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Studio 9 | Beitrag vom 16.11.2015

Anschläge in ParisDie Rhetorik des Krieges

Rafael Seligmann im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Hollande läuft einen Gang entlang. Rechts und links salutieren Mitglieder einer Garde mit Schwertern. (picture alliance / dpa / Foto: Liewig Christian)
Der französische Präsident François Hollande im Schloss Versailles, wo er eine Rede zu den Anschlägen in Paris hielt. (picture alliance / dpa / Foto: Liewig Christian)

Führt der Westen einen Krieg gegen den Islamischen Staat? Der Publizist Rafael Seligmann ist überzeugt, dass bereits die Verwendung des Begriffs "Krieg" die Hilflosigkeit der Politik zeige.

Nach den Terroranschlägen in Paris verwendet selbst die ansonsten eher nüchtern agierende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eine Kriegsrhetorik. Zahlreiche Politiker sprechen offen von einem Krieg gegen den Islamischen Staat. Doch sollte der Westen überhaupt den Begriff "Krieg" verwenden? Nein, findet der Publizist und Historiker Rafael Seligmann. Der richtige Begriff sei nicht "Krieg" sondern "Auseinandersetzung", sagte Seligmann im Deutschlandradio Kultur.

Abgesehen von der Begrifflichkeit ist er der Überzeugung: "Es wäre ein fataler Fehler, sich in eine militärische Auseinandersetzung hineinziehen zu lassen."

Die Verwendung des Begriffes bezeichnet der Historiker als Hilflosigkeit. "Man möchte die Bevölkerung beruhigen." Auch werde gar nicht versucht zu erklären, was Krieg bedeutet.

Der Publizist Rafael Seligmann (imago / Stefan Zeitz)Der Publizist Rafael Seligmann (imago / Stefan Zeitz)

Weiter kritisiert Seligmann, dass nicht gesagt werde, woher ein großer Teil der Träger dieses Krieges in Europa komme - nämlich aus Belgien und Frankreich selbst: "Das sind entwurzelte, radikalisierte Jugendliche."

Deshalb sei es die wichtigste Aufgabe, die Menschen in unserer Gesellschaft für westliche Werte zu gewinnen. Seligmann: "Die wollen unsere Gesellschaft in einen Krieg hineinziehen, damit es dann noch mehr Widerstand gibt, damit es noch mehr Aggressionen gibt."

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