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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 10.02.2016

200. Geburtstag von Ernst LitfaßDie Plakatsäule hat die Werbebranche revolutioniert

Von Joachim Hildebrandt

Zwei Berliner Jungs stehen mit skeptischem Gesichtsausdruck und den Händen in den Taschen vor einer Lifaßsäule. Aufnahme aus den 50er-Jahren. (picture alliance / dpa / dpa)
Zwei Berliner Jungs stehen mit den Händen in den Taschen vor einer Lifaßsäule. Aufnahme aus den 50er-Jahren. (picture alliance / dpa / dpa)

Ernst Litfaß war Drucker, Schauspieler und Zeitungsherausgeber - weltbekannt wurde er jedoch als Erfinder der Litfaßsäule. Er hat damit bis heute erheblich zur Entwicklung und Verbreitung der Reklame beigetragen.

Marlies Ebert ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Berliner Stadtmuseum.

"Litfaß war meiner Meinung nach ein Multitalent. Er war sogar Theatergründer, Schauspieler, Sänger. Er hat als Tenor gesungen und war dabei recht anerkannt auf den kleineren Bühnen in Berlin."

Ernst Litfaß, der Mann, nach dem die runde Plakatsäule benannt wurde, soll sich am wilden Plakatieren in der aufblühenden Stadt Berlin gestört haben. Der Polizeipräsident freute sich in seinem Hass auf Demokraten über Litfaß' Idee, nur noch auf speziellen Säulen öffentliche Mitteilungen und Werbebotschaften plakatieren zu lassen. Er sah darin ein gutes Mittel der Zensur.

Die Idee für die Säule brachte Litfaß wohl aus Paris mit

"Litfaß brachte diese Idee vermutlich aus Paris mit. In Paris war er mit seinem Freund Ernst Renz, dem bekannten Zirkusdirektor. Litfaß war begeistert von der Weltstadt Paris. Und er war begeistert von der Riesenreklame. In Paris hatten sie schon etwas Ähnliches, aber nicht die Anschlagssäule, die dann Ernst Litfaß erfunden hat."

Schon wenige Monate nach seinem Aufenthalt in Paris 1853 stellte Litfaß den Antrag, seine Anschlagsäulen in Berlin aufstellen zu dürfen. 1854 bekam er die Genehmigung vom Polizeipräsidenten.

"Litfaß war ein Demokrat und hat in der 1848er Revolution auch Flugschriften gedruckt. Vielleicht hat er sogar einige Texte davon selbst verfasst. Das ist heute nicht mehr eindeutig nachzuweisen."

Nach der gescheiterten 1848er Revolution wurde Litfaß königstreu

Die Revolution scheiterte bekanntlich, und der Revolutionär trat bald für den König ein.

"Zum Krieg 1866, dem deutschen Krieg, hat Litfaß sich angeboten, die neuesten Kriegsnachrichten, die so genannten Depeschen, unentgeltlich zu drucken und auch unentgeltlich auf die Litfaßsäulen zu bringen. Auch im deutsch-französischen Krieg 1870/71 hatte er wiederum alleiniges Recht, die Kriegsdepeschen zu drucken. Hier sehen wir, wie weit seine Königs-, Kaisertreue dann später, gewesen ist."

Der preußische König, dann Kaiser, wusste die Treue zu schätzen.

"Litfaß hat sich das Vertrauen des Königshauses und des Polizeipräsidenten hier in Berlin im Prinzip ein bisschen auch so erkauft. Dazu kam, dass er unermüdlich war, an die Mitglieder des Königshauses Gedichte zu jeglichen Anlässen zu schreiben und zu senden. So ein bisschen anbiedernd von seiner Seite, und dann seine Geschäftstüchtigkeit."

Litfaß wurde in Berlin eine respektierte Persönlichkeit. Äußerst redegewandt, geübt durch seine Schauspielerei am Theater Lätitia am Rosenthaler Tor. Er gab große Wohltätigkeitsfeste für verwundete Soldaten oder Hinterbliebene, oft veranstaltet auf eigene Kosten.

"Er suchte ständig die Popularität im Volk, natürlich auch im Königshaus, aber vor allem im Volk. Er wollte anerkannt sein und diese Popularität – dafür tat er alles."

1874 starb der umtriebige Unternehmer im Alter von 58 Jahren. Nach seinem Tod geriet er in Vergessenheit. Was blieb, war die Säule.

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