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Feature / Archiv | Beitrag vom 12.08.2006

Als der Hauptbahnhof verschwand

Die Kartographie der Täuschung in der DDR

Von Peter Kaiser

Zumindest den NVA-Soldaten war der Grenzverlauf bekannt. (AP)
Zumindest den NVA-Soldaten war der Grenzverlauf bekannt. (AP)

Weder im "Atlas für Jedermann" noch auf den Wander- und Straßenkarten des VEB Tourist-Verlages waren Flughäfen oder Industrieanlagen eingezeichnet. Mitunter wurden ganze Ortschaften und Seen aus den Karten getilgt. Grenzverläufe der DDR waren nur den Grenzbataillonen bekannt.

Die in Satellitenzeiten absurde Geheimhaltung galt weniger einem befürchteten Überfall des Klassenfeindes als potentiellen Republikflüchtlingen. Und so fehlten die mit einem Geheimhaltungsgrad belegten echten Karten in der eigenen Volkswirtschaft. Bauleiter oder Architekten griffen oft auf Karten aus der Vorkriegszeit zurück. Nach der Wende entstand nur langsam ein korrektes Kartenbild Ostdeutschlands.

Regie: Christoph Pragua
Darsteller: Torsten Ranft, Steffen Gräbner, Nina Danzeisen
Produktion: Westdeutscher Rundfunk 2003
Länge: 52'26

Peter Kaiser, geboren 1957 in Berlin, war in der Industrie tätig, ist seit 1992 freier Autor. Seine literarischen Arbeiten wurden mehrfach mit Stipendien gefördert. Zuletzt: "Man gönnt sich ja sonst nichts" (DKultur 2006).

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