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Buchkritik

Neuer Roman von Siri HustvedtIm Korsett Frau fast erstickt
Die US-amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt posiert am 15. November 2011 in Barcelona. (picture alliance / dpa / Alejandro Garcia)

Der neue Roman von Siri Hustvedt "Die gleißende Welt" spielt in der New Yorker Kunstwelt. Im Fokus eine begabte Künstlerin, die Ehefrau eines Kunsthändlers ist, lange ihr Licht unter den Scheffel stellt, sich versucht daraus zu befreien, scheitert und zerbricht. Mehr

Klimawandel nach Vulkanausbruch 1816Schnee im Hochsommer
Ausbruch des Vulkans Popocatepetl in Mexiko; Aufnahme vom 6. Juli 2013 (  picture alliance / dpa)

Eine riesige Aschewolke ließ keine Sonnenstrahlen mehr auf die Erde: Nachdem 1815 der indonesische Vulkan Tambora ausgebrochen war, änderte sich das Wetter weltweit. Gillen D'Arcy Wood macht in "Vulkanwinter 1816" die dramatischen Folgen von Klimaveränderungen deutlich.Mehr

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Literatur

Ein literarischer RaumflugWort und Weltall
Andromedagalaxie, aufgenommen am 27.10.2010 (picture alliance / dpa  / Nasa)

Rainer Maria Rilke und Vladimir Nabokov haben über Sterne und Schwerelosigkeit geschrieben, bevor sie erkundet wurden, William Carlos Williams und Allen Ginsberg sind mittels Sprache zum Mond gereist. Was passiert bei der Begegnung mit dem Weltall? Und: Wie drückt der Mensch das aus? Mehr

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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 08.09.2012

Alltag gegen den Strich gebürstet

Buch der Woche - Christoph Niemann: "Abstract City. Mein Leben unterm Strich"

Der Grafiker Christoph Niemann in einem Café in der New Yorker Upper East Side. (picture alliance / dpa / Chris Melzer)
Der Grafiker Christoph Niemann in einem Café in der New Yorker Upper East Side. (picture alliance / dpa / Chris Melzer)

Der schwäbische Grafikdesigner Christoph Niemann ist in den USA ein Star. Er entwirft Titelseiten für den "New Yorker" oder für "Wired". Seine Kolumne "Abstract Sunday" aus der "New York Times" hat er jetzt in Buchform gepackt: Scharfsinnige und humorvolle Beobachtungen über die Lebensbedingungen im 21. Jahrhundert, garniert mit hintersinnigen Zeichnungen.

"Der beste Illustrator unserer Zeit ist ein Deutscher, der in Berlin lebt, aber vor allem für New York arbeitet", frohlockte Andreas Platthaus Ende Mai in der FAZ. Der Artikel ist der bislang einzige deutschsprachige Einzelnachweis, den der fünfzeilige Wikipedia-Artikel über den Grafikdesigner zu bieten hat. Christoph Niemann kehrte nach elf Jahren in New York mit seiner Frau und drei Kindern 2008 nach Deutschland zurück.

Sein Buch "Abstract City" besteht aus 16 Blog-Einträgen der gleichnamigen Kolumne für die New York Times, ergänzt durch einen Essay über Kreativität. Niemanns grafische Kolumne heißt mittlerweile "Abstract Sunday" und erscheint im New York Times Magazine, doch seine Themen sind die gleichen geblieben: Scharfsinnige und humorvolle Beobachtungen über die Lebensbedingungen im 21. Jahrhundert, die manchmal wie ein Tagebuch über Niemanns eigenes Leben als Grafiker, Vater und Ehemann daherkommen. Gebündelt auf 256 Seiten liefert "Abstract City" eine wunderbare Einführung in den feinsinnigen Humor, die alltäglichen Sujets der Illustrationen und deren kreative Umsetzung - allesamt Markenzeichen von Niemanns Arbeiten.

Im Kapitel "Kunst am Bad" überlegt Christoph Niemann, welche Kunstwerke von Weltrang als Kachel-Mosaike für seine Berliner Badezimmer infrage kämen. Letztlich überzeugen ihn Warhols "Brillo Box" (für die Dusche), Joseph Beuys' "Fettecke" (über der Badewanne) und ein Plan der New Yorker Subway für seine bahnbesessenen Jungs (dass Niemann diese Idee tatsächlich in die Tat umgesetzt hat, belegen Fotos neben den Skizzen!).

In "I lego NY" erzählt Christoph Niemann mit einer Handvoll Lego-Bausteinen Geschichten, die auf einen Blick verständlich sind: Ein quadratischer Turm mit drei gelben Steinen und einem weißen darüber: "ein Bier". Ein gelber Stein mit drei weißen darüber: "Sorry, frisches Fass angezapft!"

"Abstract City" setzt die kleinen Dramen des Alltags, die Fallstricke und Absurditäten des Lebens grandios in Szene. Auch die banalsten Sujets wie Backen, Schlafen oder Arbeiten bringt Christoph Niemann auf so treffsichere Weise zu Papier, dass der Leser schmunzeln (bis laut auflachen) muss. Nicht jede einzelne Abbildung ist ein großer Wurf, aber die Gesamtheit bildet ein überschäumendes Feuerwerk origineller Ideen, die immer wieder überraschen.

Äußerst bescheiden enthüllt Christoph Niemann in seinem Schluss-Essay anhand eines Tortendiagramms, dass es für eine gute Idee nur 0,5 Prozent Begabung und Musenküsse, aber 87 Prozent Anstrengung bedarf. Man kann nur hoffen, dass sich Niemann weiter gerne strapaziert und (vielleicht mithilfe des einen oder anderen Kusses) viele weitere Bücher, Blogs und Titelseiten schaffen wird – gerade auch in Deutschland. Chapeau! Ein toller Künstler, ein großartiges Buch!

Besprochen von Tabea Grzeszyk

Christoph Niemann: Abstract City. Mein Leben unterm Strich
Knesebeck Verlag, München 2012
256 Seiten, 19,95 Euro

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