Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 09:05 Uhr Im Gespräch
 
 

Kulturnachrichten

Freitag, 2. Dezember 2016

500 Jahre altes Ablassplakat in Goslar gefunden

Entdecker spricht von einem "absoluten Glücksfall"

In der Marktkirchen-Bibliothek in Goslar ist ein nach Forscherangaben weltweit einmaliges, 500 Jahre altes Dokument entdeckt worden. Dabei handele es sich um ein Plakat, das im Jahr 1516 für eine Ablasskampagne des Erzbischofs Albrecht von Magdeburg, Halberstadt und Mainz geworben habe, sagte Helmut Liersch bei der Präsentation in Goslar. Liersch ist Beauftragter der Marktkirchen-Bibliothek und hat das Dokument gemeinsam mit dem Reutlinger Reformationsforscher Ulrich Bubenheimer in einem alten Buchdeckel gefunden. Nachdem Martin Luther 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel in Wittenberg veröffentlicht habe, seien die Plakate nicht mehr gefragt gewesen. Sie seien als Altpapier unter anderem für Buchdeckel genutzt worden, sagte Liersch. "Es ist ein absoluter Glücksfall, dieses Verbrauchsmaterial zu finden."

Schauspielerin und Sängerin Gisela May gestorben

Brecht-Schauspielerin wurde 92 Jahre alt

Die Schauspielerin und Sängerin Gisela May ist tot. Das teilte das Berliner Ensemble (BE) mit. "Für mich war Gisela May nach Helene Weigel die Königin des Brecht-Theaters", sagte BE-Intendant Claus Peymann der Deutschen Presse-Agentur. "Mit ihr stirbt eine der großen Künstlerinnen der untergegangenen DDR". Die wandlungsfähige May war am Theater die "Mutter Courage" und spielte in der TV-Erfolgsserie "Adelheid und ihre Mörder" die Rolle der "Muddi". Als ausdrucksstarke Interpretin von Brecht-Weill-Chansons wurde sie berühmt. Soloabende bescherten Gisela May über Jahrzehnte Triumphe - von der New Yorker Carnegie Hall bis zur Mailänder Scala. Die Lust an Sprache und Musik wurde der 1924 in Wetzlar geborenen Künstlerin schon in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Käte war Schauspielerin, Vater Ferdinand May Schriftsteller. Von 1942 bis 1944 besuchte sie die Schauspielschule in Leipzig. Danach hatte sie Engagements an verschiedenen Theatern. 1951 kam May ans Deutsche Theater Berlin. 1962 wechselte sie zum Berliner Ensemble, dem sie 30 Jahre angehörte. Gisela May starb im Alter von 92 Jahren.

Tor der KZ-Gedenkstätte Dachau wiederentdeckt

Gestohlene Eingangstür mit Schriftzug "Arbeit macht frei" befindet sich in Norwegen

Das vor gut zwei Jahren von der KZ-Gedenkstätte Dachau gestohlene historische Eingangstor ist in Norwegen entdeckt worden. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord teilte mit, dass die Polizei im norwegischen Bergen nach einem anonymen Hinweis das Tor mit der zynischen Aufschrift "Arbeit macht frei" sichergestellt hat. Das rund hundert Kilo schwere Tor war in der Nacht zum 2. November 2014 von unbekannten Tätern aus der Verankerung gehoben und abtransportiert worden. Bisher können Experten der Polizei nur anhand von Fotos die Echtheit des Tors bewerten. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit" handele es sich um das in Dachau entwendete Eisentor, sagte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Nähere Umstände der Auffindung würden derzeit länderübergreifend geklärt. Bei der Tür handelt es sich um die Originaltür des ersten von den Nationalsozialisten errichteten Konzentrationslagers. Der Schriftzug hingegen ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1965.

Musikrat fordert Rücknahme der Kürzungen in Dresden

Philharmonie-Chefdirigent Sanderling wird seinen Vertrag nicht verlängern

Nach der Deutschen Orchestervereinigung hat auch der Deutsche Musikrat die Streichung der zugesagten Förderung für die Dresdner Philharmonie kritisiert. Generalsekretär Christian Höppner forderte den Stadtrat auf, die Entscheidung zu revidieren und dem Orchester auch mit Blick auf den neuen Konzertsaal eine langfristige Bestandsgarantie zu geben. Die kulturpolitische Fehlentscheidung infolge parteipolitischer Machtkämpfe zeige "eine erschreckende Verantwortungslosigkeit". Diese "Anti-Kulturpolitik" spiele gerade in Dresden mit seinen unendlichen kulturellen Schätzen und Potenzialen den Rechtspopulisten in die Hände. "Kulturpolitik ist Gesellschaftspolitik", mahnte Höppner. Der Stadtrat hatte zugesagte Fördermittel von 250 000 Euro für die Philharmonie sowie 300 000 Euro für die Musikfestspiele für den Haushalt 2017/2018 wieder gestrichen. Chefdirigent Michael Sanderling protestierte und sagte für eine Vertragsverlängerung ab 2019 ab.

