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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.09.2014

AfD-Wahlerfolge"Große Chancen für eine Rechts-Partei"

Politologe: AfD nutzt programmatisches Vakuum der Union

Frank Decker im Gespräch mit Axel Rahmlow und Vladimir Balzer

Wahlkabine - hier wählt der Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl in Brandenburg, Ministerpräsident Dietmar Woidke; September 2014 (picture alliance / dpa)
Wahlkabine - hier wählt der Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl in Brandenburg, Ministerpräsident Dietmar Woidke; September 2014 (picture alliance / dpa)

Die Alternative für Deutschland räumt bei den Landtagswahlen ab, weil sie von einem Linksschwenk der Union und der Schwäche der FDP profitiert, sagt der Politologe Frank Decker sagt. Eine längerfristige Etablierung in der Parteienlandschaft hänge aber von ihr selbst ab.

Der Politikwissenschaftler Frank Decker von der Universität Bonn sieht erhebliche Chancen für die Alternative für Deutschland, sich dauerhaft im Parteiensystem festzusetzen.

Den Erfolg der AfD führte Decker im Deutschlandradio Kultur maßgeblich auf die Union zurück, die viele programmatische Positionen im Laufe der Jahre geräumt habe. Dabei sei sie nach links gerückt. "Das hat natürlich im Parteiensystem eine Nische geöffnet, und die AfD stößt in dieses Vakuum hinein", sagte Decker.

Union und FDP haben eine Lücke im Parteiensystem hinterlassen

Zugleich profitiere die Partei von der Schwäche der FDP, die wirtschaftsliberale Positionen nicht mehr glaubwürdig vertrete. Beides zusammen verschaffe ihr ein Wählerpotenzial, das sie derzeit auch ausschöpfen könne. "Im Moment ist die Chance, eine solche Partei in der Bundesrepublik auch dauerhaft zu etablieren, für die AfD größer, als sie für jede andere Rechts-Partei gewesen ist in der Vergangenheit." Als Beispiele nannte er Republikaner, DVU und Schill-Partei: Diese seien alle gescheitert. Die AfD habe aber mehr Potenzial.

Programmatische "Überdehnung": Zweifel am geschlossenen Auftreten

Ob sich die AfD dann tatsächlich etabliere, hänge von ihr selbst ab, betonte der Wissenschaftler. Das Ansprechen von unterschiedlichen Wählergruppen dürfte nicht zu einer programmatischen "Überdehnung" führen. Fraglich sei, ob die Partei potenzielle Konflikte austragen und trotzdem geschlossen auftreten könne. "Da habe ich große Zweifel", sagte Decker. Dies sei im Wettbewerb um Wähler aber entscheidend.

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