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007 auf der Psycho-Couch

In "Skyfall" analysiert Regisseur Sam Mendes die Psyche des britischen Top-Agenten

Von Anke Leweke

Szene des Kinofilms "James Bond 007 - Skyfall". Berenice Marlohe als Severin und Daniel Craig als James Bond.
Szene des Kinofilms "James Bond 007 - Skyfall". Berenice Marlohe als Severin und Daniel Craig als James Bond. (picture alliance / dpa / Sony)

James Bond ist ausgebrannt und erholt sich von seiner anstrengenden Agententätigkeit. Dumm nur, dass ausgerechnet jetzt seine Chefin M, im Kampf gegen einen Ex-Agenten, seine Hilfe braucht. So kommt es in "Skyfall" zum Showdown in den Highlands und der Womanizer kehrt sein Inneres nach außen.

Als konservativ denkender Bond-Fan hatte man zunächst seine Schwierigkeiten mit Daniel Craig. Plötzlich wurde aus dem lässigen Geheimagenten ein schwitzender Körperarbeiter, aus dem Womanizer ein traumatisierter Liebender, aus dem Weltmann ein hemdsärmeliger Kerl. Nun hat man für seine dritte Mission auch noch einen Regisseur engagiert, der ein Fachmann in Sachen angeschlagener Männlichkeit ist. Für den Jubiläums-James-Bond zeichnet Sam Mendes, der Regisseur von "American Beauty" verantwortlich.

Und das Konzept geht auf! Souverän meistert Mendes die Gratwanderung seines Helden zwischen Virilität und Fragilität. Die Angeschlagenheit von 007s Psyche wird zum Motor der Handlung: Es geht um den Kampf zweier verstoßener Söhne um die Aufmerksamkeit der Mutter/ Ersatzmutter/Übermutter. Der eine versucht diese Aufmerksamkeit durch Rache zu erlangen, der andere durch Gehorsam. Die Geheimdienstchefin M (Judi Dench) hat vor vielen Jahren ihren Agenten Silva (Javier Bardem) bei einem Einsatz geopfert, und zu Beginn von Skyfall widerfährt 007 ein ähnliches Schicksal.

Er taucht unter, pflegt seine körperlichen und seelischen Wunden, erholt sich vom Agenten-Burnout. Als er hört, dass M unter Beschuss geraten ist, weil ihr eine Datei mit den Namen aller Geheimagenten abhanden gekommen ist, die sich Undercover in Terrororganisationen eingeschlichen haben, meldet er sich zum Dienst zurück.

Ausgerechnet Silva, der sich jetzt als Cyberterrorist betätigt, ist sein Widersacher. Der Showdown führt die beiden Männer und die verwundete Geheimdienstchefin in die schottischen Highlands. Dort oben in den Bergen, wo einst der kleine Bond mit seinen Eltern wohnte, zieht Sam Mendes alle Register. "Skyfall" ist Kammerspiel, Psychodrama und Actionspektakel in einem.

Großbritannien/USA 2012. Regie: Sam Mendes. Darsteller: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Ralph Fiennes. FSK: ab 12. Länge: 143 Minuten

Filmhomepage "Skyfall"

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