Präsidentin der Salzburger Festspiele bleibt bis 2020

Kuratorium entscheidet sich für Helga Rabl-Stadler

An der Spitze der Salzburger Festspiele wird auch im Jubiläumsjahr 2020 die bisherige Präsidentin Helga Rabl-Stadler stehen. Das Kuratorium entschied sich nach eigenen Angaben einstimmig für eine Verlängerung des Vertrags der amtierenden Präsidentin. Die 68-Jährige ist seit 1995 im Amt. Erst eine Zusage von Markus Hinterhäuser, als Intendant in Salzburg anzufangen, hatte sie überzeugt weiterzumachen. 2020 feiern die Festspiele ihr 100-Jahr-Jubiläum. Dabei soll der völkerverbindende Charakter der Festspiele im Sinne der Gründungsväter im Mittelpunkt stehen.

Konferenz zum Schutz von Welterbestätten in Abu Dhabi

Unesco sieht Gefahr für 55 Welterbestätten

Angesichts der zunehmenden Zerstörung von Kulturgütern in Konflikten wie in Syrien und im Irak sind Vertreter aus etwa 40 Ländern in Abu Dhabi zu einer internationalen Konferenz zum Schutz der Welterbestätten zusammengekommen. "Niemals in der jüngsten Geschichte wurde das Erbe der Menschheit dermaßen zerstört wie derzeit im Irak und in Syrien", sagte die Chefin der UN-Kulturorganisation Unesco, Irina Bokowa, heute zum Auftakt der Konferenz. Die mutwillige Zerstörung von Welterbestätten etwa durch Islamisten prangerte sie als "Kriegsverbrechen" und "kulturelle Säuberung" an. Die internationale Gemeinschaft müsse zusammenarbeiten, um die Zerstörungen zu stoppen. Der Chef der Kulturbehörde von Abu Dhabi, Mohammed Chalifa al-Mubarak, sagte, die Konferenzteilnehmer arbeiteten gemeinsam an einer "weltweiten Initiative" zum Schutz des kulturellen Erbes. Ziel sei es, einen Hilfsfonds von hundert Millionen Dollar einzurichten sowie ein internationales Schutz-Netzwerk, um bedrohten Kulturgütern einen sicheren Platz zu bieten. Gefährdet sind laut Unesco derzeit 55 der weltweit 1052 Welterbestätten, u.a. die malische Oasenstadt Timbuktu. In den vergangenen Jahren hatten Islamisten außer in Mali und im Irak auch in Afghanistan und in Syrien jahrhundertealte Monumente zerstört.

Bayerischer Buchpreis für Autoren Wulf und Steinfest

Jury ehrt auch Lebenswerk der Holocaust-Überlebenden Ruth Klüger

Mit dem Bayrischen Buchpreis sind die Autoren Andrea Wulf und Heinrich Steinfest ausgezeichnet worden. Andrea Wulf wurde in der Kategorie Sachbuch für "Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur" geehrt. Die Jury urteilte, dass sie eine "mitreißende Biografie über einen der originellsten Naturforscher und Meisterdenker der Menschheitsgeschichte" geschrieben habe. In der Kategorie Belletristik gewann Heinrich Steinfests Buch "Das Leben und Sterben der Flugzeuge". Steinfest sei "in seiner Surrealität einer der realistischen Autoren der Gegenwart", so das Urteil der Jury. Er halte in seinen unberechenbaren Romanen der Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts seinen geistreichen Spiegel vor. Den Ehren-Buchpreis für ihr Lebenswerk erhielt Autorin und Holocaust-Überlebende Ruth Klüger. Die 85-Jährige erhebe ihre Stimme, wenn andere schwiegen, sagte Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Aigner bei einer Feierstunde in München. Die in Wien geborene Tochter jüdischer Eltern überlebte zusammen mit ihrer Mutter das KZ Theresienstadt. Der Bayrische Buchpreis ist in jeder Kategorie mit 10.000 Euro dotiert.

Unesco erklärt 17 Traditionen zum Kulturerbe

Liste umfasst nun insgesamt 366 Kulturformen

Yoga, Falknerei, Karneval in Venezuela - diese Traditionen zählen künftig zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Der zwischenstaatliche Ausschuss der Unesco nahm auf seiner Tagung in Addis Abeba insgesamt 17 Kulturformen aus aller Welt neu in die Liste auf, wie die deutsche Unesco-Kommission in Bonn mitteilte. Damit umfasst die Liste, die die Vielfalt weltweiter Alltagskulturen und -traditionen abbilden soll, nun 366 Kulturformen. Am Mittwoch war die deutsche Genossenschaftsidee in die Liste aufgenommen worden. Auch religiöse Bräuche, wie das irakische Fest und Gelübde zu Ehren des Heiligen Khidr sowie die Passionsspiele im slowenischen Skofja Loka, gehören nun zum Weltkulturerbe.

