Samstag, 30. August 2014MESZ18:11 Uhr

Kommentar

MilitärhilfeKeine Waffen an den Irak!
Kurdische Kämpfer und Anhänger der Demokratischen Partei Kurdistans (DPK) schwenken bei Kani Masi im Norden des Irak ihre Waffen.

Im Irak haben deutsche Waffen aber auch gar nichts zu suchen, kommentiert Ulrich Leidholdt: Die Pflicht zur militärischen Hilfe liege bei denen, die den Schlamassel angerichtet haben, also bei den USA.Mehr

Sanktionen gegen RusslandEine Frage der Dosis
Flaggen der Europäischen Union vor dem Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel, Belgien (14.5.2012)

Kaum etwas aber wäre verheerender, als wenn sich die Europäer von Russland wegen der Ukraine auseinander dividieren ließen. Sie müssen mit Putin reden, aber auch die Daumenschrauben bei den Sanktionen anziehen, meint Annette Riedel.Mehr

WaffenexportNur noch ein normaler Staat
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am 20.03.2014 am Rednerpult des Bundestags in Berlin und gibt eine Regierungserklärung zur Krim-Krise ab. 

Die Bundesregierung könnte ohne Einbindung des Bundestags über die Waffenlieferungen in den Irak abstimmen. Das wäre ein von der Kanzlerin nicht gewohnter, schlechter Stil - und ein deutlicher Fehler, meint Falk Steiner.Mehr

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Politisches Feuilleton

SlowakeiWas vom Aufstand übrig blieb
Flagge der Slowakei

Am 29. August 1944 fand in der Slowakei der große Nationalaufstand statt: gegen die "Schutzmacht" Nazideutschland. Der Schriftsteller Michal Hvorecky beklagt, dass in der Debatte um das Gedenken heute die Populisten dominieren.Mehr

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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 11.09.2011

10 Jahre nach dem 11. September

Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden

Von Peter Lange

Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen
Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen (AP / Dan Loh)

Der 11. September 2001 beschreibt den monströsen Ausgangspunkt einer Terrorwelle, wie sie die Welt noch nicht gekannt hat – wenn man von Staatsterroristen vom Schlage eines Hitler, Stalin und Pol Pot einmal absieht.

Eine Blutspur ohnegleichen zieht sich seither um den Globus. Das Terrornetzwerk setzt auf maximalen Schaden und maximale Opferzahlen; der massenmörderische Hass der Attentäter richtet sich unterschiedslos gegen Männer und Frauen, Kinder und Alte; gegen arglose, ahnungslose, unbeteiligte Menschen aller Konfessionen – Muslime, Christen, Juden, Hindus.

Offene Gesellschaften tun sich schwer damit, wenn einzelne oder Gruppen das unveräußerliche Recht auf Leben ihrer Mitmenschen in derart schändlicher Weise verletzen. Der demokratische Rechtsstaat, basierend auf Menschen- und Bürgerrechten, darf nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Er würde seine Identität verlieren und den Terroristen auf krude Weise recht geben, die mit ihren Taten solche Überreaktionen herausfordern wollen – um neue Anhänger mobilisieren zu können. Dass nach dem 11. September in den westlichen Demokratien das Verhältnis von Freiheit und Innerer Sicherheit neu justiert wurde, ist insoweit verständlich und nachvollziehbar. Sicher hat es auch Übertreibungen gegeben, die sich aber auch korrigieren lassen. Nicht korrigierbar ist bis heute der verheerende Eindruck von Abu Graib und Guantanamo. Die Rückkehr der Folter war der schlimmste Verrat an den Werten, die zu schützen die westlichen Demokratien behaupten.

Zu den Folgen des 11. September gehört vielerorts ein Generalverdacht gegen Muslime. In manchen öffentlichen Debatten ist der Islam gleichgesetzt worden mit den verbrecherischen Auffassungen von Al Quaida; ein später Teilerfolg von Osama Bin Laden, der genau diese Deutungshoheit über den Islam für sich beansprucht hat. Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden. Seit den Revolutionen in Nordafrika und Arabien gibt es dazu eine neue Chance. Wenn die genutzt werden soll, ist zweierlei nötig: eine Politik auf Augenhöhe, die die legitimen Interessen neuer, demokratisch legitimierter Regierungen berücksichtigt. Und eine selbstkritische Prüfung, wo die Kooperation mit den früheren Machthabern in Kollaboration gemündet ist. Wenn eine solche Strategie glaubwürdig verfolgt wird, kann das Terrornetzwerk von Al Quaida ausgetrocknet werden.