Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 05:07 Uhr Studio 9
 
 

Interview | Beitrag vom 23.03.2016

60 Jahre Islamische Republik Pakistan"Die meisten Pakistanis sind moderat"

Christian Wagner im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

Beitrag hören
Proteste in Pakistan gegen die Hinrichtung eines verurteilten Mörder. (BANARAS KHAN / AFP)
Proteste in Pakistan gegen die Hinrichtung eines verurteilten Mörders. (BANARAS KHAN / AFP)

Vor genau 60 Jahren rief Pakistan als erstes Land der Welt eine islamische Republik aus. Bis heute gebe es einen permanenten Spannungszustand zwischen moderaten und fundamentalistischen Kräften, sagt der Pakistan-Experte Christian Wagner. Doch die große Mehrheit der Bevölkerung sei moderat.

Die Gründung der Islamischen Republik 1956 sei zunächst ein Symbol der Abgrenzung zu Indien gewesen, das sich damals als säkular verstand, so Christian Wagner, Pakistan-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, im Deutschlandradio Kultur:

"Wie man dieses Symbol aber füllen sollte, das ist natürlich ein bis heute andauernder Prozess, der eben auch von viele Rückschlägen bis heute begleitet war", sagte Wagner im Deutschlandradio Kultur.

Militärherrschaft 1977-88 brachte Schub für Islamisierung

Pakistan war ebenso wie Indien 1947 als unabhängiger Staat aus der britischen Kolonialherrschaft entstanden, ehe es neun Jahre später die Islamische Republik gründete. Neben dem Prozess der Verfassungsgebung sei die Frage nach der Rolle der Religion ein zweite schwierige Herausforderung gewesen, sagte Wagner.

"Das war natürlich ein permanenter Streitpunkt in Pakistan, weil es eben eine große religiöse Vielfalt im Islam gibt."

Die Frage der Religion und die Islamisierung habe in der Militärherrschaft zwischen 1977 und 1988 einen maßgeblichen Schub erhalten. Einige sehr umstrittene religiöse Gesetze, wie die Blasphemie-Gesetzgebung, hätten dort ihren Ursprung. Im Parlament gebe es einen

"permanenten Spannungszustand zwischen den moderaten und liberalen Kräften auf der einen Seite und den fundamentalistisch orthodoxen Kräften auf der anderen".

Dass es von orthodoxer Seite massiven Widerstand gegen Reformen gebe, habe auch die Ermordung von Salman Taseer gezeigt "weil dieser nur gewagt hatte, über eine Reform der Blasphemie-Gesetzgebung nachzudenken".

Afghanistan als abschreckendes Beispiel für die Bevölkerung

Doch die pakistanische Bevölkerung sei insgesamt deutlich gemäßigter als angenommen. "Die Mehrheit der Pakistanis hat eine moderate Einstellung", so SWP-Experte Wagner. Das zeige sich bei Wahlen, wo religiöse Parteien nie mehr als drei bis sechs Prozent der Stimmen erreichten.

"Die große Mehrheit der Pakistanis wollen gute Muslime sein, vielleicht auch bessere Muslime. Aber man scheut natürlich sehr davor zurück, einer allzu orthodoxen, extremistischen Auslegung des Islams zu folgen."

Als abschreckendes Beispiel diene mittlerweile die Bedrohung Afghanistans durch die Taliban. Der Politikwissenschaftler Christian Wagner, er gehört zur Forschungsgruppe Asien bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin (Deutschlandradio / M. Hucht)Der Politikwissenschaftler Christian Wagner, er gehört zur Forschungsgruppe Asien bei der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin (Deutschlandradio / M. Hucht)

Mehr zum Thema

Muslime und Bildung - Ebrahim Moosa über traditionelle Islamschulen
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 10.03.2016)

Tadschikistan und der Islamismus - Angst vor Radikalisierung
(Deutschlandfunk, Hintergrund, 22.01.2016)

Nach Anschlag in Pakistan - Der Kulturkampf geht weiter
(Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 22.01.2016)

24. Dezember - Wenn Mohammed und Jesus zusammen Geburtstag haben
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 23.12.2015)

Kulturkampf in Bangladesch - Internet-Blogger gegen Islamisten
(Deutschlandradio Kultur, Weltzeit, 01.12.2015)

Interview

Pläne für Kampfdrohnen in der KritikAbsolute Geheimhaltung
US-Militär testet die Kampfdrohne X47B. (picture alliance / dpa / US Air Force / AFFTC AERIAL PHOTOG)

Das Bundesverteidigungsministerium plant die Anschaffung von Hebron-Kampfdrohnen. Sie sollen in Israel stationiert werden und auch mit israelischen Raketen bestückt werden. Linken-Politiker Andrej Hunko kritisiert das Verfahren als undurchsichtig - und am Bürger vorbei.Mehr

Natascha Kampusch"Ich war von kalter Wut gepackt"
Natascha Kampusch bei einem Interview in Wien am 3. August 2016 (picture alliance/dpa/Peter Trykar)

Vor zehn Jahren gelang Natascha Kampusch die Flucht aus dem Haus, in dem sie acht Jahre gefangen war. In dem Buch "10 Jahre Freiheit" schildert sie ihre Erfahrungen. Kampusch sagt, es sei sehr schwer, die Feindseligkeit zu ertragen, die ihr von vielen Seiten entgegenschlage.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur