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Studio 9 | Beitrag vom 05.01.2015

AfD-Politiker Adam in der FASEin publizistischer Fehlstart ins neue Jahr

Von Ludger Fittkau

AfD-Politiker Konrad Adam (dpa / picture alliance)
AfD-Politiker Konrad Adam war von 1979 bis 2007 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (dpa / picture alliance)

Unkommentiert durfte der AfD-Politiker Konrad Adam Assoziationen zur Seeschlacht von Lepanto in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zum Besten geben. Warum das ein Fehlstart in das neue Zeitungsjahr war, kommentiert Ludger Fittkau.

Das römische Reich und machtvolle Worte haben Konrad Adam schon immer fasziniert: "Docere – delectare – movere - Lehren, Erfreuen, Bewegen. Zur poetischen und rhetorischen Theorie über Aufgaben und Wirkung der Literatur", so lautet der Titel der Doktorarbeit, die Konrad Adam Anfang der 70er Jahre an der Uni Kiel schrieb.

Konrad Adam betreibt Rhetorik nicht nur theoretisch. Er redet – etwa auf Parteitagen der "Alternative für Deutschland" – AfD, der Partei, für die Adam bisher als einer vor drei Vorsitzenden spricht. Er äußert sich über E-Mails an Parteifreunde. Aktuell beschreibt er seinen Mit-Vorsitzenden Bernd Lucke als machtbesessen. Weil Lucke demnächst ganz alleine für die AfD sprechen will. Damit droht Adam aus der ersten Reihe der Partei-Rhetoriker verdrängt zu werden.

Der Leser bleibt ratlos

Macht nichts, könnte man meinen. Denn augenscheinlich braucht Konrad Adam die AfD nicht, um sich verbal zu verwirklichen. Denn er schreibt! Als langjähriger Zeitungsjournalist erhält er sogar an Bord von Flaggschiffen der Qualitätspresse einen Platz - so gestern in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

In der ersten Ausgabe des Jahres 2015 druckte das Blatt einen Text ab, in dem der AfD-Politiker Assoziationen zur Seeschlacht von Lepanto zum Besten gibt. Wir erinnern uns: Vor 400 Jahren, Christen besiegen türkisch-islamischen Feind. An das blutige Geschehen will Adam unlängst zufällig als Abendgast in einem römischen Palazzo erinnert worden sein.

Der Leser bleibt ratlos angesichts der Unverbundenheit des Textes. Überschrift, Titelunterzeile und eine Bildunterschrift lassen sich mit Mühe als kleine redaktionelle Distanzierung lesen – ansonsten steht da der Beitrag des AfD-Mannes und ehemaligen FAZ-Feuilleton-Redakteurs unkommentiert.

Irritation ist angebracht. "Spiegel online" moniert zu Recht: Es wäre doch wohl ein Hinweis angesagt gewesen, es handele sich beim Autor Konrad Adam um einen Mann, der aktuell in den heftigen innerparteilichen Machtkampf in der AfD verwickelt ist und dabei vom Bundesvorstand Hans-Olaf Henkel scharf angegriffenen werde.

Warum aber überhaupt der merkwürdige Beitrag?

Viele Fragen bleiben

Im Text positioniert sich Rhetorik-Fan Konrad Adam als Bewunderer derjenigen, die mit Kanonendonner das christliche Abendland retten und bewirbt sich damit bei Pegida - quasi als Haus-Historiker? In der Schlacht von Lepanto erwiesen sich laut Adam "die christlichen Streitkräfte als disziplinierter und stärker" als die Türken. Sie hätten "an die 12000 christliche Galeerensklaven" befreit, die "für die Türken hatten rudern müssen". Brüsk endet mit diesem Satz der Text.

Der Spiegel spricht nun - was man versteht - von Konrad Adam als "Glaubenskrieger".

Weitere Fragen bleiben - namentlich an die Redaktion der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Was sollte der Abdruck des im Ganzen rätselhaften Textes? Der Spiegel vermutet, es wird demonstrativ rechts geblinkt. Zwei mögliche andere Interpretationen: Die Frankfurter Blattmacher stellen sich im AfD-Machtkampf zwischen Lucke und Henkel auf der einen Seite und Adam, Petry und Gauland auf der anderen listig auf die Seite Luckes und Henkels, indem sie kommentarlos den ehemaligen Kollegen als geistigen Bruder der Pegida-Bewegung outen.

Eine dritte Lesart: Konrad Adam ist trotz aller aktuellen AfD-Verstrickungen ein belesener Historiker, der sich mit besten Manieren auf bürgerlichem Parkett zu bewegen weiß – selbst in den südlichen Ländern, die uns in der Euro-Zone nach Meinung der AfD heutzutage auf der Tasche liegen. Also Parteinahme für Adam? Die Sache bleibt rätselhaft.

Docere – delectare – movere, Lehren - Erfreuen - Bewegen – das alles kann die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" in guten Tagen sehr wohl. Aber unkommentiert in Pegida-Zeiten einen Konrad Adam ins Blatt hieven – ein publizistischer Fehlstart ins neue Jahr!

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