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Lesart | Beitrag vom 08.02.2016

Adolf Hitlers "Mein Kampf""Eine Gebrauchsanweisung für erfolgreiche Ideologie"

Albrecht Koschorke im Gespräch mit Jörg Magenau

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Das geöffnete Buch von Adolf Hitlers Propagandaschrift "Mein Kampf" steht in einem Bücherregal. (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)
Das Urheberrecht ist abgelaufen, ab diesem Jahr darf das Buch wieder gedruckt werden. (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Zu Adolf Hitlers "Mein Kampf" dürfte inzwischen alles gesagt sein. Oder jedenfalls fast alles. Der Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke beschäftigt sich mit einem bislang eher vernachlässigten Aspekt der antisemitischen Kampfschrift: ihrer Poetik.

Einen ungewöhnlichen Zugang zu Adolf Hitlers "Mein Kampf" hat der  Literaturwissenschaftler Albrecht Koschorke gewählt: Er beschäftigt sich mit der Poetik dieses Propagandawerks und findet dort einige literarisch und strategisch bemerkenswerte Topoi.

Es sei interessanter, "wenn man jetzt nicht von vornherein weiß, warum das ein schlechtes Buch ist, sondern sich fragt: Warum ist das ein Buch mit solcher Wirkung?", begründet Koschorke seine Herangehensweise.

"Mein Kampf" als Bildungsroman

Außerdem hätten Diktaturen allgemein ein sehr stark ästhetisches Element in dem Sinne, "dass sie in ihren Selbstinszenierungen sehr stark auf Kunstmittel abheben". Das mache es sogar erforderlich, diese Mittel aus literaturwissenschaftlicher Sicht zu betrachten.

So erzähle Hitler in den ersten Kapiteln seine "frisierte Lebensgeschichte" anhand von zwei literarischen Genres:

"Das eine ist der Bildungsroman – wie ich zu dem wurde oder genauer: wie ich mich zu dem gemacht habe, was ich bin. Da knüpft er an eine große literarische Tradition an, die ihm vermutlich nicht besonders bekannt gewesen sein wird, aber die doch in irgendwelchen sozusagen subkulturellen Elementen bis zu ihm gedrungen ist."

Der andere Topos sei der romantische Topos des "unverstandenen Künstlers".

"Ein sehr strategisches Buch"

Die Wirkung "Mein Kampfs" liege jedoch vor allem im erfolgreichen strategischen Kalkül. Hitler hole seine Leser dort ab, wo er sie vermute. "Die ersten Kapitel sind auch politisch gesehen eher sozialdemokratisch gefärbt. Es geht um Elend, das er beobachtet und dem er auch eben selber angehört", sagt Koschorke. "In gewisser Weise ist 'Mein Kampf' in dieser Hinsicht eine Gebrauchsanweisung für erfolgreiche Ideologie."

Albrecht Koschorke: "Adolf Hitlers 'Mein Kampf'. Zur Poetik des Nationalsozialismus"
Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2016
93 Seiten , 10 Euro
Auch als Ebook erhältlich

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