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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 17.02.2016

Afternoon TeaStirbt eine britische Tradition aus?

Von Stephanie Pieper

Typisch Englisch: Schwarztee mit Scones und Marmelade. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
Typisch Englisch: Schwarztee mit Scones und Marmelade. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Er gilt als typisch britisch: der Vier-Uhr-Tee. Doch die sonst so traditionsbewussten Briten halten nicht mehr an ihrem "afternoon tea" fest und konsumieren auch längst nicht mehr so viel Schwarztee. Doch einige kämpfen gegen diesen Verlust an Britishness an.

Rosie Millard liest aus ihrem Roman "The Square" über die Nachbarschaft eines typischen viktorianischen Londoner Platzes - ein schonungsloser Blick hinter die bürgerliche Fassade der "upper middle class". Jene Schicht, die sich immer noch dann und wann einen Afternoon Tea gönnt – der eine grandiose Erfindung ist, meint die Autorin:

"Afternoon tea is one of the greatest British inventions. British people have to drink a cup of tea at about 4 o'clock in the afternoon. There is something about our mentality."

Gut ein Dutzend Damen sind an diesem frühen Abend ins Conrad St. James Hotel in London gekommen, um Rosie zuzuhören – und nebenbei ihren Afternoon Tea zu genießen, hier gepaart mit einem, nun ja, modernen Menü. Die ganz klassischen Zutaten aber zählt Barbara auf:

"Cucumber sandwiches, eggs, salmon and scones and clotted cream."

Traditionell werden zunächst Mini-Sandwiches serviert, belegt mit Gurke, Ei, Hühnchen und geräuchertem Lachs. Danach gibt’s eine Auswahl von Küchlein. Und schließlich Scones mit "clotted cream" – einer angedickten Sahne – und Marmelade. Wobei die Reihenfolge hoch umstritten ist, wie Hotel-Mitarbeiterin Annajene erklärt:

"If you're from Cornwall it's cream first, jam second, and if you're from Devon it's jam first and cream second."

In Cornwall bestreicht man das Gebäck also erst mit "clotted dream", dann mit Marmelade - während es in Devon genau umgekehrt ist.

Die Herzogin von Bedford soll den Afternoon Tea erfunden haben

Erfunden hat diese neue Mahlzeit am Nachmittag übrigens Mitte des 19. Jahrhunderts mutmaßlich die hungrige Herzogin von Bedford, erzählt Keith Newton, der es als Chef der Afternoon-Tea-Internetseite ja wohl wissen muss:

"Angeblich war ihr die Zeit zwischen Lunch und Dinner einfach zu lang – deshalb nahm sie gegen vier Uhr Tee und Sandwiches zu sich, lud ein paar Freundinnen dazu ein - und das wurde irgendwann gesellschaftlich akzeptiert."

Heute brühen die Briten ihren Tee im Alltag recht lieblos mit Beuteln auf; stilvoller geht’s natürlich beim Afternoon Tea zu, der für die Londoner Hotels ein einträgliches Geschäft ist. Im Conrad St. James bevorzugen die Gäste diesmal überwiegend den klassischen schwarzen Tee, meist ein indischer Assam – so wie Emma, Ann und Natasha:

"I like traditional English breakfast tea."

Die meisten trinken ihren Tee selbstverständlich mit Milch, allerdings ist die Zubereitung eine Glaubensfrage. Auch für Autorin Rosie, die insistiert: Man muss unbedingt erst den Tee aufgießen und dann die Milch hinzufügen – denn nur nach der Farbe des Tees könne man die richtige Menge Milch beurteilen:

"You absolutely have to have the tea in first. Every single person in Britain knows exactly how much milk they have and they do it by judging the  colour of the tea."

Ihre Landsleute konsumieren heute aber deutlich weniger schwarzen Tee als noch vor einigen Jahren, denn grüne und Kräutertees werden auch auf der Insel immer beliebter.

Es wird sogar schon von britischen Handwerkern berichtet, die nicht mehr nach dem klassischen schwarzen "builder’s tea" fragen, sondern lieber etwas Gesünderes trinken möchten. Quite shocking!

Aber ob auf der Baustelle oder beim vornehmen Afternoon Tea: Das Schlürfen klingt überall gleich.

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