Donnerstag, 27. November 2014MEZ02:18 Uhr

Kommentar

Gleichstellung per GesetzMit der Frauenquote radeln lernen

Niemand möchte gerne Quotenfrau sein. Aber es gibt keinen anderen Weg, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Wir brauchen die Quote als "Stützräder" - solange bis Frauen ganz selbstverständlich in Führungspositionen gelangen, meint Katharina Hamberger.Mehr

Anschläge in IsraelAngst vor einer dritten Intifada
Ein Kind spielt zwischen den Trümmern des zerstörten Hauses eines palästinensischen Attentäters

Nach dem Blutbad in einer Jerusalemer Synagoge, rüstet sich Israel gegen neue Anschläge. Bald rücken israelische Bulldozer an und zerstören die Häuser der Attentäter. Die "Zeit"-Korrespondentin Gisela Dachs sieht keine Hoffnung für den Nahen Osten.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

NeuaufbauPaternalismus behindert die Ukraine
Menschen schwenken Ukraine-Fahnen in Kiew

Welche Spielräume hat das neugewählte Parlament in Kiew, den Konflikt mit den abtrünnigen Regionen im Osten des Landes zu lösen?, fragt Aleksandr Nowikow. Eine Föderalstruktur wie in Deutschland jedenfalls komme für die Ukraine nicht in Frage.Mehr

weitere Beiträge

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 11.09.2011

10 Jahre nach dem 11. September

Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden

Von Peter Lange

Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen
Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen (AP / Dan Loh)

Der 11. September 2001 beschreibt den monströsen Ausgangspunkt einer Terrorwelle, wie sie die Welt noch nicht gekannt hat – wenn man von Staatsterroristen vom Schlage eines Hitler, Stalin und Pol Pot einmal absieht.

Eine Blutspur ohnegleichen zieht sich seither um den Globus. Das Terrornetzwerk setzt auf maximalen Schaden und maximale Opferzahlen; der massenmörderische Hass der Attentäter richtet sich unterschiedslos gegen Männer und Frauen, Kinder und Alte; gegen arglose, ahnungslose, unbeteiligte Menschen aller Konfessionen – Muslime, Christen, Juden, Hindus.

Offene Gesellschaften tun sich schwer damit, wenn einzelne oder Gruppen das unveräußerliche Recht auf Leben ihrer Mitmenschen in derart schändlicher Weise verletzen. Der demokratische Rechtsstaat, basierend auf Menschen- und Bürgerrechten, darf nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Er würde seine Identität verlieren und den Terroristen auf krude Weise recht geben, die mit ihren Taten solche Überreaktionen herausfordern wollen – um neue Anhänger mobilisieren zu können. Dass nach dem 11. September in den westlichen Demokratien das Verhältnis von Freiheit und Innerer Sicherheit neu justiert wurde, ist insoweit verständlich und nachvollziehbar. Sicher hat es auch Übertreibungen gegeben, die sich aber auch korrigieren lassen. Nicht korrigierbar ist bis heute der verheerende Eindruck von Abu Graib und Guantanamo. Die Rückkehr der Folter war der schlimmste Verrat an den Werten, die zu schützen die westlichen Demokratien behaupten.

Zu den Folgen des 11. September gehört vielerorts ein Generalverdacht gegen Muslime. In manchen öffentlichen Debatten ist der Islam gleichgesetzt worden mit den verbrecherischen Auffassungen von Al Quaida; ein später Teilerfolg von Osama Bin Laden, der genau diese Deutungshoheit über den Islam für sich beansprucht hat. Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden. Seit den Revolutionen in Nordafrika und Arabien gibt es dazu eine neue Chance. Wenn die genutzt werden soll, ist zweierlei nötig: eine Politik auf Augenhöhe, die die legitimen Interessen neuer, demokratisch legitimierter Regierungen berücksichtigt. Und eine selbstkritische Prüfung, wo die Kooperation mit den früheren Machthabern in Kollaboration gemündet ist. Wenn eine solche Strategie glaubwürdig verfolgt wird, kann das Terrornetzwerk von Al Quaida ausgetrocknet werden.