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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 26.03.2014

20 Jahre DeutschlandradioAnalysen, Unterhaltung, Spannung

Collage zum Sender-Jubiläum

Zu sehen ist die Titelseite der Deutschlandradio-Jubiläumsbroschüre mit dem weißen Schriftzug 20 Jahre Deutschlandradio auf einem blau-orange-grünen Hintergrund.
Deutschlandradio - ein Sender, drei Programme

In den 20 Jahren von Deutschlandradio hat sich viel Gutes angesammelt - an Analyse, Unterhaltung und Spannung: Von den Terroranschlägen in den USA am 11. September 2001 bis hin zur Atomkatastrophe in Fukushima am 11. März 2011, von der "Langen Nacht" bis hin zu Hörspielen und Exklusiv-Interviews - und das immer mit einem besonderen Blick. Hier eine kleine Auswahl aus den 20 Jahren der drei Programme des Deutschlandradios. Viel Spaß beim Hören!

20 Jahre Deutschlandradio, mit den Programmen Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen. Bundesweit und werbefrei, anerkannt und ausgezeichnet.

"Was ich immer ganz gut finde, ist, dass es eine gute Mischung zwischen Analyse, Beschreibung und Verlockung ist - nicht nur auf rein kulturelle Themen, sondern auch politisch-gesellschaftlich aktuelle Themen, und das finde ich auch spannend an dem Sender."

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Und in den 20 Jahren seines Bestehens hat sich in der Tat vieles im Sender angesammelt - an Analyse, Verlockung und Spannung.

Terroranschläge in den USA am 11. September 2001 - und die Welt hielt den Atem an. Der ehemalige Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher in der aktuellen politischen Sendung unseres Berliner Programms:

"Gegen das, was in den USA geschehen ist, helfen keine Panzer und auch kein Raketenabwehrsystem, sondern hier sind wir politisch, polizeilich und dort, wo Staaten sich zu Handlangern des Terrorismus machen, unter Umständen auch militärisch herausgefordert."

Feuerwehrmänner kämpfen sich nach den Anschlägen vom 11. September durch die Ruinen des World Trade Centers (AP / Stan Honda)Feuerwehrmänner kämpfen sich nach den Anschlägen vom 11. September durch die Ruinen des World Trade Centers (AP / Stan Honda)

Der Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam Ostern 2006 beschäftigte wochenlang die Öffentlichkeit - dazu der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble: 

"Wir wissen, dass ein Mensch Opfer einer Gewalttat geworden ist, wir wissen nicht die Motive, wir kennen nicht die Täter - wir sollten ein wenig vorsichtig sein. Es werden auch blauäugige, blonde Menschen Opfer von Gewalttaten, zum Teil sogar von Tätern, die möglicherweise nicht die deutsche Staatsangehörigkeit haben. Das ist auch nicht besser."

Es waren die "blauäugigen, blonden Opfer von Gewalttaten", die hängenblieben - und überall für Empörung sorgten.

Und dann war da noch der 11. März 2011 - Atomkatastrophe in Fukushima. Alle schauten gebannt nach Japan, Informationen sickerten nur langsam durch. Die gelähmte Stille vor Ort fasste Reporter Johannes Hano zusammen:

"Dieses Beben heute hat alles bisher Dagewesene in den Schatten gestellt - und das ist die bange Frage, die sich alle hier stellen: Ist die Regierung auf einen solchen Zwischenfall, auf ein solches Erdbeben mit der Folge solcher atomarer Zwischenfälle wirklich vorbereitet? Im Moment, muss ich ganz ehrlich sagen, sieht es so aus, dass sie es nicht ist."

Schwer beschädigter Reaktor in Fukushima (AP)Ein schwer beschädigter Reaktor in Fukushima (AP)

"Hier wird gezeigt, was öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann"

"Dieser Sender ist für mich das stärkste Argument für die Verteidigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die ich für notwendig und richtig halte. Hier wird gezeigt, was öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann, nämlich Qualität in der Information und Berichterstattung, aber Qualität auch in der Unterhaltung zu bieten."

Worte wie die des SPD-Politikers Günter Verheugen hören wir Programmmacher gern. Und die des Schauspielers Daniel Minetti auch:

"Am liebsten höre ich sogar diese Langen Nächte - da hat man was zu tun, da hat man was für den Kopf und man pennt nicht ein im Auto. Ich weiß nicht, was ihr besser machen könnt. Bleibt so wie ihr seid, ihr seid wunderbar. Danke."

