Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Interview / Archiv | Beitrag vom 20.08.2015

Alfred Grosser über Egon Bahr"Er war nicht für die Wiedervereinigung"

Moderation: Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

Der SPD-Politiker Egon Bahr (Imago)
Der SPD-Politiker Egon Bahr (Imago)

Mit den Verhandlungen über die Ostverträge habe Egon Bahr eine große Leistung vollbracht, sagt der Publizist Alfred Grosser. Doch zugleich habe er Europa vernachlässigt – und sich manch einer Illusion hingegeben.

Zu den Weggefährten des verstorbenen SPD-Politikers Egon Bahr gehörte auch der deutsch-französische Publizist Alfred Grosser. Immer wieder haben sie im Laufe der Jahre miteinander diskutiert – und waren dabei häufig geteilter Meinung. Im Rückblick zieht Grosser ein kritisches Fazit von Bahrs Politik. Dieser habe mit den Verhandlungen über die Ostverträge zwar eine "große Leistung" vollbracht, andererseits aber das Verhältnis zu Frankreich vernachlässigt und sich insgesamt zu wenig um Europa gekümmert.

"Er war für zwei deutsche Staaten, die vereinigt sind"

Zu Bahrs Sicht auf die deutsche Teilung sagte Grosser im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur: "Er war nicht für die Wiedervereinigung. Er war für zwei deutsche Staaten, die vereinigt sind und die nicht in Europa eingebunden sind, sondern irgendwie an ein Europa, das übrigens in seinen Augen gar nicht bestand, angebunden sind. Diese Einbindung in Europa war ihm zuwider."

Unter dem Motto "Wandel durch Annäherung" habe sich Bahr – ebenso wie sein Parteifreund Erhard Eppler – einer "großen Illusion" hingegeben, so Grosser. "Das war, dass der Osten näher kommt und nicht so bleibt, wie er ist, das heißt: eine harte Diktatur."

Mehr zum Thema:

Zum Tod von Egon Bahr - "Rational, risikobereit, uneitel"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 20.08.2015)

Interview mit Hans-Dietrich Genscher - "Egon Bahr kämpfte für Frieden und Freiheit"
(Deutschlandfunk, Interview, 20.08.2015)

Interview

Erhard Eppler SPD-Urgestein und Vordenker wird 90
Der frühere Bundesminister Erhard Eppler (SPD) nimmt am 15.05.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) an der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises 2015 teil. (picture alliance / dpa / Daniel Naupold)

Der SPD-Politiker Erhard Eppler wird am Freitag 90 Jahre alt. Wir gratulieren - und sprachen mit dem früheren Entwicklungsminister über Ideale in der Politik, deren Umsetzung und was Kanzlerin Merkel diesbezüglich lernen musste.Mehr

Mensch und NaturIst Artensterben wirklich schlecht?
Giraffenweibchen Gaia im Giraffenhaus im Zoo in Dresden (Sachsen) (picture alliance / dpa / Arno Burgi)

Dass einzelne Tierarten aussterben, habe es immer gegeben und sei nicht gravierend, meint der Biologe Josef Settele. Derzeit finde allerdings ein vom Menschen verschuldetes Massenartensterben statt, das dem Menschen auch selbst schade.Mehr

Mariä EmpfängnisVom Mythos Jungfrau im 21. Jahrhundert
Bildnis von Maria, die Jesus die Brust gibt. (Imago / robertharding)

Geht der Jungfräulichkeitsmythos auf einen Übersetzungsfehler zurück? Am 8. Dezember feiern Katholiken Mariä Empfängnis. Kulturwissenschaftlerin Anke Bernau erklärt die Hintergründe und warum Jungfräulichkeit vor allem in patriarchalischen Kulturen wichtig ist.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur