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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.06.2010

"Altiplano"

Hannelore Heider über die Geschichte zweier Frauen

Altiplano ist der Name einer abgeschlossenen Hochebene in den Anden. Der Film ist eine Mischung aus europäischem Kunstkino und magischem Realismus und stilisiert die beiden Protagonistinnen zu Madonnen, die am Leid zerbrochen sind.

Regie: Peter Brosens, Jessica Woodworth; Darsteller: Magaly Solier, Jasmin Tabatabai, Oliver Gourmet, Behi Djanati Atai, Edgar Alcides Condori, Sonia Loaiza; Länge: 106 Minuten

Altiplano heißt die abgeschlossene Hochebene in den Anden im Süden Perus an der Grenze zu Bolivien. Auf einem der höchstgelegenen Siedlungsräume der Menschheit hat sich die zehntausend Jahre alte Kultur erhalten. Doch ist sie seit Ausgang des letzten Jahrhunderts zunehmend durch Erzbergbau in ihrer nicht nur natürlichen, sondern wie der Film zeigt, auch humanen und kulturellen Eigenart aufs Höchste bedroht.

Für ihr spirituelles Kino inszenieren die Regisseure die Geschichte zweier Frauen, die über ihren unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergrund hinweg durch Leid verbunden sind. Grace (Jasmin Tabatabai), eine im Irak traumatisierte Kriegsfotografin, hat ihren Glauben verloren und nimmt kaum noch Anteil an der Aufgabe, die sich ihr Mann gestellt hat.

In einem Bergdorf im Altiplano erforscht er als Arzt (Oliver Gourmet) die mysteriöse Augenkrankheit der einheimischen Bevölkerung. Bald wird klar, dass sie von den Quecksilberabfällen der Goldmine verursacht wird, die ausländische Konzerne ausbeuten. Saturina (Magaly Solier) ist eine der Betroffenen.

Als ihr Verlobter an der Vergiftung stirbt, opfert sie sich in einem Selbsttötungsakt als Aufschrei gegen das Verbrechen. Ihre Videobotschaft findet Grace in der Kamera ihres toten Mannes, auch er ein Opfer, diesmal des Hasses gegen alle "Gringos". Und die Anklage der Kriegerin wird erhört, Grace macht sich auf den langen Weg ins Altiplano.

Der Realitätsgehalt der Geschichten wird immer wieder durch Metaphern überlagert, die so eindeutig wie symbolträchtig sind, den Zuschauer aber eher unterfordern als anregen. Die Mischung aus europäischem Kunstkino und magischem Realismus fügt sich nicht zu einer fortlaufenden Erzählung, der Film zerfällt in Blöcke, die nur eines eint: Beide Frauen werden zu Madonnen stilisiert, die am Leid zerbrochen sind, ein Schicksal, das am Anfang des Filmes schon die zu Boden gestürzte Marienstatue des Ortes vorwegnimmt.

In einer wieder symbolträchtigen Handlung wird sie von einem blinden Mann wieder zusammengesetzt, denn ohne Bilder gibt es keine Geschichte. Diese zentrale Botschaft des Filmes erfüllt am Ende Grace, die sich auf die Spur des Verbrechens und die Suche nach ihrer Schicksalsgefährtin Saturina ins Altiplano aufmacht.

Filmhomepage "Altiplano"

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