Gerhard Schröder: "Ich bin nicht Gary Cooper"

31. Juli 1995 in der aktuellen politischen Sendung unseres Kölner Programms. Moderator Dirk Müller hat Gerhard Schröder am Telefon - damals noch niedersächsischer Ministerpräsident. Erst drei Jahre später sollte er Kanzler werden.

"Auch Journalisten wie Sie müssen mal begreifen, hier ist nicht der Wilde Westen und ich bin nicht Gary Cooper."

"Das heißt Herr Schröder, Sie haben keine Ambitionen auf die Kanzlerschaft?"

"Ich verstehe diese abenteuerlichen Debatten deshalb nicht, weil normalerweise 1998 ein neuer Bundestag gewählt wird und sich diese Frage für die SPD jetzt überhaupt nicht stellt."

"Wenn ich Sie richtig verstanden habe, heißt das: jetzt keine Ambitionen, in zwei Jahren kann das durchaus der Fall sein?"

"Sie haben mich richtig verstanden! Sie sollen es auch nicht immer wieder durch die Hintertür versuchen."

"Wenn es denn nun, Herr Ministerpräsident, keinen Grund dafür gibt, sich zu bekennen, warum hat Rudolf Scharping Sie dann aufgefordert?"

"Es geht nicht um Bekenntnisse - und im Übrigen: wenn Sie was von Rudolf Scharping wissen wollen, müssen Sie mit ihm ein Interview führen, nicht mit mir."

"Wie sehen Sie denn die Zukunft der Troika?"

"Optimistisch."

"Das heißt: Sie halten sich die Option Kanzlerschaft offen, oder?"

"Sie schaffen es nicht, Sie schaffen es nicht! Die SPD hat keinen Grund, diese Frage zu diskutieren - auch wenn Sie am heutigen Morgen das noch so gerne möchten."

Programm mit Tiefe

"Mein Name ist Dietmar Bartsch, ich bin der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im deutschen Bundestag. Ich gratuliere dem Deutschlandradio ganz herzlich zum 20. Geburtstag - das ist ja jetzt mehr als Volljährigkeit, und die besten Jahre stehen bevor! Also mir gefällt zuallererst, dass es eine umfangreiche politische Berichterstattung gibt - das macht kein Sender in dieser Form. Und es ist auch einer der Sender, die etwas mehr in die Tiefe gehen - und das ist ein großer Vorzug!"

Bundespräsident Joachim Gauck (Bundespresseamt / Gero Beloer)Bundespräsident Joachim Gauck (Bundespresseamt / Gero Beloer)

Ein Sender, in dem man auch die Meinung Andersdenkender hören kann. Joachim Gauck am 26. November 2009 zum Umgang mit den Stasi-Akten:

"Mit dem Schlussstrich haben wir es in Deutschland schon einmal versucht, und zwar nach dem Krieg. Das ist gründlich misslungen. Nein, wir in Deutschland haben aus Fehlern gelernt und sind deshalb sehr früh mit dieser offenen Form der Aufarbeitung, mit offenen Akten, offenen Augen und bei einigen auch mit offenen Seelen gestartet. Und das ist für die Gesundung einer Nation nur gut."

"Hallo, das ist Paul Smith from Maximo Park, and you are listening to 'Dein Sonntag' on DRadio Wissen. I like to have a Sunday Dinner when it’s my Sunday in New Castle and I go to the pub and I watch football and just take it easy."

Sänger der Band "Maximo Park" über unseren jüngsten Zuwachs, der seit Januar 2010 auf Sendung ist, zu hören im Digitalradio und im Internet.

Gerade runderneuert, mit neuem Klang und neuen Sendungen - wie der Reihe "Einhundert - Radio wie ein Film": in einhundert Minuten erzählen Menschen etwas Bewegendes über sich. Anne Bente-Isenberg beispielsweise, Ende 20, die den Bauernhof ihres Vaters übernommen hat, als dieser starb:

"Es war am 10. Februar 2010, und es war ein ganz komischer Tag. Irgendwie waren wir an dem Tag alle zuhause, und wir saßen in der Küche und wir waren alle so komisch drauf. Und dann sind wir alle nach oben gegangen und haben eine geraucht. Und jeder hat irgendwie aus dem Fenster geguckt. Und irgendwann kam Mama in dieses Zimmer, steckt den Kopf in die Tür: Sag mal, ist Papa bei euch? Und da wussten wir alle, was los ist. Sofort. Ich bin über dieses glatte Pflaster zur Maschinenhalle gerannt, weil ich genau wusste, er ist in der Maschinenhalle - und ich hab die Tür aufgemacht, und ich wusste ganz genau, dass er sich irgendwo aufgehängt hat."

