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Filme der Woche / Archiv | Beitrag vom 07.04.2010

"A Single Man"

Hans-Ulrich Pönack hat einen brillanten Colin Firth als gebrochenen Menschen gesehen

Ein britischer Literaturprofessor, der seinen Lebenspartner verloren hat, steht im Mittelpunkt von "A Single Man". Modezar Tom Ford nutzte eine Romanvorlage für seinen ersten Film, der in den frühen 60er-Jahren spielt.

USA 2009, Regie: Tom Ford, Hauptdarsteller: Colin Firth, Julianne Moore, Matthew Goode, Nicholas Hunt, 101 Minuten, ab 12 Jahren

Regisseur Tom Ford ist ein Superstar unter den Modezaren. Populär wurde der am 27. August 1961 in Austin/Texas geborene Designer durch Kampagnen für bekannte Modehäuser (Gucci, Yves Saint Lauren) und der Entwicklung eines eigenen Labels, was erfolgreich funktionierte, wenn sogar Daniel Craig in seinem letzten Bond-Film "Ein Quantum Trost" die Garderobe und die Sonnenbrillen von "Tom Ford" trug, der sich nun höchstpersönlich dem Kino zugewandt hat.

Für seinen ersten Spielfilm adaptierte er den 1964 veröffentlichten Roman "Der Einzelgänger" des britisch-amerikanischen Schriftstellers Christopher Isherwood (1904-1986). (Dessen Romane "Mr. Norris steigt um", 1935, "Leb wohl, Berlin", 1939, Motiv bildend für den Hollywood-Musical-Klassiker "Cabaret" waren.) Darin geht es um eine große, einzigartige Liebe Anfang der 60er-Jahre.

Dabei im Mittelpunkt: Der in Los Angeles beheimatete britische Literaturprofessor George Falconer (Colin Firth). Der hat seinen Lebensgefährten und Partner Jim verloren. Jim ist bei einem Autounfall verunglückt, und seitdem ist für den sensiblen Geistesmann das Leben im Grunde nicht mehr lebenswert. George lebt isoliert wie in einem dauerhaften Tagtraum - gleichgültig, unbeweglich, desinteressiert - in den Erinnerungen.

16 Jahre Zusammenlebenszeit haben ihn geprägt, ein Entrinnen, ein "Umsortieren", ein Neuorientieren erscheinen ihm ebenso sinnlos wie unmöglich. Zu stark war diese Bindung emotional wie seelisch. Da hatten sich zwei definitiv füreinander Bestimmte gefunden. Das ist jetzt vorbei. Sorgfältig bereitet George deshalb seinen Abschied vor. Er will sich umbringen. Der letzte Tag, die letzten Stunden im Leben des George Falcomer. Alles klar und dann doch nicht ...

Natürlich fällt zunächst vor allem "das Äußerliche" auf. In Styling, Garderobe, Kostümen ist "A Single Man" stilvoll, farbenprächtig, genussvoll licht-arrangiert. Intensiv atmosphärisch. Brillant aussehend. Die lukullischen Augen-Sechziger. Dies ist brillant angerichtet und doch ein bisschen zu kunstvoll vorgeführt. Bestechende Leer-Motive, die auch noch aus dem Off erklärend begleitet werden.

Fast ist man schon geneigt, den Film als eine geschmackvolle Hülse von "Dauer-Anzeige" zu begreifen, als Colin Firth (49, "Bridget Jones"-Filme; "Mamma Mia!"-Liebhaber), der wie ein Ewan McGregor (39, von "Trainspotting" bis "Illuminati") ausgestattet wurde, die Szenerie betritt und einnehmend füllt. Mit minimalistischem Ausdruck. Geradezu überwältigend in Gesten, Bewegungen, Blicken. Ebenso elegant wie gebrochen, ebenso melancholisch wie kultiviert. Die tiefe Einsamkeit spürbar werden lassend. Dabei den Oberflächenreiz vergessen machend. Eine exzellente Verkörperung eines gebrochenen, hilflosen, leidenden klugen Menschen, die zu Recht beim vorjährigen Venedig-Festival mit dem Schauspielerpreis gewürdigt sowie danach mit einer "Oscar"-Nominierung bedacht wurde.

Eine Art "Brokeback Mountain"-Gefühlsstimmung macht sich breit; Erinnerungen an das dreifach "Oscar"-prämierte Meisterwerk von Ang Lee aus dem Jahr 2005 werden wach: Hier wie einst - eine "definitive" erwachsene (gleichgeschlechtliche) Liebe, eine starke Bindung, ihre "einsamen Folgen". Berührend, dicht, packend. Neben dem hervorragenden Colin Firth brilliert die immer besser und aufregender werdende Julianne Moore ("Dem Himmel so fern") als verzweifelte Freundin und langjährige Vertraute. "A Single Man", ein hochemotionales, universelles Menschendrama um Glück und Verlust.


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