"Toni Erdmann" zum besten Auslandsfilm gekürt

New Yorker Filmkritiker-Award geht an deutschen Kassenschlager

Der deutsche Oscar-Kandidat "Toni Erdmann" von Regisseurin Maren Ade ist von den Filmkritikern in New York, dem "New York Film Critics Circle", zum besten Auslands-Film des Jahres gewählt worden. Weitere Auszeichnungen von den US-Kritikern gab es für die Musical-Romanze "La La Land" in der Sparte "Bester Film". Als Schauspieler setzten sich der Amerikaner Casey Affleck ("Manchester by the Sea") und die Französin Isabelle Huppert ("Elle") durch. Der Regie-Preis geht an Barry Jenkins für das Indie-Drama "Moonlight".

Römischer Weihebezirk bei Bauarbeiten entdeckt

Fund in Aachener Altstadt aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus

Bei Kanalbauarbeiten in der Aachener Altstadt sind die Relikte eines römischen Weihebezirks aus der Antike entdeckt worden. Reste von mindestens neun Steinaltären, die teilweise noch am Ort ihrer Aufstellung aufgefunden wurden und wohl aus dem 2. und 3. Jahrhundert nach Christus stammten, konnten bislang nachgewiesen werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Gestiftet wurden die Steine von sogenannten Beneficiariern, Legionssoldaten aus dem Stab des Niedergermanischen Statthalters. Die Fundstücke fanden sich in einer Tiefe von rund 3,50 Metern. Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp, Stadtarchäologe Andreas Schaub und weitere Experten präsentierten die Relikte am Donnerstag. Bislang waren im gesamten früheren Bereich des Römischen Reiches erst drei solcher Weihebezirke gesichert lokalisiert worden.

Künstlerin Trisha Donnelly erhält Wolfgang-Hahn-Preis

Für ihren radikalen Umgang mit Fragen der Ästhetik und Rezeption

Die US-amerikanische Künstlerin Trisha Donnelly erhält den mit bis zu 100 000 Euro dotierten Wolfgang-Hahn-Preis 2017. Damit würdige die Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig den radikalen Umgang der 1974 geborenen Künstlerin mit Fragen der Ästhetik und Rezeption, teilte das Museum in Köln mit. "Mit Skulptur, Zeichnung, Performance, Film und Foto schafft sie Arbeiten, die uns als Betrachter in ganz andere Wahrnehmungssphären einführen", sagte die Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft, Mayen Beckmann. Der seit 23 Jahren jährlich vergebene Preis wird in Form von Werkankäufen ausgezahlt, die das Museum Ludwig dann in einer Ausstellung zeigt.

Tim Isfort neuer künstlerischer Leiter in Moers

Isfort erhält einen Drei-Jahresvertrag

Das Jazz-Festival Moers hat einen neuen künstlerischen Leiter: Der 49-jährige Musiker und Produzent Tim Isfort verantwortet künftig das bundesweit bekannte Pfingstfestival für improvisierte Musik. Der im niederrheinischen Moers aufgewachsene Isfort war erst am vergangenen Montag von der Kultur GmbH bestätigt worden und hat einen Drei-Jahresvertrag. Heute trat der Nachfolger von Reiner Michalke sein neues Amt an. Michalke hatte das Festival elf Jahre geleitet und nach Querelen um die Finanzen vorzeitig gekündigt. Neuer Geschäftsführer der Kultur GmbH wird zum 1. Januar Claus Arndt, der hauptberuflich bei der Stadt Moers arbeitet. Das Moers Festival gilt als eines der wichtigsten Festivals für zeitgenössische improvisierte Musik. Auch er wolle die "aktuellsten Strömungen der modernen Musik" in Moers präsentieren, sagte Isfort. Außerdem woll er wieder einen Bezug zwischen dem Festival und den Stadtbewohnern herstellen.

Senegalesischer Bildhauer Ousmane Sow gestorben

Sow war der erste afrikanische Künstler in der Französischen Akademie der Schönen Künste

Der senegalesische Bildhauer Ousmane Sow ist tot. Der für seine monumentalen Plastiken afrikanischer Ethnien bekannte Künstler starb im Alter von 81 Jahren in Dakar, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Familie berichtete. Sows Gesamtwerk spiegelt sein Interesse für Afrika und seine Menschen wider. Zwischen 1984 und 1987 schuf er die "Nubas": muskulöse und überlebensgroße Nuba-Ringer, danach folgten die Figurengruppen "Die Massai", "Die Zulus" und schließlich "Die Massai". Sow nahm 1992 an der documenta IX in Kassel teil. Seine 1998 entstandene Serie "Die Schlacht am Little Bighorn" wurde weltweit ausgestellt. Sow war der erste afrikanische Künstler, der in die renommierte Französische Akademie der Schönen Künste aufgenommen wurde. Er hatte Ende der 50er-Jahre Dakar verlassen, um in Frankreich zu studieren.

Kulturnachrichten hören

Dezember 2016
MO DI MI DO FR SA SO
28 29 30 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31 1

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandradio Kultur