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Frühkritik | Beitrag vom 18.12.2015

Amazon-Serie "Man in the High Castle"Mit erschreckender Präzision

Von Wolfgang Stuflesser

Ein Taxi fährt am 25.11.2015 auf der New Yorker Third Avenue an einem umstrittenen Werbeplakat für die Serie "The Man in the High Castle" vorbei. (dpa / picture alliance / Chris Melzer)
Ein Taxi fährt am 25.11.2015 auf der New Yorker Third Avenue an einem umstrittenen Werbeplakat für die Serie "The Man in the High Castle" vorbei. (dpa / picture alliance / Chris Melzer)

Was wäre, wenn Nazi-Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? Damit beschäftigt sich die Amazon-Serie "Man in the High Castle". Die beiden Siegermächte haben die USA unter sich aufgeteilt, die Amerikaner sind "Untermenschen". Doch in einer "Neutralen Zone" regt sich Widerstand.

Was wäre, wenn? Wenn die Allierten den Zweiten Weltkrieg verloren hätten? Wenn Nazi-Deutschland und Japan die Welt beherrschten? Die Serie "The Man in the High Castle" geht genau diesen Fragen nach - und spielt in einem Amerika, das mit den Vereinigten Staaten, wie wir sie kennen, nur wenig gemein hat:

"Ich schwöre treue auf die Fahne der Achsenmächte von Amerika"

Deutschland und Japan haben die USA wie eine Kolonie unter sich aufgeteilt - die Nazis herrschen in den Ostküstenstaaten, die Japaner im Westen. In der Mitte gibt es die "Neutrale Zone" der Rocky Mountains, wo die letzten Amerikaner unterkriechen, die sich nicht mit den totalitären Besatzungsmächten abfinden wollen. Hierhin verschlägt es auch Juliana Crain, nachdem ihre Schwester ihr eine Filmrolle zusteckt:

"Nimm sie. - Was ist das? - Ein Weg hier raus."

"Zurück in die Zukunft" mit "Schindlers Liste" gekreuzt

Der kurze Film zeigt die Version der Geschichte, die wir kennen: Die Allierten gewinnen, Deutschland verliert den Krieg. Der Film stammt vom "Mann im Hohen Schloss", der auch der Serie den Titel gibt. Science-Fiction-Fans kennen die Geschichte: Die Romanvorlage "Das Orakel vom Berge" stammt von Philip K. Dick. Beim ihm ist es kein Film, sondern ein Buch, das die Ereignisse ins Rollen bringt, erzählt Frank Spotnitz, der als Showrunner für die Serie verantwortlich ist:

"Er ist ein bisschen wie der Zauberer von Oz: Um herauszufinden, was ihn mit den Film verbindet, muss man die Serie anschauen. Wofür er steht, ist Hoffnung, Hoffnung auf Veränderung."

Die Serie spielt 1962 - und sie zeigt mit sichtlich großem Budget eine düstere Mischung aus dem typischen Look der USA dieser Zeit, wie wir sie kennen, und brutaler Nazigewalt - als hätte man "Zurück in die Zukunft" mit "Schindlers Liste" gekreuzt. Erschreckend präzise malt die Serie ihre alternative Geschichtsversion aus: Wenn "Obergruppenführer Smith" die Nazi-Ideologie perfekt in sein Leben als amerikanischer Familienpatriarch integriert oder die Amerikaner im Westen wie Untermenschen den japanischen Herrschern dienen.

Amazon gibt keine Abrufzahlen preis

Amazon hat im Januar zunächst nur eine Folge der Serie als Test online gestellt, das Publikum um Feedback gebeten und erst dann den Rest der zehnteiligen Staffel in Auftrag gegeben. Zuvor war das Projekt bei verschiedenen anderen Sender nicht über die Entwicklungsphase hinausgekommen. Rupert Evans spielt in der Serie Julianas Freund Frank.

"Diese Serie ist so groß angelegt, dass hätte kein anderer gewagt. Normale Fernsehsender hätten das Sujet nicht angefasst. Amazon sucht originäre Inhalte, die die Leute hoffentlich sehen möchten - die Serie ist nicht alltäglich."

Wie üblich schweigt sich Amazon zu den genauen Abrufzahlen aus. In den USA wurde vor allem die Werbung für die Serie heftig diskutiert: Als im November die erste Staffel online ging, ließ Amazon Sitze in der New Yorker U-Bahn mit faschistisch anmutenden Adlern und Eisernen Kreuzen bekleben, in den amerikanischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot - es gab heftige Proteste. Evan Bernstein von der jüdischen Anti Defamation League warf Amazon in der Fernseh-Sendung "Inside Edition" mangelnde Sensibilität für die Wirkung vor, die die Bilder auf New Yorker Holocaust-Überlebende und ihre Nachkommen hätten.

Ein Mann sitzt in der New-Yorker-U-Bahn, die Sitze sind mit einem abgewandelten "Reichsadler" beklebt. Damit wurde die Amazon-Serie "Man in the High Castle" beworben.  (dpa / picture alliance / EPA/JUSTIN LANE)Ein Mann sitzt in der New-Yorker-U-Bahn, die Sitze sind mit einem abgewandelten "Reichsadler" beklebt. Damit wurde die Amazon-Serie "Man in the High Castle" beworben. (dpa / picture alliance / EPA/JUSTIN LANE)

Kurz darauf hat Amazon die Aufkleber wieder entfernen lassen. Showrunner Frank Spotnitz distanzierte sich von der Aktion: Sie habe die Menschen verärgert - seine Serie dagegen wolle die Zuschauer zum Nachdenken bringen.

Mehr zum Thema:

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