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Studio 9 | Beitrag vom 26.02.2016

170. Geburtstag Buffalo BillDer Mann, der den Wilden Westen erfand

Von Laf Überland

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William Cody, alias Buffalo Bill  (imago/ZUMA press)
Bisonjäger und einer der Begründer des modernen Showbusiness: der US-Amerikaner William Cody, alias Buffalo Bill (imago/ZUMA press)

Büffeljäger, Postreiter und Schreck der "Rothäute": William Cody, alias Buffalo Bill, verkörperte den Cowboy wie kein zweiter. Dessen Mythos hatte er selbst erschaffen – mit einer Wildwest-Show, die bis heute das Bild des jungen Amerika prägt.

Verkäufer: "Du meine Güte! Er ist es! Heh Joe, komm her, Mary, Lizzy, Buffalo Bill ist hier! Das ist Buffalo Bill! Buffalo Bill!"

William Frederick Cody aus dem ländlichen Iowa – als der Vater starb, musste er ran, und so hatte er mit zwölf seinen ersten Indianer umgelegt und mit vierzehn bereits als Goldgräber, Viehtreiber und Fallensteller gearbeitet. Er wurde Postreiter und Büffeljäger beim Eisenbahnbau, versorgte die Arbeiter mit Fleisch und schoss neunundsechzig Büffel an einem Tag! Fortan hieß der Mann Büffel-Willi: Buffalo Bill. 

Und er war natürlich Soldat: im Bürgerkrieg und in den langen Kriegen gegen die Prärie-Indianer, wo er bei einem Gefecht nicht nur seinen Hut, sondern auch einen Teil seines Skalps verlor. Zumindest war dies ein Teil der Geschichte, die der Groschenheftautor Ned Buntline über den illustren Westmann Buffalo Bill verfasste. Alles maßlos übertrieben, aber Cody fand es lustig – besonders, als diese mythische Geschichte an der Ostküste auf die Bühne kam und Buffalo Bill sich selbst spielen durfte.

Jagdszenen mit lebenden Büffeln

Ein paar Jahre lange pendelte er fortan. Im Winter stand er auf der Bühne, im Sommer arbeitete er als Scout für die Armee. Aber im Mai 1883 gründete er seine eigene Wildwest-Show - für die ganze Familie, mit echten Cowboys und Indianern und einigen Promi-Stars wie der Scharfschützin Annie Oakley, die ihrem Ehemann eine Zigarette aus dem Mundwinkel schoss. Es gab Jagdszenen mit lebenden Büffeln, Gemetzel mit Indianern, Postkutschenüberfall, jede Menge Lassotricks und Stunts – und vor allem General Custers letztes Gefecht am Little Big Horn. 

Senator: "Wir brauchen Männer Ihres Schlages, um diese Wilden zu vernichten. Sie müssen mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden!"

Bill Cody: "Es gibt auch Weiße, die man vernichten sollte."

Senator: "Ich verstehe Sie nicht…"

Sogar Häupling Sitting Bull machte mit

Ein Scoop war, dass Cody den Häuptling Sitting Bull in der Show auftreten ließ, diesen Häuptling der Sioux, der nach allgemeiner Auffassung die Hauptschuld trug an dieser erbärmlichen Niederlage der Weißen gegen die Indianer, die gerade mal ein Jahrzehnt zurücklag. Sitting Bull, der sein Reservat nicht allein verlassen dufte und deshalb gern das Angebot von William Cody annahm, in seiner Wildwest-Show aufzutreten. Schließlich musste er da nichts anderes tun als ein paar Runden vor dem schockierten Publikum auf und ab zu reiten - von Codys Kostümdesigner farbenfroh mit wüstem Federschmuck ausstaffiert. Und dafür kriegte er zwanzigmal so viel Geld wie der Indianerpolizist im Reservat, der ihn kurz nach seinem Gastspiel verhaftete und erschoss. 

Aber allein Sitting Bulls Auftritt bewies doch bereits, wie großzügig der weiße Eroberer war, indem er dem sich wehrenden und mordenden Indianer nichts nachtrug. Und dieses Bild des noch traditionslosen Landes auf die Weltbühne zutragen, wurde zu William Codys Mission: Identitätsbildung durch eine Show. (Bei Donald Trump funktioniert das heute noch.)

Aufführung für Queen Victoriá

Gesang: "Wer zeigt den wilden Westen wirklich wild? Wer ist der Mann, der uns als Vorbild gilt? Wer ist es, den man sehen muss und sehen will? Wer? Oberst Buffalo Bill!"

100 Weiße und 97 Indianer schiffte Cody dann über den Atlantik; 180 Pferde, 18 Büffel, Elche, Rinder, Esel und zwei Rentiere führten Queen Victoria zu ihrem Thronjubiläum vor, wie es in Amerika so zuging - wobei die Indianer natürlich nur das Beiwerk für die Heldentaten der Weißen waren, als Rothäute, die im Sonnenuntergang von ihren Pferden geschossen werden.

"Männer und Frauen, jung und alt, in Städten und Dörfern, verließen ihre Arbeit, um das leuchtende Antlitz des Abenteurers, Pfadfinders und Jägers aus dem fernen Westen zu sehen."

Der Mythos wirkt nach

Dreißig Jahre funktionierte das in Amerika und auch in Europa - wobei die Show immer größer wurde -, bis das Interesse an dem Wildwest-Spektakel nachließ und zuletzt der Bankrott drohte. Aber der Mythos, den es in die Welt gesetzt hatte, funktionierte weiter – der von Buffalo Bill und der von Freiheit und Gerechtigkeit mit der Waffe in der Hand. Und als William Cody 1917 starb, gab es Ehrenbezeugungen vom englischen König George, von Kaiser Wilhelm und Präsident Woodrow Wilson – und von den Sioux-Indianern, die fanden, sie hätten einen Freund verloren. 

 

Mehr zum Thema:

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