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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 12.01.2016

Alternative EnergienBehindert das billige Öl den Fortschritt?

Von Stefan Wolff

Ein Ölfeld in der Wüste Saudi-Arabiens, aufgenommen im Juni 2008. (picture alliance / dpa / epa Ali Haider)
Der gesunkene Ölpreis bereitet nicht nur Saudi-Arabien Sorgen. (picture alliance / dpa / epa Ali Haider)

Der Chef der Pariser Energieagentur rechnet damit, dass die Ära des billigen Öls noch Jahrzehnte anhalten wird. Verhindern die Dumpingpreise den Ausbau und die Weiterentwicklung Erneuerbarer Energien? Unser Reporter hat nachgefragt.

Über kurz oder lang soll dieses Geräusch aus unserem Leben verschwinden. Der Verbrennungsmotor – ein Auslaufmodell. Seit Jahren rufen die Autohersteller das Elektro-Zeitalter aus, doch bei den aktuellen Spritpreisen scheint das Ende ferner denn je. Beim Verbraucher gefragt sind SUVs, kraftstrotzende Alleskönner. Familienkombi in Geländeoptik und sportlich sowieso. Der Markt will es so, die Branche liefert. Und die Forschung für die Zeit nach dem Öl legt auf Eis, sagt Jürgen Pieper, Autoexperte beim Bankhaus Metzler:

"Ich denke auch in den letzten zwei Jahren hat man die Forschungsgelder eher zurückgefahren. Man sieht auch beispielsweise bei BMW, dass nach dem i3 und dem i8 erst einmal nichts mehr kommt. Auch da hat man die Aktivitäten ganz klar erst einmal auf Halten gestellt. Bei all den anderen sieht das ähnlich aus. Die Zulieferer sind da teilweise noch viel krasser in ihren Aussagen. Die sagen, E-Mobilität hat bislang total gefloppt und das ganze wird sich nicht wirklich beleben können, wenn die Benzinpreise und die Dieselpreise weiter so niedrig bleiben."

Das billige Öl lähmt die Forschung, bremst Investitionen. Das ist nicht nur bei den Autobauern so. Die Ölindustrie selbst schnallt den Gürtel enger, weil die Einnahmen nicht mehr so sprudeln wie zu Boomzeiten. Der Chemie und Pharmakonzern BASF ist über seine Tochter Wintershall dick im Geschäft, fördert weltweit Öl und Gas und verarbeitet den Rohstoff weiter. Jahrelang bereitete das Unternehmen viel Freude, doch schon kleine Schwankungen beim Ölpreis haben für den Ertrag, im Fachjargon Ebit genannt – große Wirkung, wie Hans Ulrich Engel, Finanzvorstand bei BASF erklärt.

"Beim Öl gilt – nur im Öl-und Gasgeschäft – bei einer Veränderung von nur einem US-Dollar bei Brent eine Veränderung um 20 Millionen im Ebit."

Raffinerien stoppen ihre Investitionen

Noch kann BASF die entstandenen Löcher im Ölgeschäft mit Gewinnen aus anderen Geschäftsfeldern ausgleichen. Viele chemische Erzeugnisse werden aus Erdöl gewonnen, zum Beispiel viele Kunststoffe. Härter trifft es da noch die Spezialisten, die sich ganz auf das Öl konzentriert haben. "Zum Beispiel alle Anlagebauer, die in der Energie-Produktion und Weiterverarbeitung ihren Schwerpunkt haben, da geht die Nachfrage natürlich zurück, weil Investitionen bei so niedrigen Ölpreisen weniger rentabel sind", sagt Stefan Schneider, Deutsche Bank.

Das hat der Siemens-Konzern erlebt. Das Unternehmen kaufte im Jahr 2014 den US-amerikanischen Maschinenbauer Dresser Rand für 7,6 Milliarden Dollar. Dresser Rand rüstet Öl- und Gasunternehmen aus, Raffinerien und Förderer. Die fuhren mit den sinkenden Ölpreisen ihre Investitionen zurück. Dresser Rand rutschte tief in die roten Zahlen. Noch härter trifft es Firmen, die noch den letzten Tropfen Öl aus der Erde pressen wollen. Beim Fracking werden Gesteinsschichten gesprengt. Chemikalien spülen die begehrten Rohstoffe heraus. Diese ökologisch umstrittene Technik lohnt nur bei hohen Ölpreisen. Viele Unternehmen haben deshalb die Produktion eingestellt. Hier entfalten die Ölpreise ihre positive Wirkung, sagt Markus Günthner von der auf nachhaltige Geldanlagen spezialisierten Fondsgesellschaft Swisscanto.

"Wenn aufgrund der niedrigen Preise die hohen Kosten nicht hereingeholt werden können, und deshalb kein Fracking stattfindet, ist das natürlich schon ein direkter Umweltschutz. Es müssen natürlich Alternativsysteme entwickelt werden oder Alternativen zum Fracking entwickelt werden. Das wird natürlich etwas dauern."

Vermutlich reicht die Zeit des billigen Öls nicht aus, um die Weichen entsprechend stellen zu können. Viele beteiligte Unternehmen sehen das Ganze als vorübergehende Phase an. Steigende Ölpreise könnten dann den Weg zur Normalität bedeuten. Vielleicht aber auch machen steigende Ölpreise die Forscher wieder fleißig auf der Suche nach Alternativen zum Öl.

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