Freitag, 25. Juli 2014MESZ10:57 Uhr

Kommentar

Gaza-KonfliktMitten in Deutschland
Eine junge Frau bei einer pro-palästinensische Demonstration auf dem Römerberg in Frankfurt am Main, 20. Juli 2014

Wenn Israel seine Armee in Marsch setzt, bricht sich Judenhass Bahn. Doch es ist nicht der deutsche und europäische Antisemitismus der 1930er-Jahre, der hier wiederbelebt wird – meint Stephan Detjen. Mehr

EU-SpitzenjobsKleinkariertes Postengeschacher
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und die Regierungschefs David Cameron (Großbritannien), Robert Fico (Slowakei), Xavier Bettel (Luxemburg), Zoran Milanovic (Kroatien) und Helle Thorning-Schmidt (Dänemark) versammeln sich vor einem blauen Vorhang.

Die Postenvergabe für die höchsten EU-Jobs gleicht einem Sudoku-Spiel, meint unsere Brüsseler Korrespondentin Annette Riedel. Bei Personalien gehe es zu allerletzt um die Qualifikation der Bewerber. Mehr

FlugzeugabschussGlücksritter und Dilettanten

Gut möglich, dass ein paar vom patriotischen Taumel besoffene Freischärler in der Ostukraine die Flugzeuge schlichtweg verwechselt haben, meint Gesine Dornblüth. Erkennt Putin jetzt, dass die Geister, die er rief, nicht mehr unter Kontrolle sind?Mehr

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Politisches Feuilleton

StraßenlärmDie tägliche Körperverletzung
Die Rücklichter eines fahrenden Autos auf der Karl-Marx-Allee in Berlin.

Der Lärm von Motorrädern und Sportwagen ist ein Angriff auf die Gesundheit, schreibt die Schriftstellerin Pieke Biermann - und spannt etymologisch eine Brücke zum Kampf an der Waffe. Keine Hoffnungen setzt sie bei dieser Art der Körperverletzung in die Politik.Mehr

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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 11.09.2011

10 Jahre nach dem 11. September

Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden

Von Peter Lange

Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen
Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen (AP / Dan Loh)

Der 11. September 2001 beschreibt den monströsen Ausgangspunkt einer Terrorwelle, wie sie die Welt noch nicht gekannt hat – wenn man von Staatsterroristen vom Schlage eines Hitler, Stalin und Pol Pot einmal absieht.

Eine Blutspur ohnegleichen zieht sich seither um den Globus. Das Terrornetzwerk setzt auf maximalen Schaden und maximale Opferzahlen; der massenmörderische Hass der Attentäter richtet sich unterschiedslos gegen Männer und Frauen, Kinder und Alte; gegen arglose, ahnungslose, unbeteiligte Menschen aller Konfessionen – Muslime, Christen, Juden, Hindus.

Offene Gesellschaften tun sich schwer damit, wenn einzelne oder Gruppen das unveräußerliche Recht auf Leben ihrer Mitmenschen in derart schändlicher Weise verletzen. Der demokratische Rechtsstaat, basierend auf Menschen- und Bürgerrechten, darf nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Er würde seine Identität verlieren und den Terroristen auf krude Weise recht geben, die mit ihren Taten solche Überreaktionen herausfordern wollen – um neue Anhänger mobilisieren zu können. Dass nach dem 11. September in den westlichen Demokratien das Verhältnis von Freiheit und Innerer Sicherheit neu justiert wurde, ist insoweit verständlich und nachvollziehbar. Sicher hat es auch Übertreibungen gegeben, die sich aber auch korrigieren lassen. Nicht korrigierbar ist bis heute der verheerende Eindruck von Abu Graib und Guantanamo. Die Rückkehr der Folter war der schlimmste Verrat an den Werten, die zu schützen die westlichen Demokratien behaupten.

Zu den Folgen des 11. September gehört vielerorts ein Generalverdacht gegen Muslime. In manchen öffentlichen Debatten ist der Islam gleichgesetzt worden mit den verbrecherischen Auffassungen von Al Quaida; ein später Teilerfolg von Osama Bin Laden, der genau diese Deutungshoheit über den Islam für sich beansprucht hat. Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden. Seit den Revolutionen in Nordafrika und Arabien gibt es dazu eine neue Chance. Wenn die genutzt werden soll, ist zweierlei nötig: eine Politik auf Augenhöhe, die die legitimen Interessen neuer, demokratisch legitimierter Regierungen berücksichtigt. Und eine selbstkritische Prüfung, wo die Kooperation mit den früheren Machthabern in Kollaboration gemündet ist. Wenn eine solche Strategie glaubwürdig verfolgt wird, kann das Terrornetzwerk von Al Quaida ausgetrocknet werden.