20 Jahre Deutschlandradio - täglich 500 Minuten Nachrichten, rund 260 Stunden Eigenproduktionen in Wort und Musik, wöchentlich rund 890 Minuten Wissenschaft und Bildung. Über zwei Millionen Hörerinnen und Hörer täglich. Deutschlandradio mit den Programmen DLF, DLRK und DRadio Wissen. 20 Jahre Deutschlandradio, bundesweit und werbefrei.

Chemienobelpreis-Träger am Telefon

Apropos Wissenschaft und Bildung! Als Gerhard Ertl erfuhr, dass er 2007 den Chemienobelpreis erhält, war er unmittelbar nach Bekanntgabe in "Forschung aktuell" des Deutschlandfunk am Telefon:

"Zunächst war ich sprachlos, und mir kamen sogar die Tränen, das gebe ich offen zu. Es ist schwer zu fassen, denn es ist etwas, was man als die Krönung des Wissenschaftlerlebens bezeichnen kann - und dass das ausgerechnet jetzt auch noch zu meinem Geburtstag erfolgt: etwas Schöneres kann man sich nicht vorstellen."

 Im Alter von 110 Jahren starb Alice Herz-Sommer  (picture-alliance/ dpa / Kieran Crilly)Alice Herz-Sommer (picture-alliance/ dpa / Kieran Crilly)

Im November 2006 war Alice Herz-Sommer zu Gast im Radiofeuilleton von Deutschlandradio Kultur. Die Pianistin und älteste bekannte Holocaust-Überlebende erzählte, was die Musik für sie bedeutet:

"Die Musik ist ein Zauber, das habe ich besonders in Theresienstadt gesehen - wir haben in einem Saal von vielleicht 200 Leuten gespielt, und da waren Alte, Verzweifelte, Verhungerte aus der ganzen Welt - und für diese Menschen war diese eine Stunde Musik das Essen: wir haben zwei Jahre lang buchstäblich nichts gegessen. Viele fragen mich, wo habt ihr die physische Kraft hergenommen? Das ist der Zauber der Musik!! Die Musik ist etwas Außergewöhnliches, Einzigartiges, man kann sie mit keiner anderen Kunst vergleichen."

Alice Herz-Sommer starb mit 110 Jahren im Februar 2014.

Und dann sind da noch die Stimmen des Auslands - eine beständige Inspiration, die den Blick über den Tellerrand ermöglicht. Ein Who-is-Who aus Politik und Kultur, das den Stellenwert eines nationalen Hörfunks wie Deutschlandradio betont.

Zwei Beispiele, die so unterschiedlich sind wie die Nationen, aus denen sie stammen:

Wislawa Szymborska, polnische Lyrikerin und Literatur-Nobelpreisträgerin, die 2012 starb - hier ein Auszug ihres Gedichts "Das Ende eines Jahrhunderts", das sie selbst liest.

Wer an der Welt seine Freude hat haben wollen, steht vor der Aufgabe, die nicht zu erfüllen ist. Die Dummheit ist gar nicht zum Lachen, die Klugheit ist gar nicht lustig, die Hoffnung ist nicht mehr das kleine Mädchen etc., leider.

Stéphane Hessel im Juni 2012 in Paris (picture alliance / dpa / Ian Langsdon)Stephane Hessel (picture alliance / dpa / Ian Langsdon)

Der Franzose Stephane Hessel, der 2013 starb, es aber vorher noch schaffte, mit seiner Schrift "Empört euch!" 2010 die Protestbewegungen weltweit zu beeinflussen:

"Man muss sich natürlich nicht nur empören, sondern auch daran denken, was kann man dagegen tun. Gegen grobe Ungerechtigkeit zwischen Reichen und Armen, gegen grobe Gefährlichkeit für unseren Planeten - man muss finden, was einen persönlich empört, dann muss man sich einsetzen. Wir sind persönlich verantwortlich, und wir müssen uns einsetzen für das, was uns wichtig ist."

 

Festakt mit Bundespräsident Gauck

Anlässlich des Jubiläums gibt es verschiedene Veranstaltungen und Programmschwerpunkte. Am 26. März gratulieren Bundespräsident Joachim Gauck und weitere Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur bei einer Festveranstaltung. Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur übertragen den Festakt live ab 19 Uhr in ihrem bundesweiten Programm, im Live-Stream unter deutschlandradio.de und im Digitalradio.

 

Studio 9

Italien vor dem ReferendumRenzi gegen die "Schönheit des Nein"
Renzi steht an einem Mikrofon vor einem grünen Plakat mit einer riesigen "Si"-Aufschrift und deutet mit dem Finger nach oben.  (DPA / ANSA / PALAZZO CHIGI PRESS OFFICE)

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