Seit 11:05 Uhr Lesart
 
Samstag, 28. Mai 2016MESZ11:51 Uhr

Interview / Archiv | Beitrag vom 14.03.2015

Antisemitismus in DeutschlandAngst, dass so etwas wieder passiert

Claus Leggewie im Gespräch mit Miriam Rossius

Der Kulturwissenschaftler Claus Leggewie sitzt am 12.03.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) bei einer Lesung seines Buches "Zukunft im Süden" im Rahmen des Literaturfestivals Lit.Cologne auf der Bühne. (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Claus Leggewie ist Politikwissenschaftler am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Mitherausgeber der Blätter für deutsche und internationale Politik (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)

"Jude" als Schimpfwort an deutschen Schulen, Hetzparolen, Diskussionen über No-Go-Areas: All das beunruhigt den Politikwissenschaftler Claus Leggewie. Antisemitismus drohe wieder salonfähig zu werden.

Hakenkreuzschmierereien an einer Synagoge in Köln 1950: Claus Leggewie war neun Jahre alt, als ihn das nachhaltig erschreckte. Wenn der Politikwissenschaftler heute zurückblickt, hat er das Gefühl, sich in einem "Zyklus" zu befinden, wie er sagt: Jahrzehntelang sei Antisemitismus ein Tabu gewesen. "Dass das heute wieder unter den verschiedensten Einflüssen - sei es von Neonazis, sei es von radikalen Islamisten, sei es von Anhängern der Pegida-Bewegung - gewissermaßen salonfähig gemacht wird, das ist schon erschreckend."

Es darf nicht wieder zu Gewaltakten gegenüber Minderheiten kommen

Dabei sei aus Deutschland nach dem Krieg doch "etwas geworden", die politische Kultur habe sich erheblich liberalisiert, so Leggewie. Doch es kämen Bedrohungen von innen und außen auf uns zu: "Wir müssen schauen, dass es nicht wieder zu Diskriminierungen und Gewaltakten gegenüber Minderheiten kommt. Wir müssen aufpassen." Im Moment werde in Europa - in der Ukraine - wieder Krieg geführt. "Jemand wie ich", sagt Leggewie, "der in Trümmern aufgewachsen ist, der hat natürlich immer irgendwie Angst, dass so etwas wiederkommen könnte."

Über seine Erinnerungen hat Claus Leggewie ein Buch geschrieben:
"Politische Zeiten. Beobachtungen von der Seitenlinie"
Bertelsmann, München 2015
480 Seiten, 24,99 Euro  

Mehr zum Thema:

Antisemitismus in Deutschland - Bleiben oder gehen?
(Deutschlandradio Kultur, Aus der jüdischen Welt, 06.03.2015)

Antisemitismus - Warum wir Juden in Deutschland bleiben
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 02.03.2015)

Antisemitismus in Deutschland - "Ein Stück Realität"
(Deutschlandfunk, Interview, 27.02.2015)

Interview

Arbeitsbedingungen an TheaternSchauspieler am Limit
Blick in einen leeren Theatersaal mit geschlossenem Vorhang. (dpa/picture alliance/Stefan Sauer)

"Es ist Zeit für eine Theaterreform", fordert Lisa Jopt, Schauspielerin und Mitbegründerin des "Ensemble Netzwerk". Die Initiative will bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Bezahlung für Schauspieler und Theatermacher durchsetzen. Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

fghjghj