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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 17.03.2016

Abbas Khider: "Ohrfeige"Menschen wie wir

Moderation: Susanne Führer

Der Autor Abbas Khider zu Besuch im Funkhaus vom Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio-Maurice Wojach)
Der Autor Abbas Khider zu Besuch im Funkhaus vom Deutschlandradio Kultur (Deutschlandradio-Maurice Wojach)

Vier Romane hat der Iraker Abbas Khider inzwischen auf Deutsch geschrieben - dabei hat er erst mit 27 Jahren begonnen, die Sprache zu lernen. In seinem neuen Buch geht es um einen Flüchtling, der sich gegen die deutsche Bürokratie auflehnt.

Abbas Khider, 1973 in Bagdad geboren, verließ den Irak des Saddam Hussein nach Gefängnis und Folter. Seine Flucht dauerte vier Jahre, 1996 kam er nach Deutschland. Khider studierte Literatur und Philosophie - und ist inzwischen ein preisgekrönter Autor von Romanen, die er auf Deutsch schreibt.

Sein neues Werk heißt "Ohrfeige". Inhalt: Der irakische Flüchtling Karim zwingt seine Sachbearbeiterin in der Ausländerbehörde, ihm zuzuhören. Er will eine Geschichte erzählen, für die es im bürokratischen System keinen Platz gibt.

Flüchtlinge werden zum Heldentum gezwungen

Karim ist kein Engel, kein unschuldiges Opferlamm, er kifft, er schlägt sich so durch, er ist nicht aus politischen Gründen geflohen. "Ich wollte einfach, dass man diesen Menschen als normalen Menschen wahrnimmt", sagte Khider im Deutschlandradio Kultur.

Manchmal heiße es, die Flüchtlinge seien Helden. Das seien sie aber nicht. Sie würden vielmehr gezwungen, Helden zu werden – dabei seien sie einfach nur "Menschen wie wir".

Das Thema Flüchtlinge sei immer noch nicht in der Literatur angekommen, sagt der Schriftsteller, der in unserer Sendung "Im Gespräch" auch über seine Kindheit und Jugend und über die Folter durch Schergen des Regimes von Saddam Hussein sprach.

Schreiben und Lesen im Irak waren gefährlich

Schreiben und Lesen im Irak waren gefährlich - das sei "bei ihm geblieben" bis heute, erzählte Khider. Er verteilte Flugblätter gegen den Diktator. Er sei damals aber nicht mutig gewesen, sondern naiv. Er habe nicht damit gerechnet, im Gefängnis zu landen.

"Man trägt das Gefängnis in sich, wenn man entlassen wird", sagte er. Manche Menschen würden wegen solchen Erfahrungen verrückt. Er selbst habe es im Laufe der Jahre geschafft, "zurückzuschlagen", auch literarisch. Das gebe ihm eine Art innere Ruhe. 

Abbas Khider: Ohrfeige
Hanser Verlag, München 2016
219 Seiten, 19,90 Euro

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