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Thema / Archiv | Beitrag vom 04.06.2013

Abgerutscht in die braune Szene

Rechtsextremismus-Experte fordert besser fundierte Aussteigerprogramme

Junge Frauen an der Spitze eines Neonazi-Demonstrationszuges in der Hamburger City (picture alliance / dpa - Carsten Rehder)
Junge Frauen an der Spitze eines Neonazi-Demonstrationszuges in der Hamburger City (picture alliance / dpa - Carsten Rehder)

Wenn Jugendliche in rechtsextreme Kreise geraten, dann seien sie in den seltensten Fällen ideologisch angezogen, sagt der Rechtsextremismus-Experte Reinhard Koch. Hauptmotive seien die Suche nach Anerkennung und Zugehörigkeit.

Der Rechtsextremismus-Experte und Leiter des Zentrums für demokratische Bildung in Wolfsburg, Reinhard Koch, hat sich für inhaltlich besser fundierte Aussteigerprogramme für Neonazis ausgesprochen.

Es genüge nicht, den Ausstieg aus der Neonazi-Szene als "Selbstdefinition" zu verkünden, sagte Koch. Vielmehr müssten bestimmte Einstiegsgründe aufgearbeitet werden: "Warum bin ich in diese Szene eingestiegen? Was hat mich damals gezogen? Was war für mich attraktiv? Was hat für mich auch subjektiv Sinn gemacht, dort in dieser Szene dabei zu sein?" Erst aus dem Vergleich zwischen dem früheren und dem heutigen Leben in der Gesellschaft ließen sich bestimmte Widersprüche aufklären, äußerte Koch vor dem Hintergrund des NSU-Prozesses in München.

Koch verwies darauf, dass der Einstieg in die Neonazi-Szene in den wenigsten Fällen durch die Anziehungskraft ideologischer Komponenten erfolge: "Nein, man sucht Anerkennung, Zugehörigkeit, man will dabei sein, man will wahrgenommen werden. (…) Das sind erst einmal keine rechtsextremen Werte, die dort gesucht werden, sondern es ist, wenn man so will, ein Hereinfallen auf ein Angebot, was ich vielleicht aus anderen Quellen nicht bekomme. "

Erst durch Klarheit über die eigenen Motivationen durch entsprechende Aussteigerprogramme könnten die Betroffenen erkennen, dass man diese Dinge auch in anderen gesellschaftlichen Strukturen erhalten könne, betonte Koch: "Ich brauche sie mir nicht aus der rechtsextremen Szene zu holen. Denn dort ist meine Karriere vorprogrammiert. Ich bin Mitläufer, ich bin sehr schnell Mitwisser. Und dann ganz, ganz schnell Mittäter. Das ist eine Dynamik , die hat die rechtsextreme Szene in sich, und die zieht junge Leute noch tiefer hinein, weil sie natürlich sofort erpressbar sind durch einen Gruppendruck. (…) So dass der Ausstieg aus unserer Sicht viel schwerer ist als der Einstieg."

Das vollständige Interview mit Reinhard Koch können Sie bis mindestens zum 5. November 2013 in unserem Audio-on-demand-Angebot nachhören.

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