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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.08.2014

Ärztehonorare"Das Geld wird versickern"

Der Gesundheitsökonom Stefan Greß über höhere Ärztehonorare

Moderation: Sonja Gerth und Oliver Thoma

Der Landarzt Wolfgang Dinslage behandelt am 31.01.2012 in seiner Praxis in Merzenich bei Düren einen Patienten. (dpa / Oliver Berg)
Arzt auf dem Land, Zeit für die Patienten, Vertrauen und Verständnis. (dpa / Oliver Berg)

Der Gesundheitsökonom Stefan Greß erwartet von höheren Ärztehonoraren keine bessere Versorgung der Patienten. Das Geld werde in den Honorartöpfen der Kassenärztlichen Vereinigung versickern.

Profitieren Patienten von höheren Ärztehonoraren? Das sei erst der Fall, wenn das "skurrile Honorarsystem" zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung überarbeitet werde, sagte der Gesundheitsökonom Stefan Greß im Deutschlandradio Kultur:

"Durch diese unterschiedlichen finanziellen Anreize wissen wir, dass es zu Ungleichbehandlungen, Unterversorgung für gesetzlich Versicherte, Überversorgung für privat Versicherte kommt. Und erst, wenn man da rangeht, hätten tatsächlich die Patienten etwas davon."

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) argumentiere bei ihren Forderungen nach einer Honorarerhöhung immer mit einer besseren Versorgung der Patienten, äußerte Greß. Das beurteilt er jedoch skeptisch:

"Ich glaube, egal, wie letztendlich die Einigung aussehen wird. Irgendwo in der Mitte wird man sich einigen müssen. Die Patienten werden nichts davon haben. Das wird in den Honorarttöpfen der Kassenärztlichen Vereinigung versickern, das Geld."

Heute hat die zweite Runde der Honorarverhandlungen für 2015 zwischen der KBV und dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stattgefunden. Zum Auftakt der Verhandlungen wurde eine Erhöhung der Arzthonorare von 15 Prozent verlangt. Inzwischen ist offenbar eine Einigung erzielt worden, deren genaue Höhe allerdings bis jetzt noch nicht bekannt gegeben worden ist.

Stefan Greß ist Leiter "Versorgungsforschung und Gesundheitsökonomie" im Fachbereich Pflege und Gesundheit der Hochschule Fulda.

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