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Kulturnachrichten

Dienstag, 10. November 2015

André Glucksmann ist tot

Französischer Philosoph starb im Alter von 78 Jahren

André Glucksmann, einer der beutendsten französischen Philosophen der Gegenwart, ist tot. Der Intellektuelle starb im Alter von 78 Jahren. Glucksmann nahm an den Mai-Demonstrationen 1968 teil, war überzeugter Marxist und militanter Maoist, bevor er in seinen philosophischen Auseinandersetzungen eine grundlegenden Kritik des Totalitarismus entwickelte. Er gehörte in den 70er Jahren den "Neuen Philosophen" an, die mit der linken Utopie brachen und die Menschenrechte entdeckten. Aus dem ursprünglichen Maoisten und Kommunisten wurde ein Verteidiger der Demokratie und der Marktwirtschaft. Zu seinen bekanntesten Werken in Deutschland zählen "Köchin und Menschenfresser", "Über die Beziehung zwischen Staat, Marxismus und Konzentrationslager", "Philosophie der Abschreckung" und "Hass. Die Rückkehr einer elementaren Gewalt".

Nach dem Tod Helmut Schmidts - Anerkennung aus der Kulturwelt

Er war "eine großartige Figur", aber auch "voller Widersprüche"

Der Tod von Altbundeskanzler Helmut Schmidt hat zu Reaktionen auch unter Kulturschaffenden geführt. Jürgen Flimm, Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden, sagte gegenüber Deutschlandradio Kultur: "Er hat zu jedem großen Ereignis der Welt seine Meinung gehabt und die war wie so oft unbequem, aber sie hatte immer Grund und Sinn. Ich hab ihn gut gekannt, ich fand ihn eine großartige Figur, [...] er war ein klasse Typ." Hamburgs Erster Bürgermeister a.D. Klaus von Dohnanyi würdigte Schmidt in unserer Sendung Studio 9: "Schmidt war ein Mann von äußerster Disziplin und zugleich ein Mann von inneren Widersprüchen. Er war kritisch an Intellektuellen, [...] auf der anderen Seite war er der einzige Intellektuelle, der bisher Kanzler der Bundesrepublik Deutschland war. Er war kunstinteressiert, ein musischer Mann; er war eigentlich ein Intellektueller mit einer gewissen Verachtung für Intellektuelle, das war sein innerer Widerspruch." Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann, der mit Schmidt bei der Wochenzeitung "Die Zeit" zusammengearbeitet hatte, beschrieb Schmidt so: "Er war diskussionsfreundlich, [...] aber er war Realpolitiker und Geopolitiker im striktesten Sinne [...] und konnte ziemlich kühl über die Menschenrechte sprechen, was mir natürlich nicht gefallen hat. [...] Das änderte nichts daran, dass er in der Lage war in großen Zusammenhängen zu denken und zu schreiben."

Sanierung ohne Ende: Kölns Opern-Eröffnung verzögert sich nach Streit

Technisches Fachplanungsbüro entlassen

Die Wiedereröffnung der Kölner Oper dürfte sich weiter verzögern als bisher bereits befürchtet. Der Grund: Die Bühnen Köln haben sich vom Technischen Fachplanungsbüro getrennt und die Planung neu ausgeschrieben. Diesen Schritt hätten Projektleitung und Rechtsanwälte empfohlen, teilte die Stadt mit. Die Firma sei "wesentlich verantwortlich für das Scheitern der Wiedereröffnung der Bühnen", heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Das Vertrauensverhältnis sei auch angesichts der schleppenden Sanierung "massiv erschüttert". Es seien zudem zahlreiche Mängel in der Ausführung und Planung festgestellt worden. Ein Gutachter untersuche derzeit, ob es weitere Fehler gebe.

Schaubühnenchef findet Situation um "Fear" bedrohlich

Ostermeier: Drohungen dienen politischem Ziel

Die Berliner Schaubühne wehrt sich weiterhin gegen Vorwürfe, ihre Anti-AfD- und Anti-Rechtspopulismus-Collage "Fear" rufe zu Gewalt auf. Schaubühnen-Chef Thomas Ostermeier sagte im Deutschlandradio Kultur, die Drohungen, die Rufe nach Absetzung des Stücks und die Versuche, die Schaubühne zu verleumden, finde er besorgniserregend. Sie dienten allein einem politischen Ziel, "dass Afd Politiker nicht in einem Atemzug mit anderen rechtsnationalen oder vielleicht sogar Neonazifiguren auf der Bühne erscheinen, damit diese Afd-Bewegung sich als eine politisch integre, demokratische Partei zeigen kann. Und ich glaube das ist der tiefere Grund für diesen Aufschrei, dass sie einfach in ihren politischen Taktiken ein Problem bekommen, wenn sie in diese extrem rechte Ecke gesteckt werden." Das Stück "Fear" setzt sich mit der aktuellen Situation in Deutschland auseinander und greift die Rhetorik der so genannten besorgten Bürger auf. Ostermeier stellte klar: "Wir sind die wichtige Gegenöffentlichkeit, die sich eben auch nicht wegduckt und die mit dieser Politik der Angst versucht offensiv umzugehen und gegen diese Angst anzugehen."

Bad Hersfelder Magistrat macht Weg für Festspiele wieder frei

Faktische Haushaltssperre aufgehoben

Aufatmen in Bad Hersfeld: Der Magistrat der Stadt hat den erhöhten Finanzmittelbedarf der Bad Hersfelder Festspiele freigegeben. Damit könne der Vorverkauf baldmöglichst beginnen und weiterer Schaden von der Stadt abgewendet werden, teilte die Stadt mit. Die Stadtverordnetenversammlung hatte am vergangenen Donnerstag das 2015 entstandene Defizit der Festspiele in Höhe von rund 175.000 Euro nicht genehmigt und eine Überprüfung der Zahlen durch das Rechnungsprüfungsamt verlangt. Die nicht erfolgte Nachbewilligung hatte laut Bürgermeister Thomas Fehling zu einer "faktischen Haushaltssperre" für die Festspiele geführt. Intendant Dieter Wedel hatte daraufhin Verhandlungen mit Schauspielern abgebrochen und einen Rücktritt nicht ausgeschlossen.

Spatenstich für neues Bauhaus-Museum in Weimar

Neubau löst Provisorium am Theaterplatz ab

In Weimar ist am Mittag der von Experten und Kunstfreunden lang ersehnte erste Spatenstich für das neue Bauhaus gemacht worden. Bis Ende 2018 und damit noch vor dem 100. Jubiläum des Staatlichen Bauhauses soll das knapp 23 Millionen Euro teure Objekt fertig sein. Es soll das Provisorium am Theaterplatz ablösen, das nur die wichtigsten Arbeiten aus der Anfangszeit des Bauhauses zeigen kann. Das neue Museum wird auf 2500 Quadratmetern die experimentelle und pluralistische Anfangszeit des Bauhauses und die Aufbruchstimmung der Bauhäusler repräsentieren. Als wichtigste Design- und Kunstschule des 20. Jahrhunderts war das Bauhaus 1919 vom Architekten Walter Gropius und anderen zeitgenössischen Künstlern gegründet worden. Bis 1925 war es in Weimar, dann wurde es durch reaktionäre Kräfte aus der Stadt vertrieben und zog nach Dessau, von dort bis zum endgültigen Verbot nach Berlin. Auch in Dessau und Erfurt entstehen zum Jubiläum neue Museen.

Rekordpreis für Gemälde von Modigliani

„Liegender Akt" teuerstes je versteigertes Werk des italienischen Künstlers

Das Auktionshaus Christie's in versteigerte am Abend in New York ein Bild von Amedeo Modigliani aus dem Jahr 1918 in New York für umgerechnet 158 Millionen Euro. Als Modigliani es damals in Paris zum ersten Mal "Nu Couche", einen weiblichen Akt, enthüllte, löste er einen Skandal aus, weil viele Betrachter das Gemälde als anstößig empfanden.

Max Wagner wechselt vom Gärtnerplatztheater zum Gasteig

Als Chef soll er die Sanierung des Kulturzentrums vorbereiten

Der geschäftsführende Direktor des Münchner Gärtnerplatztheaters, Max Wagner, wechselt im März 2016 in die Leitung des Kulturzentrums Gasteig. Der 46-Jährige soll erst ein Jahr lang als stellvertretender Geschäftsführer mitarbeiten. 2017 werde er die Nachfolge von Gasteig-Chefin Brigitte von Welser antreten, die dann in den Ruhestand geht, teilte die Gasteig GmbH in München mit.
Wagner hat Jura und Gesang studiert. Von 2005 bis 2011 war er Geschäftsführender Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters. Danach wechselte er nach München ans Staatstheater am Gärtnerplatz, das seit 2012 saniert wird und in etwa einem Jahr wieder eröffnet werden soll. Neben der Münchner Stadtbibliothek beherbergt das Gebäude die weltberühmten Münchner Philharmoniker mit der vieldiskutierten Philharmonie.

Benedict Cumberbatch von der Queen mit Ehrentitel ausgezeichnet

Auszeichnung eine Stufe unter dem Ritterschlag

Der britische "Sherlock"-Star Benedict Cumberbatch ist von Königin Elizabeth II. für seine Verdienste im Bereich der darstellenden Künste mit dem Ehrentitel des britischen Königshauses geehrt worden. Die Queen (89) habe den 39-jährigen Schauspieler am Dienstag im Buckingham Palast empfangen, um ihm den Titel CBE (Commander of the Order of the British Empire) zu verleihen, berichtete die britische Nachrichtenagentur Press Association (PA). Die Auszeichnung liegt eine Stufe unter dem Ritterschlag. Cumberbatch ist einer der jüngsten Schauspieler, dem diese Ehrung zuteilgeworden ist. Erst kürzlich war der Filmstar im Londoner Barbican Theatre in der Rolle des Hamlet auf der Bühne zu sehen gewesen. Neben der BBC-Serie "Sherlock", in der Cumberbatch seit Jahren höchst erfolgreich Kriminalfälle aufklärt, war er zuletzt auch in der Filmbiografie über Alan Turing "The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben" zu sehen. Derzeit ist er im Mafia-Streifen "Black Mass" als Billy Bulgar in den Kinos.

Vatikan bekommt Christbaum aus der Oberpfalz

Fichte mit zwei Wipfeln - Highlight in Gemeindegeschichte

Mit kirchlichem Segen wird eine Fichte aus dem oberpfälzischen Hirschau an diesem Sonntag auf den Weg nach Rom gebracht. Auf dem Petersplatz soll der 25 Meter hohe Baum dann weihnachtliche Stimmung verströmen. In der Kleinstadt mit rund 6000 Einwohnern ist die Freude groß: "Das ist ein Highlight in unserer Gemeinde", sagte Bürgermeister Hermann Falk. 50 Jahre ist die Fichte alt - nachdem sie am Dienstagvormittag gefällt worden war, konnten die Jahresringe im Stamm gezählt werden. Beworben als Christbaum-Quelle habe man sich bereits unter Papst Johannes Paul II., sagte Falk. Die Zusage habe man dann unter Benedikt XVI erhalten. Der hatte jedoch kein gutes Gefühl dabei, als Bayer einem bayerischen Baum den Vorzug zu geben - und so kam Hirschau auf die Warteliste. Nun darf sich Franziskus an dem Baum "mit den zwei Wipfeln" erfreuen, wie Falk stolz sagte. Der Baum soll auf einem Tieflader in den Vatikan gefahren werden.

Forschungsausgaben weltweit stärker als Wirtschaftswachstum

Löwenanteil konzentriert sich auf wenige Länder

Für mehr Wachstum setzen Staaten international auf einen Ausbau ihrer Forschung. Zu diesem Urteil kommt der heute in Paris vorgelegte Wissenschaftsbericht der Unesco. Die Investitionen in der Forschung sind nach den Zahlen der Kulturorganisation der Vereinten Nationen im Erhebungszeitraum zwischen 2007 und 2013 um 31 Prozent auf umgerechnet 1,37 Billion Euro gestiegen. Im selben Zeitraum habe sich das globale Bruttoinlandsprodukt um 20 Prozent erhöht. "Investitionen in Forschung und Entwicklung werden weltweit als Schlüssel für die wirtschaftliche Entwicklung verstanden", hieß es bei der Unesco. Den höchsten Anteil an den Forschungsausgaben haben die USA mit 28 Prozent aller Leistungen für Forschung und Entwicklung. Danach folgen China mit 20 und die Europäische Union mit 19 Prozent. 23 Prozent verteilen sich laut Unesco auf Länder, die zusammen 67 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen.

Kyoto-Preis an John Neumeier verliehen

Auszeichnung für sein Lebenswerk mit 360.000 Euro dotiert

John Neumeier (73), Chefchoreograph und Direktor des Hamburg Ballett, ist mit dem Kyoto-Preis der Inamori-Stiftung ausgezeichnet worden. Er erhielt den mit umgerechnet rund 360.000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Kunst und Philosophie für sein Lebenswerk. Bei der Preisverleihung am Dienstag in Kyoto erinnerte der US-Amerikaner an das erste Gastspiel seiner Ballettkompanie 1986 in Japan. "Ich, ein Amerikaner, überbrachte nun durch meine Arbeit, meine Choreographie und meine Gruppe internationaler Künstler eine kulturelle Botschaft von Frieden und Versöhnung", so der Preisträger. Er habe dies als künstlerisches Privileg und zugleich als einen Missionsauftrag empfunden, dessen emotionalste Realisierung die Aufführung seines Balletts "Matthäus-Passion" nach der Musik von Johann Sebastian Bach am 16. Februar 1986 in Hiroshima darstellte. Damals tanzte Neumeier selbst die Rolle des Christus.
Die von Kyocera-Gründer Kazuo Inamori begründete Auszeichnung gilt neben dem Nobelpreis als eine der wichtigsten Ehrungen in Kultur und Wissenschaft. Jährlich ehrt sie drei Personen aus den Bereichen Kunst und Philosophie, Hochtechnologie und Grundlageforschung für ihr Lebenswerk.

Schaubühne wehrt sich gegen Gewaltaufruf-Vorwürfe

Berliner Theater sieht sich Verleumdung ausgesetzt

Die Berliner Schaubühne wehrt sich gegen Vorwürfe, ihre Anti-AfD- und Anti-Rechtspopulismus-Collage "Fear" rufe zu Gewalt auf. "In einigen Medien wird das Stück inzwischen mit zwei Auto-Brandanschlägen gegen die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch und Hedwig Freifrau von Beverfoerde in Zusammenhang gebracht", hieß es in einer Stellungnahme. "Hierzu möchten wir feststellen: Es wird im Stück an keiner Stelle zu Gewalt gegen Sachen oder Personen aufgerufen." Das Theater und Autor Falk Richter verurteilten die Anschläge, denen rechtsstaatlich nachgegangen werden müsse. Der Zusammenhang zwischen den Straftaten und der Inszenierung werde "bewusst konstruiert, um die Schaubühne als Theater und Falk Richter als Autor und Regisseur zu verleumden", teilte das Theater mit. So solle Druck gemacht werden, um das Theaterstück abzusetzen. Das Stück werde aber, wie geplant, im Januar erneut auf dem Spielplan stehen. Seit seiner Premiere am 25. Oktober hat das "Fear" schon für einigen Wirbel gesorgt. Am Dienstag vergangener Woche war es zu einem Eklat gekommen, nachdem der Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD), Christian Lüth, ohne Erlaubnis in einer Aufführung filmte und ein Schauspieler ihm mit Rausschmiss drohte. Die Schaubühne berichtete heute auch von vielen Zuschriften, Anrufen, Graffiti vor dem Eingang sowie Morddrohungen.

Text des Philologenverbandes Sachsen-Anhalt sorgt weiter für Empörung

Migrantenorganisationen fordern Rücktritt der Autoren

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zeigte sich bestürzt über den rassistischen Text, in dem der Vorsitzende des Verbands und seine Mitautorin vor einer "Immigranteninvasion" und "vor sexueller Belästigung durch junge muslimische Männer" warnen. Das Kultusministerium bestellte Jürgen Mannke und Iris Seltmann-Kuke zum Rapport. Das Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen in Halle fordert den Rücktritt der Autoren. Sie seien kein Vorbild für Lehrer und Schüler mehr und müssten diesen Schritt anbieten, sagte der Geschäftsführer des Netzwerks Mamad Mohamad. Die Autoren des rassistischen Textes entschuldigen sich inzwischen auf der Website des Verbands, die Wortwahl ihres Textes sei „unglücklich und missverständlich" gewesen.

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