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Studio 9 | Beitrag vom 18.02.2016

85. Geburtstag von Toni MorrisonWichtige Stimme des schwarzen Amerika

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Toni Morrison (dpa / picture alliance / Ian Langsdon)
Die Literatur-Nobelpreisträgerin Toni Morrison im Jahr 2010 (dpa / picture alliance / Ian Langsdon)

Ihre Geschichten handeln von Rassismus und Sklaverei und geben eindrucksvoll wieder, wie sich das Leben für Schwarze in den USA anfühlt. 1993 erhielt Toni Morrison den Literaturnobelpreis. Heute wird sie 85 und schreibt immer noch.

Toni Morrison ist eine beeindruckende Erscheinung. Sie trägt lange graue Rastalocken, dazu gerne Leopardenprint und große Ohrringe. Und sie schaut ihrem Land genau auf die Finger und was sie sieht, gefällt ihr nicht:

"Warum habt ihr Angst vor jemandem, der von Euch wegläuft, warum habt ihr Angst vor jemandem, der in einem Geschäft steht mit einem Handy und einer Spielzeugpistole, die  man dort kaufen kann?"

Sagt sie zu den jungen Schwarzen, die von weißen Polizisten erschossen wurden.

"Ich möchte einen weißen Polizisten sehen, der einen weißen Jugendlichen von hinten erschießt, dann werde ich sagen, es ist vorbei", antwortet sie auf die Frage, ob es noch Rassismus in den USA gibt.

Tagsüber arbeitete sie, nachts schrieb sie

Die 85-Jährige ist eine der wichtigsten Stimmen des schwarzen Amerikas und doch war sie keine prägende Figur der Bürgerrechtsbewegung der 60er-Jahre um Martin Luther King Jr. Zu dieser Zeit arbeitete sie tagsüber in einem Verlag, versorgte als alleinerziehende Mutter ihre beiden Söhne und nachts schrieb sie, wie Präsident Obama bei einer Preisverleihung erzählte:

"Sie schrieb oft mit ihren beiden Jungs auf dem Schoss, die an ihren Haaren zogen oder mit ihren Ohrringen spielten. Wenn ein Baby auf den Block spuckte, schrieb sie drum herum."

"Menschenkind" entstand, die Geschichte der Sklavin Sethe, die eines ihrer Kinder umbrachte, um es vor der Sklaverei zu schützen, Das Buch basierte auf dem Leben von Margaret Garner, die ihre zweijährige Tochter tötete. Das Buch wurde mit Ophra Winfrey verfilmt, Morrison schrieb zu der gleichnamigen Oper auch den Text.

Frauen als Helden

1993 bekam sie dann den Nobelpreis für Literatur. In der Begründung hieß es: "Sie erweckt einen wichtigen Teil der amerikanischen Realität zum Leben." Ihre Dialoge, die genaue Beschreibung ihre Darsteller haben Toni Morrison zu einer der berühmtesten Autorinnen Amerikas gemacht. Meist sind Frauen ihre Heldinnen, schwarze Frauen, wie in ihrem jüngsten Buch: "God help the child". Darin heißt es:

"Ich hasse es zu sagen, aber von Beginn an war mir das Kind peinlich. Ich dachte, ich werde verrückt, als es schwarz wurde. Ich habe kurz eine Decke auf sie gelegt und zugedrückt, aber ich konnte es nicht tun."

Es ist die Geschichte von Lula Ann, einer schwarzen Schönheit, die als Kind von ihrer Mutter wegen ihre schwarzen Hautfarbe gehasst wurde.

Ein Sohn von Toni Morrison starb in jungen Jahren an Krebs. Mit über 80 Jahren sagt sie:

"Schreiben schützt mich, aber wenn ich nicht etwas erfinden kann, denke ich über mein Leben nach und frage mich, warum hast Du das getan? Warum hast du das nicht verstanden, nicht nur bei Kindern, auch bei Freunden."

Sie selbst ist mit fünf Geschwistern aufgewachsen, das Laufen fällt inzwischen ein bisschen schwer, aber ihre Schaffenskraft ist ungebrochen. Sie arbeitete an einer neuen Produktion von "Othello", schreibt– und ist bislang unerreicht. Nach ihr ging kein Literaturnobelpreis mehr in die USA. 

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