thema:

Antisemitismus in Deutschland - Bleiben oder gehen?
(Deutschlandradio Kultur, Aus der jüdischen Welt, 06.03.2015)

Antisemitismus - Warum wir Juden in Deutschland bleiben
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 02.03.2015)

Antisemitismus in Deutschland - "Ein Stück Realität"
(Deutschlandfunk, Interview, 27.02.2015)

Interview

Mundarten in Deutschland Sterben unsere Dialekte aus?
Bayerin im Chiemgau mit Breitenstein und Geigelstein. (imago)

Berliner, die nicht berlinern oder Münchner, die nicht Bayerisch sprechen: Wird es irgendwann keine Dialekte mehr in Deutschland geben? Der Sprachwissenschaftler Sebastian Kürschner kann beruhigen: Ganz so schlimm wird es nicht kommen.Mehr

Zum Tod von Shimon Peres"Mahner für den Frieden"
Israelischer Ec-Präsident Schimon Peres (dpa / Jens Büttner)

Shimon Peres sei das "Gewissen Israels" gewesen, sagt unser ehemaliger Israel-Korrespondent Sebastian Engelbrecht. Der frühere israelische Präsident habe immer wieder zu neuen Anläufen bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern aufgefordert - auch in Zeiten der rechtsgerichteten Regierung. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur