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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 16.06.2010

"Amelia"

Hans-Ulrich Pönack hat einen Film über eine amerikanische Filmpionierin gesehen

Amelia Earhart überquerte als erste Frau in einem Flugzeug den Atlantik. Seit 1937 gilt sie als verschollen. Hilary Swank verkörpert mit aparter Kurzhaarfrisur die Flugpionierin im Film der indischstämmigen Regisseurin Mira Nair.

USA 2009, Regie: Mira Nair, Hauptdarsteller: Hilary Swank, Richard Gere, Ewan McGregor, Virginia Madsen, ohne Altersbeschränkung, 120 Minuten

Die am 15. Oktober 1957 in Indien geborene Regisseurin und ehemalige Dokumentarfilmerin hat sich mit ihren Werken "Salaam Bombay!", dem fulminanten Spielfilmdebüt von 1988 ("Goldene Kamera" in Cannes als "Bester Erstlingsfilm", "Oscar"-Nominierung), Mississippi Masala" (1991), ""Monsoon Wedding" ("Goldener Löwe" von Venedig), "Vanity Fair" (2004, mit Reese Whiterspoon) und zuletzt mit "The Namesake – Zwei Welten. Eine Reise", 2006) einen respektablen internationalen Cineasten-Namen gemacht. 2002 war sie Mitglied der Internationalen Berlinale-Jury. Mira Nair, die abwechselnd in New York City und in der ugandischen Hauptstadt Kampala lebt, bezeichnet sich als kulturelle Grenzgängerin "zwischen den Welten".

Hier nun interessiert sie sich für eine faszinierende, spannende Frau der Geschichte, für Amelia Earhart, von der ich erstmals neulich in dem Fortsetzungs-Jux "Nachts im Museum 2" hörte, wo Amy Adams sie als "lebendig gewordene Wachsfigur" mimte. Amelia Earhart war die amerikanische Flugpionierin. Die am 24. Juli 1897 in Kansas geborene Amelia stammte aus gutbürgerlichem Haus und entwickelte schon früh eine Leidenschaft für das Fliegen. Internationale Bekanntheit erlangte sie, als sie am 17., 18. Juni 1928 während eines 20-stündigen Fluges als erste Frau in einem Flugzeug den Atlantik überquerte.

Weitere Stichworte: 1929 nahm sie am ersten Überlandluftwettbewerb für nur weibliche Piloten teil. Im selben Jahr gründete sie gemeinsam mit vier anderen bekannten Pilotinnen den "Club der Neunundneunzig", um die Stellung der Frau in der Luftfahrt zu stärken. Die engagierte Frauenrechtlerin und überzeugte Pazifistin überquerte 1932, fünf Jahre nach Charles Lindbergh, als erste Frau im Alleinflug den Atlantik. 1935 überflog sie als erster Mensch im Alleinflug den Teil des Pazifischen Ozeans zwischen Honolulu (Hawaii) und Oakland (Kalifornien). Kurz vor ihrem 40. Geburtstag startete sie den Versuch, als erster Mensch die Erde am Äquator zu umrunden. Seit dem 2. Juli 1937 gilt sie als verschollen, am 5. Januar 1939 wurde sie für tot erklärt.

Ein Biopic über eine amerikanische Heldin der 30er-Jahre. Über eine hochinteressante, vielschichtige weibliche Biografie. Eine Frau "schuftet" zu einer Zeit, als das eigentlich nur Männern, Kerlen vorbehalten war. Das schmeckt doch filmisch nach Abenteuer, Dramatik und Emotionen-pur.

Doch sowohl die Autoren Ron Bass ("Oscar" für "Rain Man") und Anna Hamilton Phelan ("Oscar"-Nominierung für "Gorillas im Nebel", 1988) wie auch die prominente Regisseurin kriegen den Stoff "nicht in den Griff". Wir erleben eine stets lächelnde, impulsive junge Draufgängerin, die über bildergewaltige Natur und Landschaften fliegt, dabei Rekorde zuhauf bricht und privat mit ihrem Entdecker und Gönner, dem Verleger George Putnam, eine "offene Ehe" eingeht.

Was aber genau, wie und wieso und überhaupt um und mit dieser Frau "los" ist, bleibt an der mauen Oberfläche. Eine Art "Familienprogramm" läuft hier im schönen, pastellfarbenen Zeitraffer uninspiriert ab, ziemlich künstlich und konstruiert wirkend, selten in die feministische Polittiefe wirklich gehend, die historische Charakterfigur selten erreichend. Ein "Lieb-Mädel" auf Abenteuer- und Sinnsuche, mit den tatsächlichen "unruhigen Zeiten" damals, also sozial, politisch und symbolisch kaum in Berührung kommend - und auch diesen unbedingten, individuellen Taten- und Freiheitsdrang von Amelia Earhart nie begreifbar machen könnend.

Ein typischer Ami-"Abnickfilm", ja, "andere", eine Aha- bzw. Oho-Frau, ja, bewundernswertes Engagement, ja, "das war schon eine (tolle Frau)". Abgehakt. Zähflüssig schleppen sich ihre Flüge über die Zeit, emotional dabei eher lau. Obwohl Stars die Hauptrollen füllen: Die zweifache "Oscar"-Preisträgerin Hilary Swank ("Boys Don´t Cry", 1999 und "Million Dollar Baby", 2005) gibt mit aparter Kurzhaarfrisur und Dauer lächelndem Face den weiblichen Luftikus, sehr schön wie naja, während "Graue Superlocke" Richard Gere ihren Manager und Ehemann routiniert abspult. Außerdem tritt auch kurz Schottlands Darling Ewan McGregor ("Trainspotting") als bemühter Charmelover und Ehemann-Konkurrent Gene Vidal irgendwie auf. Nö, ein dolles Leinwand-Filmding ist "Amelia" nicht geworden. Für spätere nasskalte TV-Herbst-Nachmittage auf der heimischen Couch aber durchaus als leichtes Nostalgie-Gebräu zu gebrauchen.

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