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"Alex" und die Situation transgeschlechtlicher Kinder

Von Gesine Leyk

Alex Situation ist kein Einzelfall.
Alex Situation ist kein Einzelfall. (dpa picture alliance / Markus C. Hurek)

Ein Mädchen im Körper eines Jungen? In Berlin erregt derzeit der Fall "Alex" die Gemüter. Die vom Jugendamt bestellte Pflegerin glaubt, die Mutter rede Alex ihre Transgeschlechtlichkeit nur ein. Darauf gab es öffentlichen Protest.

Alex ist 12 Jahre alt. Sie hat lange Haare, bewegt und kleidet sich wie ein Mädchen, geht in Berlin zur Schule, lebt bei ihrer Mutter. Alles ganz normal. Doch Alex heißt in Wirklichkeit gar nicht Alex und normal ist in ihrem Leben vieles nicht mehr. Denn Alex lebt transgeschlechtlich – und das ist dem Jugendamt Steglitz-Zehlendorf ein Dorn im Auge.

Zur Geschichte: Nach der Scheidung der Eltern hat das Jugendamt die Gesundheitsfürsorge für Alex übernommen. Die bestellte Pflegerin glaubt, die Mutter rede Alex ihre Transgeschlechtlichkeit nur ein. Ihre Empfehlung wiegt schwer – Alex soll in eine Pflegefamilie kommen. Darüber ist nun ein öffentlicher Streit ausgebrochen. Ein Aktionsbündnis hat vor dem Jugendamt demonstriert. Alex soll so leben dürfen, wie sie es will.

Kundgebungsteilnehmerin I: "Wenn ich das Mädchen angucke, es ist für mich nen Mädchen. Die Gesichtszüge, die Figur, das Bewegen, alles. Und sieht das Mädchen unglücklich aus? Nee, ne. Die sieht glücklich aus."

Die Pflegerin soll eine freie Arztwahl und unabhängige Begutachtung von Alex ermöglichen.

Kundgebungsteilnehmerin II: "Es geht ja auch darum, dass sie sich eben nicht dafür einsetzt, was Alex möchte. Sie versucht, Ärzte und Gutachter ihnen aufzuzwingen. Sie hat versucht, Alex in ne Pflegefamilie unterzubringen, obwohl Alex bei ihrer Mutter bleiben möchte."

Bis jetzt ist offen, wie das Jugendamt entscheiden wird. Noch gibt es Hoffnung auf eine
einvernehmliche Lösung. Alex Situation ist kein Einzelfall. Lisa ist sechs Jahre alt und mit einem Penis geboren. Schon seit dem dritten Lebensjahr kleidet und verhält sich Lisa wie ein Mädchen. Ihre Mutter erinnert sich:

"Das ist nen Kind, was in einem Körper eines Jungen geboren ist und, ja, mit vier Jahren auch ganz klar ausgedrückt hat, dass sie die Genitalien ablehnt und als Mädchen anerkannt und angesprochen werden möchte und auch als Mädchen leben möchte. Sie sagt, ich bin im Herzen Mädchen, ich bin innen drin Mädchen, mein Gehirn ist nen Mädchen. Sie ist eben nen Mädchen mit Puller, so sagt sie´s."

Als sich Lisa ihre Genitalien verstümmeln will, ist klar: Sie hat nicht nur einfach eine
"Mädchenphase". Verunsichert suchen die Eltern Hilfe in der Charité.

Mutter von Lisa: "Die Psychologen dort haben nicht mit unserem Kind gesprochen, sondern einzig allein mit uns. Aber eigentlich auch nur fünf Minuten und haben uns dann im Grunde die Lösung präsentiert, nämlich, dass es eben nen Erziehungsproblem ist. Ohne im Grunde unser Kind überhaupt zu hören, zu beobachten. Ich habe dann gefragt, ob´s denn nicht so was wie Transsexualität sein könnte? Und da haben sie gesagt: Gibt´s nicht! Gibt´s nicht bei Kindern!"

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