Samstag, 4. Juli 2015MESZ15:35 Uhr

Kommentar

GriechenlandDie spinnen, die Tsipras-Leute
Eine Frau sieht in Athen die Fernsehansprache des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. (picture alliance / EPA / Fotis Plegas A.)

Eigentlich sei sie eine Griechenversteherin, gesteht unsere Brüssel-Korrespondentin Annette Riedel. Doch mittlerweile glaube sie: Die Griechen spinnen. Sie meint, die Politik des griechischen Ministerpräsidenten sei nicht mehr nachvollziehbar.Mehr

NSA-SpionageKein Partner der USA, sondern Konkurrent
Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama am 07.06.2015 in Krün (Bayern). Die Staats- und Regierungschefs der sieben großen Industrienationen (G7) kommen am Sonntag und Montag im bayerischen Elmau zusammen, um über außen- und sicherheitspolitische Herausforderungen zu beraten. (Daniel Karmann)

In der breiten Öffentlichkeit kommt nun an, was im Weißen Haus noch immer bestritten wird: Die NSA ist auch in Sachen Wirtschaftsspionage in Deutschland aktiv. Klaus Remme begrüßt den "reality check" unserer Beziehungen zu den USA.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

SteuerrechtErbschaften sind immer ungerecht
Ein Testament wird geschrieben (picture-alliance/ ZB)

Mit einer moralischen Verurteilung von Menschen, die große Erbschaften machen, kommen wir nicht weiter, findet der Journalist Markus Reiter. Wir sollten stattdessen pragmatisch denken und einen gesellschaftlichen Konsens über Steuern und Freibeträge aushandeln.Mehr

weitere Beiträge

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 11.09.2011

10 Jahre nach dem 11. September

Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden

Von Peter Lange

Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen (AP / Dan Loh)
Hinter der Freiheitsstatue ist die Skyline von Manhattan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zu sehen (AP / Dan Loh)

Der 11. September 2001 beschreibt den monströsen Ausgangspunkt einer Terrorwelle, wie sie die Welt noch nicht gekannt hat – wenn man von Staatsterroristen vom Schlage eines Hitler, Stalin und Pol Pot einmal absieht.

Eine Blutspur ohnegleichen zieht sich seither um den Globus. Das Terrornetzwerk setzt auf maximalen Schaden und maximale Opferzahlen; der massenmörderische Hass der Attentäter richtet sich unterschiedslos gegen Männer und Frauen, Kinder und Alte; gegen arglose, ahnungslose, unbeteiligte Menschen aller Konfessionen – Muslime, Christen, Juden, Hindus.

Offene Gesellschaften tun sich schwer damit, wenn einzelne oder Gruppen das unveräußerliche Recht auf Leben ihrer Mitmenschen in derart schändlicher Weise verletzen. Der demokratische Rechtsstaat, basierend auf Menschen- und Bürgerrechten, darf nicht mit gleicher Münze heimzahlen. Er würde seine Identität verlieren und den Terroristen auf krude Weise recht geben, die mit ihren Taten solche Überreaktionen herausfordern wollen – um neue Anhänger mobilisieren zu können. Dass nach dem 11. September in den westlichen Demokratien das Verhältnis von Freiheit und Innerer Sicherheit neu justiert wurde, ist insoweit verständlich und nachvollziehbar. Sicher hat es auch Übertreibungen gegeben, die sich aber auch korrigieren lassen. Nicht korrigierbar ist bis heute der verheerende Eindruck von Abu Graib und Guantanamo. Die Rückkehr der Folter war der schlimmste Verrat an den Werten, die zu schützen die westlichen Demokratien behaupten.

Zu den Folgen des 11. September gehört vielerorts ein Generalverdacht gegen Muslime. In manchen öffentlichen Debatten ist der Islam gleichgesetzt worden mit den verbrecherischen Auffassungen von Al Quaida; ein später Teilerfolg von Osama Bin Laden, der genau diese Deutungshoheit über den Islam für sich beansprucht hat. Das Verhältnis zu den islamischen Gesellschaften muss auf ein neues Fundament gestellt werden. Seit den Revolutionen in Nordafrika und Arabien gibt es dazu eine neue Chance. Wenn die genutzt werden soll, ist zweierlei nötig: eine Politik auf Augenhöhe, die die legitimen Interessen neuer, demokratisch legitimierter Regierungen berücksichtigt. Und eine selbstkritische Prüfung, wo die Kooperation mit den früheren Machthabern in Kollaboration gemündet ist. Wenn eine solche Strategie glaubwürdig verfolgt wird, kann das Terrornetzwerk von Al Quaida ausgetrocknet werden.